Ehrenamt Tagebuch Teil 6

So jetzt habe ich ein paar Tage Pause gemacht, aber was ich am Freitag erlebt habe, muss ich doch hier erzählen.

Vorab: in der Schule und den Kursen keine besonderen Vorkommnisse - abgesehen davon, dass in der Schulklasse ein Afghane meinte,

dass Hitler ein toller Mann war und schade, dass er tot ist. Wo er den Schmarrn her hat????????? Ich habe mir verkniffen ihm zu sagen, dass sie dann alle aus der Klasse wohl nicht mehr leben würden.

17.11. bzw. 19.11.17:

es geht um den Freitag: Der Kongolese, der im Krankenhaus, hat mich gebeten, Briefe für ihn zu übernehmen. Ein Freund sollte sie mir in den Computerkurs bringen. Aber weder Dienstag noch Mittwoch ist er gekommen.

Also bin ich am Freitag - früh aufgestanden, schluchz - und um 8 Uhr in die Gemeinschaftsunterkunft gegangen, weil da das Büro angeblich ab 8 Uhr besetzt

ist. War aber niemand da, Tür war abgesperrt, dafür jede Menge junger Männer, in allen Farben. Wie immer sehr höflich und sehr hilfsbereit. Wénn nur das Heim nicht so verlottert wäre. Es kümmert sich niemand darum. Der Vermieter kassiert ein Schweinegeld vom Staat - bis zu 370 € pro Bett im Mehrbettzimmer - und mehr gibt die Bayerische Staatsregierung nicht aus, zum Renovieren und Reinigen reicht es nicht. Zum Glück gibt es immer ein paar junge Männer, die sich gegen 80 Ct. pro Stunde des gröbsten Drecks annehmen.

Also die jungen Männer haben mich dann zu der Sozialarbeiterin, die auch im Haus arbeitet, gebracht und sie konnte mir dann sagen, dass die Dame aus dem Büro in ein paar Minuten kommt.

Na bis sie da war, war es fast 9 Uhr 30. Aber ich hatte ja nette Unterhaltung. Dann kam auch mal eine jungen Afrikanerin mit ihrem Baby. Die Männer haben sich dann so lieb mit dem Baby beschäftigt.

Also dann ins Büro. Ich hätte gerne die Post von ...... Ja der ist schon seit Wochen nicht mehr aufgetaucht. Ich dachte, ich bekomme einen Schreikrampf.

Von mir hat sie dann erfahren, dass er seit 3 1/2 Wochen in der Psychiatrie ist. Es gibt in Mühlorf eine Organisation, die sich um psychische Probleme kümmert und auch Psychiater bereit stellt. Da wurde festgestellt, dass er suizidgefährdet ist und deshalb musste er in die Spezialklinik.

Wir ich jetzt erfahren habe, wurde die Unterkunft nicht darüber informiert. Man hatte ihn praktisch entführt. Aber auch die Unterkunft hielt es nicht für nötig nachzuforschen. Wenn  sie seinen Zimmergenossen, bei dem wir dann einen Teil der Post abgeholt hatten, gefragt hätten, wäre das schon mal gut gewesen. Und wenn ein Heimbewohner 3 Wochen nicht auftaucht, sollte man vielleicht auch mal die Polizei einschalten. Er hätte sich ja auch was antun können. Alle Post habe ich nicht bekommen,  weil der Zimmergenosse schon Post an den Freund weitergegeben hatte, die dieser mir übergeben sollte.

Wir haben dann diesen Mann angerufen, er wohnt in der Erstunterkunft, einmal quer durch die Stadt. Ja er wollte die Post mir am Donnerstag geben, aber ich war nicht da. Nein, natürlich nicht, donnerstags nie (außer in den Ferien, wenn mein Franz. Kurs ausfällt). Mit ihm habe ich mich dann verabredet.

So gegen 10 Uhr 30 war er da. Schlafanzug unter  dem Mantel. Er wollte schnell da sein. Wir sind dann ins Cafè - da habe ich erst gesehen, was er an hat.

Oweia.

Als ich dann zuhause war, so gegen 11 Uhr 30, habe ich alle Post geöffnet - ich hatte es schriftlich, dass ich das darf - habe ich alles fotografiert und dem K. per Whatsapp geschickt. War gerade fertig, da kam von ihm die Nachricht, dass er am gleichen Tag das Krankenhaus verlassen kann. Ich soll doch bitte mit meiner Schwester kommen und ihn holen. Geht nicht, meine Schwester hat für 14 Tage kein Auto, hat ihr Sohn. Er ist ja durch Polio gehbehindert und kann mit Gepäck nicht zum sehr weit erfernten Bahnhof gehen, dasselbe wäre dann auch noch mal in Waldkraiburg. Also ich in der Unterkunft angerufen. Buchbinder Wanninger lässt grüßen. Er muss im Krankenhaus einen Krankentransport oder eine Taxxifahrt beantragen. Dann habe ich da angerufen, wo man den Transport ins Krankenhaus vorgenommen hatte. Niemand da, also E-Mail. Keine Antwort.

Ich habe dann gesehen, dass K. schon längere Zeit - c.a 1 Stunde - nicht mehr seine Nachrichten abgerufen hat, also habe ich ihn angerufen. In franzöisch ist das für mich eine Herausforderung. Was erfahre ich da? Er sitzt im Auto der Frau meines Kollegen. Also 2 Deppen. K. und die Frau fanden es nicht für nötig mir gleich Bescheid zu geben. Inzwischen war es lange nach Mittag, ich hatte mir nicht gekocht, um mehr Zeit für ihn und seine Belange  zu haben.

6 Stunden hatte ich mich nur um seine Belange gekümmert. Er wollte auch dringend einen Termin bei dem Psychiater haben, weil das krankenhaus das angeraten hatte. Also habe ich noch mal versucht, den Mann anzurufen, der ihn ins Krankenhaus gebracht hatte. Endlich. Ja am Donnerstag macht er das.

Der Brief von Krankenhaus muss vorher zu dem Psychiater. K. fragte dann per Whatsapp, wann er mir den Brief zur Weiterleitung geben kann.

Gerne am Samstag Vormittag- Da hat er keine Zeit. Also dann nicht. Ich war bis dahin schon auf 100.

Das er sich doof anstellt, ist seiner Verfassung zuzurechnen. Dass aber die einzelnen Instutionen sich nicht gegenseitig informieren. Dass keine Suche eingeleitet wird von der Unterkunft ''''?'!'?'!'!! Ich fass es nicht. Am 30.11.. ist wieder Treffen der Caritas und meiner Kollegen und auch die Stelle, die sich jetzt um die psychisch Kranken kümmert, kommt auch. Da muss ich mal meinen Frust los werden.

So jetztz ist mir wohler, aber noch nicht wohl. Seit Freitag habe ich nicht mehr geschlafen. Es geht so viel durch den Kopf. Heute habe ich mir zum Trost einen Apfelhefekuchen gebacken und mit viel Sahne gegessen.

Ich hatte davon meinem Schützling N. geschrieben, seitdem ruft er jeden Tag an wie es mir geht.


21.11.17

Heute war Ehrenamtsbüroarbeit am Morgen und von 14 Uhr 15 bis 16 Uhr 30 war ich mit U. beim Psychiater. Das ist reine Fließbandarbeit. Ich bin nicht sehr glücklich damit. Dann hatte mein junger Mann auch noch seine Medikamente vergessen und musste noch mal zurück. Hat auch Zeit gekostet.

Schlimmer ist  aber, dass auf dem Überweisungsschein/Arztbericht weder die Medikamente noch der Name des überweisenden Arztes ersichtlich war.

Wie blöd ist das denn. Ich habe es zufällig gewusst.

Im Wartezimmer habe ich noch 3 junge Männer aus der Erstunterkunft  kennengelernt. 2 Nigerianer und ein Jordanier. Der sprach schon sehr gut Deutsch und will auch in die Kurse kommen. Evtl. bringt er die  Nigerianer mit. Einer hatte nur Flipflops an. Wenn die alle in die  Kurse kommen, reicht der Platz und die Laptops nicht. Und in Zukunft hilft mir dienstags wieder mein Kollege, denn alleine ist das zu viel.

Die Lehrerin in der Schule war so lieb und hat sich für einen jungen Nigerianer eingesetzt, der schon mal in der Schule war, aber hingeschmissen hat, dass man ihm noch mal eine Chance gibt. Es ist der junge Mann, denn ich auch in der Psychiatrie wieder getroffen hatte. Er braucht dringend ein geregeltes Leben. Also am Donnerstag soll er sich noch mal vorstellen. Wie ich heute erfahren habe, ist jetzt auch noch seine Mutter gestorben, was ihn wieder aus der Bahn geworfen hat. Mein Kollege, der nachts erst um 4 Uhr vom Zeitung Austragen    nach Hause kommt und auch nicht in Waldkraiburg wohnt, setzt sich aber am Donnerstag ins Auto und holt ihn ab und bringt in zur Schule im Nachbarort.

Ist das nicht toll?

22./23.11.17

Gestern ist wegen Krankheit der Weibertratsch ausgefallen. Aber mein Schützling C. hat mich gebraucht. Jede Menge Schreiben mit denen er nichts anfangen konnte. Dann habe ich nach seinem Ausweis gefragt, weil der an eine Betreuungsstelle für  körperlich Behinderte gesandt werden sollte. Da hat er festgestellt, dass er ihn verloren hat. Eine größere Katastrophe kann es kaum geben. Er muss sich jederzeit ausweisen können. Also habe ich ihm gesagt, dass er weiter suchen muss und dass ich für ihn im Krankenhaus anrufen werde, ob der Ausweis da ist. Er hat mir bei der Gelegenheit von den Verletzungen seine Frau im Kongo gezeigt. Der rechte Unterschenkel hat eine grauenhafte offene Wunde und muss amputiert werden. Geht aber nicht ohne Geld. Im Gesicht sich eine Geschwulst auf der rechten Seite im und auf dem Knochen gebildet. Müsste auch dringend operiert werden, ein Teil der Knochens muss weg. Ohne Geld keine Operationen. Krankenkasse haben sie nicht, weil sie auch keinen Beruf haben. Dafür 2 Kinder.

Hier bin ich wirklich hifllos - zumal ich mir sicher bin, dass er nicht der einzige mit so einem Schicksal ist.

Im Konversationskurs war C.2, der auch extreme Probleme hat und mich  auch sprechen wollte. Gestern nicht mehr. Alles geht nicht, ich wollte ja am Abend ins Theater "Honig im Kopf" Was lustigeres wäre mir lieber gewesen. Aber im Konversationskurs waren auch wieder 2 neue, dafür hat Uganda komplett gefehlt. 2 hatten sich sogar entschuldigt.

Heute

um 9 Uhr hat mich C.1 aus dem Landratsamt angerufen, er wollte dort einen neuen Ausweis beantragen. Wurde aber informiert, dass er keinen neuen mehr bekommt und Deutschland verlassen muss. Da zu muss er aber zur kongolesischen Botschaft in Berlin. Das kann er aber weder körperlich noch seelisch.

Und man wollte, dass er mit dem überreichten Schreiben der Ausländerbehörde zu seinem Anwalt nach München fährt. Ich habe gesagt, dass muss er nicht machen, es soll gleich zu mir kommen, wir können alles per E-Mail zum Anwalt schicken. Er kam dann hier an, ein seelisches Wrack.

Wir haben dann alle Papiere mit dem Handy fotografiert und alles an den Anwalt geschickt, Ich warte noch auf Antwort, wie weiter.

Inzwischen ist C. hier in eine Decke eingewickelt, weil er so gezittert hat, im Stuhl eingeschlafen. Ich habe dann noch mit einigen anderen Ämtern gesprochen. Um 11 Uhr 30 ist er dann gegangen. Ich hoffe, dass der Anwalt den Fall wieder aufgreift. Er hatte ja die Klage beim Verwaltungsgericht zurückgezogen - daher der Ausreisebefehl . Er wollte eine neue Klage anstrengen, wenn sich die Situation geändert hat. Speziell eine Verschlechterung des seelischen Zustandes bewiesen ist. Inzwischen wurde er ja wegen Suizidgefahr in die Psychiatrie eingewiesen. Ob das genug Änderung ist?

Nächster Termin beim Psychiater ist am 1.12. - da begleitet in jemand von der Caritas. Den möchtei ich aber gerne vorher sprechen. Ich hoffe, dass es klappt.

Kaum war er weg, rief C.2 an, er braucht mich dringend, er hat das Gefühl, dass sein Anwalt, der leider weiter weg ist, nichts mehr für ihn tut.

Also treffe ich ihn morgen um 10 Uhr im Cafè.  Wieder ein Vormittag weg. Irgendwann kann ich den Dreck aus der Wohnung schaufeln.

Hilfsbereitschaft kann anstrengend werden und teuer.

24.11.17 Treffen mit C.2

Immer die gleichen Probleme - eingereist gemäß Dublin-Gesetz = wer über ein anderes Land der EU nach Deutschland eingereist ist, und hier kein Asyl bekommt, muss in das Land der Einreise zurück. Der junge Mann, naja verheiratet und Vater von 2 Kindern, hat eine lange Odysee hinter sich.

Weissrussland, Litauen, Schweden, Deutschland. D.h. er muss nach Litauen zurück. Die östlichen Länder sind aber extrem ANTI eingestellt. Auf jeden Fall keine Schwarzafrikaner, Christ  ist er aber. Er will hier bleiben, noch spricht er kaum Deutsch. Aber englisch, russisch, schwedisch und natürlich französisch. Ein sehr gepflegtes Französisch, was nicht bei allen der Fall ist. Er könnte wunderbar als Dolmetscher arbeiten. Er hat wohl auch studiert.

Die Verständigungsschwierigkeiten liegen an mir, weil mein französisch nicht so gut ist. Ich habe jetzt einige Daten, mit denen ich Kontakt zu seinem Anwalt aufnehmen kann.  Es ist so schwer zu erklären, dass ich letztendlich nicht viel helfen kann. Ich kann ein bisschen Zuwendung geben. Aber gegenüber den Behörden sind mir die Hände gebunden. Interessant ist auch, dass die Übersetzung seiner Anhörung beim BAMF sehr von dem deutschen Text abweicht.

Was nu?

Was mein Lohn ist? Die Bekanntschaft und manchmal auch Freundschaft mit wunderbaren jungen Menschen. Liebe Umarmungen, freundliche Begegnungen. Das ist einfach toll.

28.11.17

Heute Morgen habe ich schon mit dem Anwalt von C.1 telefoniert. Ich kann ihn jederzeit anrufen und er war auch gar nicht böse, dass ich ihn mit mindestens 20 verschiedenen Schreiben und Attesten eingedeckt hatte. Er hat mir jetzt wieder etwas weiter geholfen. Evtl. kann er das Verfahren wieder aufnehmen.

Dann habe ich gestern gesehen, dass mich der Anwalt von C2  abends anrufen wollte, da war ich allerdings zur Demo.

Ich kann ihn heute gegen 17/18 Uhr wieder anrufen - tagsüber hat er Gerichtstermine.

Seit einer Stunde sitze ich jetzt hier am PC und schreibe an die verschiedenen Stellen im Landratsamt für C1. An und für ich müssen alle Unterlagen immer persönlich abgegeben werden. Aber ohne Auto und auch mit wenig Zeit um mit dem Zug zu fahren, mache ich das immer per Mail und bitte um Bestätigung, dass das auch ok ist.

Als man mich gefragt hatte, ob ich als Sprachpatin im Ehrenamt tätig sein will, war von all den anderen Dingen nicht die Rede. Und außer meinem jungen Kollegen, macht diese Arbeit auch niemand. Wir wollten einfach nicht zusehen.

29.11. Schule und Konversationskurs

Ich bin doch am Überlegen, ob ich die Mitarbeit in der Schule zum Klassenwechsel im Februar nicht aufgeben sollte. Ich glaube, ich werde dann nicht mehr gebraucht. Da müssten schon zum neuen Schuljahr im März sehr viel  neue Schüler kommen. Das sehe ich aber im Moment nicht.

Diese Klasse, in der ich jetzt bin, die wird mir sehr fehlen, aber sie gehen dann ja alle ihre eigenen Wege. Da  kann ich dann nur viel Glück wünschen.


Am Nachmittag waren 7 Quatschköppe da - war richtig lustig. Gerade, wenn es nicht so viele sind, kann man mehr rüberbringen.

Wir haben ein Spiel gemacht, immer einer hat einen Zettel mit einem Beruf auf die Stirn geklebt bekommen und die anderen mussten darstellen, was für ein Beruf es ist, und der "Zettelmann" musste das dann erraten. Dann haben wir noch übers Händewaschen nach der Toilette gesprochen. Und dass man nicht "wildpieseln" darf.

30.11.17 - Schule

Erste Stunde ist ja immer Konversation - ich und meine "Kinder". Die  Jungs machen weitgehend gut mit, die beiden jungen Frauen gar nicht. Schade

Heute ging es um Umweltschutz und auch wie gestern schon übers Hände waschen nach dem Toilettengang. Für die Syrer (bis auf einen Muslime) absolut

  unverständlich sich nicht die Hände zu waschen, Hände waschen verlangt ja ihre Religion. Wichtig auch für die Schwarzafrikaner, wo doch noch viel mit den Händen gegessen wird - Hände waschen ist ein MUSS.

Habt Ihr alle sicherlich im Radio gehört - nur 32 % der Deutschen Männer und 64 % der Frauen waschen sich nach dem Toilettengang die  Hände.

Äbäääääää

04.12.17 - Ehrenamt

Beim letzten Konversationskurs war ein junger Eriträer. Wird bald 25. Aber ich habe trotzdem seine Daten in der Schule abgegeben und  hoffe, dass man ihn noch nimmt. Es gibt da immer so Ausnahmeregelungen.

Von dem jungen Nigerianer, der noch einen Platz in der Schule bekommen hat, habe ich von der Sozialarbeiterin erfahren, dass er in 14 Tagen einen Termin bei  der Rückkehrberatung hat.

Heute Vormittag wollte ich mich über meine Wohnung machen. Aber nix war. Meine Schützlinge haben mich schwer beschäftigt. Anwalt anschreiben, mit der pschiatrischen Praxis telefonieren. Ander beruhigen und sich mit einem freuen. Ihm war sein Geld auf Taschengeld gekürzt worden.

Ich hatte das Amt angeschrieben, was das los. Heute kam der Brief, dass er wieder seinen vollen Unterhalt bekommt. Das ist mein Sorgenkind C1.


Aber C2 entwickelt sich auch zum Problem. Da kam heute Morgen schon ein Hilfeschrei. Und gerade eine Sprachnachricht, aber auf französisch.

Eva nix verstehn. Aber irgendwie soll er wegen seines Rückens operiert werden. Wie, wo, was muss ich ihn morgen im Sprachkurs fragen.


Mit S. war ich gestern wieder spazieren, wird sind nach Kraiburg gegangen. Ich glaube, es hat ihm sehr gefallen. Er wollte mit mir Hand in Hand spazieren gehen. Habe ich  aber abgebrochen und ihm erklärt, was manche Leute denken könnten. Im Februar werde ich mit ihm zu einem Tanzprojekt gehen.

Eintritt € 16 und der junge U. geht auch mit, falls er noch in Waldkraiburg sein sollte. Er ist ja Hobbytänzer und es würde ihm sicher gut gefallen.

Karten muss ich schon jetzt kaufen. Na, wenn er nicht mehr da sein sollte, wird sich sicher auch jemand anderes finden.

05./06.12.17

Im Computersprachkurs habe ich gestern mitgeteilt, dass ab Mitte Dezember diese Möglichkeit an 5 Tagen pro Woche direkt gegenüber ihrer Unterkunft angeboten wird. Mein Kollege und ich gehen aber nicht mit, wir bieten die Kurse weiterhin in der Bücherei an. Alle haben gesagt, dass sie auf jeden Fall dienstags weiterhin zum Computersprachkurs zu mir kommen werden und am Donnerstag  zu meinem Kollegen und zum Konversationskurs sowieso.

Wir sind gegenüber eine anderen Unterkunft.

Finde ich toll. Wenn sie allerdings irgendwann mal nicht mehr kommen, weil es neue Leute sind, die von uns gar nichts wissen, dann werden wir aufhören. Bzw. ich werde nicht zu der anderen Stelle wechseln. Mein Kollege schon.

Schule: Es war schon klar, dass ich heute was mitbringe. Frage war nur, was? Natürlich Nikoläuse. Und was gibt es morgen?. Mal sehen. Heute waren nur 6 da. Wie ich erfahren habe, muss einer für ein paar Wochen einsitzen. Keine Ahnung warum.

Heute habe ich auch erfahren, dass evtl. der Unterricht nicht mehr in Waldkraiburg, sondern im Nachbarort angeboten wird. Dann  bin ich da auch raus.

Dann habe ich Zeit mich einigen wenigen intensiver zu widmen.

Konversationskurs

Thema: Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann, was er will, sondern, dass er nicht tun muss, was er nicht will.

Es hat sich gezeigt, dass da sehr viel an Fluchtgründen drin steckt.

Dann haben wir noch über die Zukunft in Deutschland gesprochen, über ihre Berufswünsche. Einige gehen zur Schule, andere zur VHS, andere sind auf Jobsuche, einer macht Praktikum zum Altenpfleger. Er ist soo dünn. Und er sagt, die alten Leute sind manchmal sehr schwer. Und dann sprechen sie auch noch bayerisch. Er kommt auch aus Sierra Leone. Aber nicht so dunkel wie S1.

S1 hatte ich angeschrieben, er solle nach der Schule im Kurs vorbeischaun, weil ich ihm von einem Lehrer etwas geben sollte. Habe ich gemacht.

Aber es waren der evtl. zukünftige Tanzlehrer da (nicht nur Salsa wie ich dachte, sondern auch Walzer - Walzer bei einem Tanzlehrer aus Uganda - da komme ich ins Überlegen). Also wir haben ihn dann überredet uns etwas vorzutanzen. Toll. Aber ganz irre, S1 war ja auf einen Workshop (Kunst) und hat da wohl auch entdeckt, dass er gerne tanzt. Ihn habe ich auch überredet und er hat uns dann HipHop, Breakdance und Moonwalk präsentiert.

Es ist so toll, was man mit diesen Menschen erleben kann.

Ich bin ganz happy nach Hause gegangen. Aber auf einem Stück des Weges hat mich S1 begleitet und hat noch mal eine Standpauke bekommen, weil er gestern unentschuldigt nicht in der Schule. Er bekommt von den Lehrern so viel Unterstützung, dass ich es schon unverschämt finde, wie er sich gestern verhalten hat. Wir haben uns dann aber doch mit einer Umarmung verabschiedet. Ich hoffe, er hats kapiert.

Achja - Lebkuchen hat es auch gegeben.

07.12.17 - Schule

Heute waren nur 4 da. Die anderen hatten Termine. Das ist auch so was blödes, dass die Ämter keine Rücksicht auf Unterrichtszeiten nehmen.

Unser Konversationsthema war deutsche  Pünktlichkeit und was den jungen Menschen an uns Deutschen nicht gefällt.

In Syrien macht man keine Uhrzeit aus, wenn man sich am Abend trifft - irgendwann halt am Abend. Wenn man früh da ist, kann man beim Kochen helfen, wenn man später kommt, isst man, was noch da ist. Es wird aber immer sehr viel zu bereitet. Das gilt für Familien. Junge Leute treffen sich einfach so.

Unsere Art zum Essen auch nur unter Freunden kennen sie so nicht.

Und große Augen, als ich gesagt, habe, wenn ihr ein Vorstellungsgespräch um 8 Uhr habt, dann könnt ihr nicht den Bus nehmen, der 1 Minute vor 8 ankommt. Er könnte ja Verspätung   haben, also einen Bus früher nehmen. Das können sie nicht fassen.

An  uns - und das kann ich sehr gut verstehen, weil ich auch immer damit kämpfe, ist es die Pauschalisierung. Stellt ein Flüchtling was an, heißt es gleich

"die Syrer, die Flüchtlinge", dann sind es immer alle. Vorige Woche haben in Mühldorf, unserer Kreisstadt, 4 Syrer einer alten Frau das Leben gerettet. Sie haben sie aus einem brennenden Haus geholt. Da steht in der Zeitung 4 Syrer, da steht  nicht, dass Syrer, Flüchtlinge sehr hilfsbereit  sind.

Ich kann ihnen das sehr nachfühlen.

Die junge Frau ärgert sich, dass sie wegen ihres Kopftuchs dumm angemacht wird. Ich finde das auch immer schlimm. Mich stört es überhaupt nicht.

Manchmal wäre es ganz gut, wenn wir auch ein Kopftuch trügen - einfach nur so. Und das  lästige Haare machen morgens, würde wegfallen.

12.12.17 - Computersprachkurs

kein freier Laptop, kein freier Stuhl mehr - toll und alles schwarze Power. Ich liebe sie.  Ich wollte ja eher weg, weil ich mich für die Weihnachsfeier aufbrezeln wollte, aber es hat so viel Spaß gemacht, dass ich das vergessen habe. Da hats dann aber pressiert.

Es gab auch tagsüber wieder viel für die jungen Leute zu erledigen. Ich bin in meinem alten Beruf "Sekretärin" wieder angekommen.

13.12.17 - Schule

aber einer der Schüler hat gefragt, wie er Gewicht an Muskeln zulegen kann. Also kam dann auch die Ernährungstherapeutin zum Tragen und ich habe ihm einiges zusammen geschrieben. Und ja  auch am Tag zu vor. Aus den Unterlagen des C.1 habe ich gesehen, dass er Diabetes hat.. Man hat ihm einfach Tabletten verschrieben, ohne zu sagen, weshalb und warum. Auch für ihn habe ich einen Essplan zusammengestellt.

Er war 3 Woche in der Psychiatrie und heute kamen die Rechnungen, man muss ja für jeden Tag € 10 bezahlen,  Jetzt muss ich sehen, wie und wo und was ich das wieder abwenden kann. Die Stelle, die ihn ins Krankenhaus gebracht hat, fühlt sich dafür nicht zuständig. Man hat ihm eine Aufstellung mitgegeben, was ich alles für ihn tun muss. Ich glaub es hackt. Die staatlichen und kirchlichen Amtsstellen werden richtig unverschämt. Sie lagern alles an uns Idioten aus. Mein Kollege macht so etwas nicht, er ist nicht so gewandt in diesen Dingen. Aber wahnsinnig hilfsbereit. Er fährt jetzt mit C1. wieder zum Anwalt nach München. Da bekommt er auch kein Spritgeld für. Ich muss jetzt beim Anwalt nur einen Termin vereinbaren und hoffen, dass er jemand hat, der französisch spricht. Sonst muss ich auch noch  mit.

Das war jetzt ein Ausflug in den Computersprachkurs usw.

Weiter mit der Schule. Obwohl, da gab es nichts besonderes. Kleine Klasse und morgens liebevolle Umarmungen.

Konversationskurs

In der Erstunterkunft war heut eine Versammlung und so konnten einige nicht kommen. Aber mein Schreiben vom Psychiater bin ich los geworden und die Milkaschokolade, die wir beim Mittagessen geschenkt bekommen haben, bin ich so auch los geworden. Ich ja wirklich nicht meins.

Wir haben heute über eine Feststellung von Mutter Teresa gesprochen: "Einsamkein und das Gefühl nicht erwünscht zu sein, ist schlimmer als Armut."

Aber es ging auch darum, was man  besser als "besoffen" sagt.

Uganda Mann 3 - er ist ja einer meiner Bodyguards, ein riesengroßer Kerl. Ich wusste, dass er Soldat war. Er wollte auch Hilfe von mir. Ich habe gefragt, wie lange er Soldat war. 11 Jahre- jetzt ist er 26 und schon ein Jahr in Deutschland. Also Kindersoldat "ja". Für ihn muss ich jetzt auch einen Anwalt suchen  und eine Möglichkeit, wie er Geld nach Uganda schicken kann, wenn er keinen Pass hat. Und plötzlich fing er an zu weinen.  " Sie haben uns so viel versprochen und nichts gehalten". Auf jeden Fall hatte ich dann diesen großen jungen Kerl in meinen Armen und getröstet. Er ist sehr schwer zu verstehen, weil er einen Sprachfehler hat.Naja und so bin ich heute erst sehr spät nach Hause gekommen. Es war ein 11 Stunden Tag.

14.12.17 - Schule

wir waren nur zu 5t. Die Schülerin hatte Kopfweh - also keine Teilnahme am Gespräch - einer musste zu einer Nachprüfung - und schon waren es nur 3.

Also kann man auch einen netten Ratsch halten. Und auch das hat sich zu einem Zwiegespräch entwickelt. Allerdings war das sehr schön und aufschlussreich. Der junge Mann will irgendwann  zurück in seine Heimat und beim Wiederaufbau helfen. Im Moment hat er Angst, dass er die Ausbildungszeit nicht schafft, er glaubt, dass Physik für ihn zu schwer ist. Aber er hat syrisches Abitur und wenn ich sehe, wer hier von den deutschen Jugendlichen alles die Ausbildung schafft, dann schafft er das auch. Ich habe ihm aber noch eine Adresse gegeben, an die er sich für Nachhilfe wenden kann und auch die jetzige Schule kann er sich jeder Zeit wenden. Ich wünsche ihm wirklch alles alles Gute.

Die Eltern einer Lehrerin haben eine Bio-Landwirtschaft mit Käse und Butter und auch einen Landgasthof, allerdings in Niederbayern und nicht gerade um die Ecke. Aber nächste Woche bringt sie mir Käse mit.