Tagebuch Ehrenamt

Der Auslöser:

Gedanken, die mich im letzten Jahr beschäftigt haben - will ich so weiter leben oder nur warten bis es zu Ende ist?

Das Flüchtlingsproblem hat mich sehr beschäftigt und so war schon die Idee geboren, sich bei der Flüchtlingshilfe zu engagieren.

Mitte November 2015 habe ich dann auf dem Rathausvorplatz eine Dame mit einer Gruppe Senegalesen getroffen - kohlrabenschwarz und wahnsinnig nett.

Wir kamen gleich ins Gespräch - auf deutsch, englisch, französisch und italienisch. Ich habe dann gefragt, ob ich ein bisschen schnuppern darf und so kamen wir überein, dass ich sie beim Unterricht für beiden Analphabeten unterstütze. Bis kurz vor Weihnachten war ich mit Freude dabei - die jungen bis mittelalten Männer vermisse ich sehr. Demnächst werde ich sie aber mal wieder beim Unterricht besuchen.

In die Tat umsetzen:

Anfang Dezember war dann ein Treffen vom Asylkreis (LA  Mühldorf) in Neumarkt St.Veit. Da wurde erklärt, was auf Ehrenamtler zukommt, wenn sie einen Alphabetisierungskurs geben  wollen und es war auch der Direktor der Mittelschulen des LK da. Er erklärte, dass alle jungen Flüchtlinge zwischen 16 und 21/22 Jahren Unterricht erhalten sollen und dass der Start am 07.01. in den Mittelschulen des Landkreises sei. Ich habe meine Adresse hinterlassen.

Jede Klasse soll neben dem Lehrer noch einen Ehrenamtlicher zur Unterstützung dabei haben.

Am 17.12. war dann in Mühldorf noch mal eine nähere Info-Veranstaltung, an der ich leider nicht teilnehmen konnte - meine Bronchitis hat mich daran gehindert. Ich bin aber trotzdem am  Ball geblieben und so kam es am Freitag 15.01. zu einem weiteren Gespräch in Mühldorf und da wurden gleich Nägel mit Köpfen gemacht. Es waren viele Ehrenamtler da, die helfen wollen

Ich starte am 18.01.2016

Am 14.12. war auch eine Infoveranstaltung hier in Waldraiburg - ich stand bereits mit diesem Asylkreis in Kontakt, aber leider war dieses Treffen sehr schlecht vorbereitet. Ich warte immer noch auf das Zustande kommen des Alpha...kurses.

Es sind nicht zu viele Flüchtlinge das Problem, sondern die extrem schlechte Vorbereitung. Man wusste schon seit Anfang 2015, dass es sehr sehr viele Flüchtlinge werden - da hätte man  spätestens anfangen müssen mit der Organisation, sei  es von Unterkünften, Dolmetschern, Sozialarbeitern, Lehrern,

Ärzten und vielen vielen freiwilligen Helfern.

Am Montag, dem 18.01.16 geht es hier weiter - so und nun ist Montag, der 18.01.2016

Die Lehrerin, die jeden Tag 2 Stunden Unterricht abhält, muss morgens schon mal 45 km fahren. Eine nette junge Frau.

Die Gruppe besteht aus 14 Teilnehmern - 20 könnten es werden - aber heute waren nur 6 da. 4 junge Männer, aus dem Senegal, aus Sierra Leone und Afganistan und 2 junge Frauen aus Palestina und Syrien. Der junge Mann aus Afganistan und die junge Frau Syrien sprechen kaum deutsch.

Leider kann in dem Kurs auch niemand Farsi, so dass er wirklich auf sich alleine gestellt ist - er muss jeden morgen 10 km mit dem Bus kommen.

Die junge Frau aus Syrien spricht auch nur arabisch, wird aber von der jungen Frau aus Palästina unterstützt, sie erklärt alles auf arabisch - irre Sprache, wenn man mal direkt damit konfrontiert wird. Leider bietet unsere VHS kein Arabisch an.

Heute ging es um die Uhrzeiten, was zum Frühstück gegessenund getrunken  wird

Natürlich habe ich mich erst vorgestellt und auch die jungen Leute haben sich vorgestellt und erzählt wo sie her kommen. Einen kenne ich ja schon aus dem anderen Ehrenamt-Kurs. Das war eine Freude ihn wiederzusehen und den anderen hat er dann gleich erzählt, wer ich bin. Eva 2 (weil ich die richtige Lehrerin auch Eva heißt).

Der Direktor der Mittel- und Berufsschulen aus dem Landkreis Mühldorf ist auch heute morgen da gewesen um mich zu begrüßen.

Um 10 Uhr kam dann die Ablösung, eine Lehrerin und ein Unterstützer. Was die unterrichten weiss ich noch nicht. Werde ich morgen mal erfragen.

Aber ich habe Glück gehabt, meine junge Lehrerin ist mir sympatischer.

Morgen geht es hier weiter

19.01.2016

Heute waren die 4, die gestern gefehlt haben da - einer kam aber wieder nicht.  3 sind Syrer. 1 junge Frau und 2 junge Männer und ein Afghane

Auch wieder sehr nett und höflich - es macht sehr viel Spaß und sie werden mir die restliche Woche fehlen.

Diese jungen Menschen dürfen in der Schule nicht den Haupteingang benutzen und dürfen in der Pause auch nicht aus dem Keller zu den anderen Schülern raus - ich finde das entsetzlich, wie sollen sie denn dann normalen Kontakt zu unserer Bevölkerung bekommen.

Selbst mich hat heute der Hausmeister "angeschissen", weil ich den Haupteingang benutzt habe - das wäre ein schlechtes Beispiel. Ich habe ihm dann gesagt, dann müsste er die Außentreppe zum Keller auch eisfrei haben und ebenso das Geländer. Die Treppe, wie sie im Moment ist, werde ich nicht benutzen. Er wird es überleben.

Viel schafft man in 2 Unterrichtsstunden ja nicht - ein paar Schreibübungen, ein paar Sprachübungen - das wars dann aber auch schon.

Was die anderen Lehrer unterrichten weiss ich allerdings immer noch nicht.

Auf jeden Fall freue ich mich schon auf den kommenden Montag. Ich hätte auch gerne den Rest der Woche noch gemacht, aber so ist es nicht geplant.

Ich glaube, man soll keine persönliche Beziehung zu den jungen Menschen aufbauen - aber so wird Integration nicht gelingen.

Die aufgeschlossensten sind aber tatsächlich die Schwarzafrikaner - man hat gar nicht das Gefühl, dass sie anders sind als unsere jungen Männer, vorausgesetzt auch die sind gut erzogen, denn  das sind die Senegalen. Da merke ich, dass der junge Mann aus Sierra Leone gefehlt hat. Schade.


Morgen werde ich mal berichten, was das Gespräch wegen des Alphabetisierungskurses ergeben hat - da ist ein kurzes Treffen morgen um 13 Uhr 30.

Ich habe gebeten, mir die benötigten Unterrichtssachen mitzubringen.


Na dann bis morgen - es ist morgen

21.01.2016

Gestern war  also dann dieses Gespräch, aber wieder sehr schlecht vorbereitet. Jetzt muss ich warten bis ich alles per Mail erhalte. Teilnehmerliste mit Namen, Herkunft usw. - Raum und Telefonnr. der Mitarbeiterin - ich muss ja wissen in welchem Raum das stattindet, ob bereits aufgesperrt ist, wenn ich komme oder ob ich den Schlüssel erst wo abholen muss und und und.

Bücher usw. muss ich erst mal kaufen und das Geld auslegen. Dann hatte ich gefragt, ob ich auch die Arbeitshefte (Schulhefte) usw. besorgen muss oder soll? Antwort brauche ich nicht, müssen die Lernenden selber kaufen - da bin ich entsetzt - so viel Geld bekommen sie ja nun auch wieder nicht.

Und da wundern sie sich, wenn die Teilnemer nach dem ersten Mal nicht mehr kommen, nachdem sie erfahren haben, dass sie das Lernmaterial selber kaufen müssen. Zu den Arbeitsbüchern müssen sie auch € 7,-- dazu geben.

Die Dame, bei deren Kurs ich geschnuppert hatte, hatte am Schluss des Kurses dieses Geld den TN wieder gegeben, weil sie keinen Tag versäumt hatten. Das gab strahlende Gesichter. Aber das muss man sich als Kursgeber auch leisten können.

Hier habe ich immer noch keine Antwort, wie ich dann an das ausgelegte Geld rankomme und ob ich hier versichert bin. Wahrscheinlich auch nicht.

Hier muss auch die eigene Versicherung greifen - Krankenversicherung, Haftplicht und Unfallversicherung.


Der begleitende Schulunterricht wird vom Landratsamt organisiert - das läuft ordentlich

Der Alphakurs wird vom Asylkreis organisiert - lauter Idealisten, wenig Pragmatiker und schon gar keine Organisatoren

Übers Wochenende wird es ja nichts neues geben - also lesen wir uns am Montag Nachmittag/Abend hier wieder


22.01. - nein ich bin heute schon da - ich war heute in der Buchhandlung um die Lehrbücher zu bestellen. Die Gespräche gingen dann natürlich um die Flüchtlingslage und wie es die Buchhandlung sieht  - wahnsinnig, wieviele Menschen sich hier für die Flüchtlinge engagieren, wie positiv diese Menschen hier angenommen werden - eine ganz andere Stimmung als bei der bayerischen Regierung (zum Glück) und wie die Flüchtlinge dazu beitragen, dass hier viel mehr Geld verdient wird. Es ist jetzt schon sehr zu merken, wie Industrie und Geschäfte von den neuen Mitbürgern profitieren.

25.01.16

Trotz erneuter Erkältung bin ich heute wieder brav angetrabt. Es macht einfach Spaß mit den jungen Leuten. Allerdings fehlen immer wieder welche unentschuldigt. Das kann ihnen bei ihren Anerkennungsverfahren zum Nachteil gereichen. Ich glaube aber, dass sie das noch nicht richtig kapiert haben. Ihr Deutsch ist auch noch seeeeehhhhrrrr ausbaufähig. Aber sie haben sich heute gefreut, dass ich mir aus dem Internet Begrüßungsformeln in ihren Sprachen rausgesucht habe  - arabisch, farsi und wolof.

Morgen kann  ich mir dann den Raum für den Alphakurs in einer kath. Kirche gleich gegenüber der Schule ansehen und mit den verwaltenden Damen sprechen.

Nächsten Montag geht es dann auch da weiter - auch immer montags und dienstag, gleich im Anschluss an die Schule. So habe ich nicht so viele Fußmärsche. Aber für 2 Kurse gibt es dann viel zu schleppen - Papier wird ja richtig schwer.


26.01.16

Heute habe ich mich mit dem jungen Mann aus Afganistan in ein anderes Zimmer gesetzt und wir haben ganz speziell schreiben und lesen geübt. Dadurch, dass er keinerlei Fremdsprachenkenntnisse hat, tut er sich in der Klasse sehr schwer - die anderen sind doch schon recht gewitzte junge Leute. Die meisten können doch eine Fremdsprache, meist englich, aber auch französisch und italienisch.

Nach dem beiden Stunden bin ich dann zu meinen weiteren Arbeitsplatz gegangen - sind nur ca. 150 m  - und habe mir den Raum angesehen, wo ich in Zukunft den Alphakurs abhalten kann. Sehr kleiner Raum für doch voraussichtlich 10 oder sogar mehr Personen. Es fehlt auf jeden Fall ein weiterer Tisch und eine Flipchart. Ich hoffe, dass man dort noch eine organisieren kann. Dieser Kurs findet auf einem Gelände einer kath. Kirche statt.

Die Kirchen tun hier eine Menge - allerdings auch alles mit Ehrenamtlichen.

In dem Gebäude werden auch die Schüler vom Gymnasium verköstigt - daher muss ich sehen, dass ich mit meiner Gruppe bis 11 Uhr 45 raus bin aus dem Gebäude, weil dann die Schüler kommen, und das kann ein heilloses Durcheinander werden.

Ich hatte ja heute schon im Gästebuch geschrieben, dass ich da auch eine Nigerianische Familie kennengelernt habe.  Ich würde ja nur Schwarzafrikaner reinlassen , die sind unheimlich nett und sehr gut erzogen - das war jetzt ein Scherz, die syrischen und afganischen Jungs in der Schulklasse sind richtig aufmerksam und auch sehr höflich - die beiden Senegalesen sowieso, aber die kannte ich ja schon vorher.


01.02.2016

Schule:

Heute waren neue Schüler da, aus dem Irak und aus Sierra Leone - ganz nette junge Leute - ich kann nur sagen, sie sind sehr höflich und extrem bemüht.

Der  afghanische Schüler muss die Klasse wieder verlassen, er geht ab jetzt in der Kreisstadt in eine Alphabetisierungsklasse. Ich werde ihn vemissen, der Lehrerin geht es genauso - aber er braucht einfach noch viel mehr Unterstützung.

Alphakurs - Tag 1:

Omanoman - als erstes stand ein Ehepaar mit 2 jähriger Tochter vor dem Gebäude und hat gesucht, wo sie hingehören. Die Frau ist wieder schwanger und wird wohl  nicht mehr allzu lange am Kurs teilnehmen können.

Dann kamen 2 junge Mütter mit ihren Babys - erst einige Wochen alt.

Eine davon kann etwas deutsch - zum Glück, das hilft ungemein.

2 haben gefehlt  - einer musste zum Arzt - wo die andere ist, keine Ahnung. Werde ich jetzt melden.

Unangemeldet kamen 2 Nigerianerinnen - sie sind allerdings keine Analphabeten , sondern können nur kein deutsch, Landessprache ist aber bei ihnen englisch und so geht es lustig durcheinander - ich deutsch, die beiden engllisch, der Rest arabisch (mit etwas Übersetzuungshilfe.)

Der Raum ist allerdings sehr sehr klein, so dass wir wenig Platz haben. Das kleine Kind, das spielen will - am Tisch, obwohl wir keinen Platz dafür haben - und die 2 Babys in ihren Babyschalen, Die Kleine plärrt, die Babys schreien - da braucht man gute Nerven.

Aber wir hatten trotzdem viel Spass miteinander - schriftlich muss ich noch nichts machen, sie  können es ja nicht lesen. Aber ich musste auch erst mal erklären, dass wir von vorne nach hinten lesen und von links nach rechts schreiben. Es sind viele Kleinigkeiten.

Großes Problem ist klar zu machen, dass das Handy  ausbleibt !!!!!!!!!

Morgen dann Tag 2


02.02.16 Schule

Wie immer war es eine Freude mit den jungen Leuten. Mittlerweile sind es 18 - aus Syrien, Sierra Leona, Irak, Senegal, Afghanistan

Eine wirklich "bunte" Truppe, die sich sehr gut versteht. Heute haben sie vom Landkreis wunderschöne Rucksäcke für ihre Unterlagen bekommen.

Jetzt erkennen wir uns auch schon auf der Straße und freuen uns, wenn wir uns sehen. Heute habe ich für eine halbe Stunde auch selber den Unterricht gemacht, weil sich die Lehrerin 3 Schüler geschnappt hat und mit ihnen in einem Extrazimmer gearbeitet hat. Sie sind erst seit ein paar Tagen in der Klasse. Da muss noch einiges aufgeholt werden.

Gerade hat mich ein Kollege, der mittwochs in der Klasse ist, angeschrieben und mich gebeten, ihn morgen Vormittag in der Klasse zu vertreten.

Also erst Klasse, dann Weibertratsch - gerade mal dann nur noch für 1 Stündchen.

Was ich morgen dann mit erledigen wollte, muss ich heute Nachmittag machen


Alphakurs:

Heute waren alle da - einer davon kam etwas später, die beiden Frauen aus Nigeria habe ich in einen anderen Kurs geschickt. Das ist besser so.

Aabbeer: die kleine Tochter eines Ehepaares hat die gesamten 1 1/2 Stunden gebrüllt -  von den Babys hat dann auch eines geweint.

Es ist anstrengend immer mit extra lauter Stimme zu sprechen. Und mit kleinen Kindern habe ich es sowieso nicht. Ich wollte ja in der Erwachsenenbildung arbeiten und nicht in der Kinderkrippe.

Ansonst sind sie alle sehr eifrig und ich habe ihnen heute auch klar gemacht, dass sie ohne Teilnahme an Sprachkursen keine Chance auf Duldung hier haben. Sie meinen ja, dass sie nach Syrien nicht zur+ck müssen. Aber ich habe ihnen heute gesagt, dass sie dann in die Türkei  zurück müssen.

Ganz schön lange Gesichter. Jeweils 3 Personen stammen aus einer Familie - einmal Oma mit 2 Schwiegertöchten und den beiden Babys.

Dann 2 Brüder mit 1 Frau und 2 lästigen Gören, die Mama von einem ist in meiner Schulklasse.

Eine hat mich heute gebeten, beim Landratsamt anzufen und darum zu bitten, dass ihr Junge in einen anderen Kindergarten gehen kann. *****

Da wo dieses Kind gemeldet ist, ist es viel zu weit, der Kindergarten liegt außerhalb und die Eltern haben kein Auto - und die Mutter kann entweder das Kind zum Kindergarten bringen oder am Sprachkurs teilnehmen. Mal sehen, ob ich was erreichen kann.


**** eine Stunde habe ich jetzt nach dem Buchbinder Wanninger Prinzip mich durchtelefoniert - ohne Ergebnis - morgen geht es weiter.


Dann melde ich mich morgen schon mal wieder


03.02.2016

Na da haben die Schüler und die Lehrerin aber geguckt, als ich heute wieder aufgetaucht bin. Ich konnte bei der Gelegenheit auch der Mama des Schreikindes sagen, dass ihr Mann im Alphakurs dafür sorgen muss, dass das Kind nicht schreit - so geht es nicht.

Wir haben ja 3 neue  in der Klasse und so habe ich mich mit ihnen in einen anderen Raum geesetzt und wir haben versucht, einen Teil des bisher versäumten nachzuholen. Vieles ist mehr vorspielen und durch Scharade etwas erraten zu lassen. Sie kommen aus Sierra Leone und dem Irak.

Es ist ja schon schwer zu erklären, wann man Du sagt und wann man Sie sagt und wie sich die Verben dann verändern und ein bisschen Intergrationslehre soll ja auch immer dabei sein. Heute war die Zeit so schnell um, dass die Lehrerin mich eingebremst hat. Die Schüler müssen ja auch ihre Pausen einhalten.

Sie haben ja gestern alle  einen Rucksack mit Schreib- und Arbeitsmaterial bekommen. Den Rucksack hatte niemand dabei - ist wohl nicht gut angekommen und trifft wohl nicht ihren Geschmack - den Inhalt hatten sie aber alle dabei.  Mir haben die Rucksäcke gefallen, aber zwischen uns liegt auch ein Altersunterschied von ca. 50 Jahren.

Ach ja, gestern hatte ich 2 Schüler gefragt, aus welche Stadt in Syrien sie kommen. Beide aus Damaskus und was sie mir gesagt haben, war so lieb.

"Wenn wieder Frieden ist, dann muss ich unbedingt zu ihnen nach Damaskus kommen, es ist so schön da." Wahnsinn

Das heißt ja auch, dass sie irgendwann wieder zurück wollen und das sie mich wohl mögen.


Nächste Woche geht es hier mit dem Alphakurs weiter - Schule ist ja erst wieder in 2 Wochen - in der Faschingswoche sind hier Ferien. Den Alphakurs mache ich aber trotzdem, damit sie schneller weiter kommen.


PS: Noch was zum Unterricht am 03.02. - ich bin ja da mit 3 Schülern in einen anderen Raum und da mussten sie auf  Fotokopien auf kleinen Bildern erkennen, wer da abgebildet ist: Also toll - 1. Bild - da kam sofort von einem "Philippe Lahm" - richtig, 2. Bild von allen dreien: Angela Merkel - richtig,

3. Bild - ???????? - das zeigt Mozart als Kind; 4. Bild da kam von dem jungen Mann der auch Lahm erkannt hatte - Sebastian Vettel. Und als ich ihn gefragt habe, welchen Wagen der zur Zeit fährt und welchen er zuvor gefahren hat, wusste er alles - aber er hat sich auch gefreut, dass ich das wusste.

Ich habe ihm dann erzählt, dass ich mir immer die Formel 1 ansehe.


04.02. - **** gestern hatte ich nicht mehr mit der Leiterin des Kindergartens telefoniert, sondern heute morgen.  Jetzt habe ich einen Namen im Rathaus - da muss sich die junge Mutter hinwenden - und ich kenne mich jetzt wieder etwas besser im Kindergartensystem aus.


08.02.16

So heute standen wir erst mal vor verschlossenen Türen - die Hausmeisterin hatte vergessen aufzusperren - so haben wir eben auf der Straße schon etwas geübt - wie heißen Sie, wo wohnen Sie, wo kommen Sie her, aus welchem Land, aus welcher Stadt?


Eine Familie kommt aus Aleppo - das sind sehr schlimme Zeiten für diese Menschen, ihre Familien - die Eltern - sind noch in Aleppo. Noch nicht an die türkische Grenze geflüchtet. Sie sind alle sehr sehr blass und angespannt.

Heute war das Schreikind nicht dabei, weil die Mama heute keine Schule hat und so auf das Kind aufpassen konnte. Was für ein Glück für mich.


Heute haben wir mal das ganze Alphabet durch gemacht und ich bin stolz auf meine kleine Gruppe.

Einer von den Senegalesen, den ich ja schon kenne, ist jetzt auch in meiner Gruppe - wir haben uns gefreut, uns wiederzusehen.


Keiner aus meiner Gruppe war auf dem Faschingsumzug hier in Waldkraiburg am Samstag. Das ist ihnen viel zu fremd.

Morgen sehen wir uns wieder - es ist schön, dass auch heute wieder alle da waren und auch alle die Hausaufgaben gemacht hatten.

Unser Raum ist für mich überheizt, aber meine "Schüler" frieren, sie sehen auch alle sehr sehr blass aus - der junge Senegalese natürlich nicht.


Morgen geht es hier wieder weiter

09.02.2016

Heute ist eine neue Teilnehmerin dazu gekommen - sie versteht kein Wort deutsch, wie auch fast alle anderen. Nur eine junge Frau kann in wenig deutsch. Sie ist auch schon einige Jahre in Deutschland - hat aber bisher keinen Deutschkurs bekommen. Sie war vorher in Magdeburg.

Heute haben wir die Zahlen 1-30 durchgenommen - da haben wir mal was von den Arabern gelernt, denn unsere Zahlen stammen aus dem arabischen Raum "arabische Ziffern" im Gegensatz zu den römischen.

Dann haben wir mal nachgesehen, was auf ihren Asylanträgen steht - sie haben ja alles blind unterschrieben, weil sie ja nicht lesen können was da steht.

War doch sehr aufschlussreich.

Und dann haben wir über die Wege gesprochen, wie sie nach Deutschland kamen. Eine junge Familie ist dabei, die mit dem Schlauchboot auf der Überfahrt nach Italien von der ital. Marine gerettet wurde und dann über Italien mit dem Zug nach Deutschland kam.

Die Frau, die heute neu dazu kam, ist über die Türkei mit dem Boot auf eine griechische Insel gekommen und dann über die Balkanroute.

Andere kamen über die Türkei mit dem Flugzeug nach Deutschland.

Der junge Senegalese  kam erst mit dem Boot nach Spanien, dann mit dem Bus nach Frankreich, wo er sich länger aufgehalten hat, und dann mit dem Zug nach Deutschland.

Die beiden jungen Frauen tragen immer wunderschöne Kopftücher - auf syrisch Escarf (wie im franz.Schal) - ich habe gefragt, wie viele sie davon haben

" ja schon so zwischen  20 und 30 Stück" - es ist also in erster Linie ein modisches Kleidungsstück - und es sieht wirklich immer Klasse aus. Sie passen auch auf, dass es zur anderen Kleidung passt.

Das Plärrkind war heute wieder nicht da - herrlich - dafür hat die andere (4 Jahre alt) den Tisch mit dem Kugelschreiber ruiniert.

Nächste Woche geht es weiter - mit Alphakurs und Schule


15.02.2016


So erst mal in die Schule - ich hatte  heute meine Baskenmütze auf und das hat zu großem Hallo geführt. Anerkennung mit Daumen hoch und anprobiert musste sie auch gleich werden - das war viel Spaß.

Dann müssen am Mittwoch alle geimpft werden, gleich 2 x, sind doch die gleichen Schisser wie wir. Sie haben viele Seiten Aufklärung darüber bekommen.


Aber halt die Angst vor dem AUA - na sie werden es alle überleben. Einige haben einen Impfpass, andere haben keine Ahnung wo er ist.

Na wie heißt es so schön "doppelt gemoppelt hält besser".

Geübt haben wir "mein, dein, sein usw." Manche verstehen kaum etwas, andere wiederum sind schon recht weit und können sich auch sehr gut unterhalten.


Und nun zum Alphakurs - oje, Plärrkind war wieder da, sie hat wohl Angst vor mir, sie  hat mich gesehen und geplärrt.

Von der anderen wurde der Tisch  noch weiter bearbeitet, obwohl ich den Vater darauf aufmerksam gemacht habe. Aber es ist schon sehr südländisch, die Kinder haben sehr viele Freiheiten und nutzen diese natürlich aus. Wenn sie heimgehen, bin ich erst mal beschäftigt, Bonbonpapiere und Lutscherstiele vom Boden einzusammeln. Von den Bröseln am Boden könnte man noch die Vögel füttern.

Ich habe die 3 Männer im Kurs gefragt, was sie von Beruf sind - nicht zu fassen, alle 3 sind Schneider. Ist ja nun nicht gerade ein gesuchter Beruf in Deutschland. Die Frauen haben alle keinen Beruf, die beiden älteren haben jeweils 6 Kinder, und bei den jungen Frauen werden es wohl im Laufe des Kurses auch noch mehr Kinder werden. Bei der einen, die ein Mädchen mit ca. 4 Jahren hat, kommt das nächste in ca. 6 Wochen und bei der einen mit dem Baby von 3 Monaten ist auch schon das nächste unterwegs. Also die Verjüngung unserer Altersstruktur ist im vollen Gange.

Es ist ja ein Glück, dass eine junge Frau im Kurs schon etwas Deutsch kann, sie ist mir eine große Hilfe. Ansonsten ist wirklich mein pantomisches

Können gefragt.

Jetzt wollte ich für morgen aus einem Buch was rauskopieren, aber der Drucker mag nicht. Normal drucken tut er aber schon.

So die Sonne scheint und ich muss für den Kurs noch Klarsichtmappen besorgen.

Es sollte heute eine Kongolesin dazu kommen, aber weit und breit nichts zu sehen. Na  dann warten wir mal ab. Ist nur blöd, wenn immer wieder jemand dazu kommt, der gar nichts kann. Da muss ich immer wieder von vorne anfangen.


16.02.2016 - interessantes Datum von der Zahlenfolge her gesehen

Schule war wie immer sehr angenehm, ich hatte heute die Klasse alleine, die Lehrerin  hat  sich mit 3 Schülern, die später dazu  kamen, ins Nebenzimmer zurück gezogen. Ich bin ja die Oma für die jungen Leute. einer meinte, es wäre schade, dass ich nicht jeden Tag komme. Neeee - jeden Tag so früh aufstehen das muss nicht sein.


Alphakurs: die junge Frau, die ein bisschen Deutsch kann, war heute nicht da. Sie musste mit dem Baby zum Impfen. Das war ganz schön mühevoll.

Es ist heute wirklich alles Scharade, Pantomime und Raten gewesen. Aber  dafür war nur ein Kind da. Heute hat es den Tisch noch weiter ruiniert.

Ich habe  dem Vater gesagt, dass die Kirche für den Tisch jetzt 100 Euro haben will. War ein Scherz, aber vielleicht passt er in Zukunft besser auf. Vorausgesetzt er hat mich überhaupt verstanden.

Aber sie haben alle gut mitgearbeitet und es gab auch so einiges zum Lachen. In so einer kleinen 'Gruppe wie heute, geht es besser - es haben ja 3 gefehlt.


Heute habe ich meine Unterlagen bei der zuständigen Stelle abgegeben und so werde ich wohl in den nächsten Tagen - Wochen? - das Geld bekommen, was  ich inzwischen für Arbeitsmaterial ausgelegt habe.


Nächsten Montag geht es weiter - abends ist dann noch ein Treffen der Ehrenamtlichen. Mal sehen, was da wieder bei raus kommt, oder auch nicht.


22.02.16

Schule: Wie immer einfach nur angenehm, junge Leute, die eifrig mitarbeiten, sehr höflich sind und trotzdem richtige Kindsköpfe. Manche tuen sich immer noch sehr schwer mit dem Deutschen, besonders 2 der jungen Frauen. Die beiden Neuen aus Sierra Leone holen sehr schnell auf.

Die junge Lehrerin hatte gestern Geburtstag und eine selbst gebackenen Kuchen mit gebracht - ruckizucki war er auf gegessen und einer aus Sierra Leone hat ihr ein Ständchen gebracht. Mal sehen, was ich ihr morgen mitbringe.

Einen habe ich mittags nach meinem Alphakurs auf der Straße getroffen und er hat sich richtig gefreut - Halloooooo Eva

Mit 2 Freunden aus Damaskus hatte ich mich nach deren Unterricht und meinem Alphakurs in einem Stehcafè verabredet. Der eine spricht schon sehr gut deutsch, hat auch schon in Damaskus Betriebswirtschaft und Finanzen für 2 Semester studiert. Wie ich in unserem Gespräch mit bekommen habe, muss man in Syrien um Abitur zu machen, keine weitere Sprache studieren. Das fehlt jetzt hier natürlich sehr - er muss daher noch mal eine Prüfung ablegen. Ich befürchte er muss noch eine oder zwei Klassen wiederholen. Der andere war auf der 12.Klasse Gymnasium und wollte nun anfangen zu studieren.

Aber auch er hat keine weitere Sprache und hier wird man ihn wohl dazu verdonnern, die letzten  3 Jahre noch mal an einem deutschen Gymnasium zu machen. Sie werden halt in der Zwischenzeit recht alt. Und erst muss das Deutsche perfekt sitzen.

Der Student (jetzt nur noch Deutschschüler) möchte gerne in der Kreisstadt eine Wohnung haben und ich sollte ihm dabei helfen. Da musste ich ihn enttäuschen, ohne geregeltes Einkommen vermietet niemand an ihn. Er soll sich jetzt mit dem Landratsamt in Verbindung setzen, ob sie ihn nicht vom Dorf in die Stadt "versetzen" können und nachwievor für seine Miete aufkommen. Sie wohnen beide auf dem Land in einer Asylunterkunft - nur Syrer und es wird nur arabisch gesprochen und es läuft nur der arabische Kanal. Es sind ja auch erwachsene Männer dabei, die keinen Anspruch auf Schule haben. Das musst dringend geändert werden, auch auf dem Land. Ich habe sie gebeten, deutsche Nachrichten anzusehen, damit sie wissen, was hier los ist.

Wichtig ist auch Werbung, denn das sind einfache Sätze, selbst für den letzten Depp verständllich - so habe ich es nicht gesagt. Ist schon klar.

Der Student hat mich gefragt, warum die Mädchen, wenn er sie anspricht, immer davon laufen. Er möchte so gerne mit einer reden und in Kontakt kommen. Ich habe ihm erklärt, was hier dämliches in der Zeitung/Medien verbreitet wird, dass "alle Vergewaltiger" sind. Und natürlich sind sie Moslems, auch davor haben die Mädchen Angst. Er sagte mir, dass ihre Nachbar auch Christen waren und sie immer guten Kontakt hatten. Er war so traurig. Auf dem Land, wo  sie leben, gibt es auch keinen Sportverein, damit sie Kontakt zu jungen Deutschen bekommen könnten. Allerdings ist ihr Nachbar ein deutsches Ehepaar, die sie immer wieder mal zum Essen einladen - na wenigstens das.

Er wird jetzt den Intergrationsfragebogen besorgen und dann werde ich mit den beiden schon mal üben. Ich befürchte nur, dass ich auch nicht alles weiss und ich weiss ganz sicher, dass da Aussagen gemacht werden müssen, um "guter" Deutscher zu sein, die ich auch nicht unterschreiben würde.

NIcht alles an unserer "Leitkultur" gefällt mir.

Nächste Woche werde ich mich mit den beiden Senegalesen treffen  und ganz sicher auch mal mit den beiden aus Sierra Leone - da geht es aber nur auf englisch. Im Deutschen sind sie noch nicht so weit - naja vielleicht in 2 bis 3 Wochen.

Hier bin ich wirklich die Oma - der Student meinte "schade, dass ich schon so alt bin".


Alphakurs

Das Schreikind fehlte, aber dafür war der kleine Junge dabei, für den wir einen Kindergartenplatz gesucht hatten. Er ist 4 1/2 Jahre alt und hat wunderbar mit geschrieben, was ich an die Tafel geschrieben habe. Er konnte auch guten Morgen sagen und noch ein paar Wörter und danke und bitte und tschüss.

Man hat mir versprochen, dass ich für Dienstag Vormittag eine Kindergärtnerin dazu bekomme, die sich um die Kinder kümmert, leider hat sie montags keine Zeit. Und für Dienstag Nachmittag habe ich für den kleinen Jungen für 2 Stunden eine Spezialbetreuung für Flüchtlingskinder. Das soll ganz was tolles sein, aber halt auch nur 2 Stunden. Aber die Mama hat sich auch darüber gefreut.

Ansonsten ist dieser Kurs sehr mühevoll, es ist schon schwer für sie jetzt im Erwachsenenalter lateinische (Druck)schrift und die deutsche Sprache zu lernen. Sie haben alle auch keine gute Schulausbildung von zuhause mit gebracht. Aber sie sind, bis auf die Frau, die in ein paar Wochen entbindet, sehr eifrig dabei. Leider hat der Vater von dem Schreikind auch gefehlt - die Kleine ist krank und Papa musste zuhause bleiben.

Hoffentlich kommt die Kindergärtnerin schon morgen -- ist ja auch alles Ehrenamt.

Heute um 18 Uhr 30 muss ich zu einem Treffen um mit der Kindergärtnerin für Dienstag Vormittag zu sprechen und anschließend um 19 Uhr geht es weiter zum "Austauschtreffen ehrenamtlicher Deutsch-Lehrkräfte" - zum Glück alles im Pfarrhaus der evang. Kirche. Habe nie gedacht, dass ich da noch mal reingehe und jetzt häuft es sich in letzter Zeit. Am Donnerstag ist da ja auch der Islamvortrag - dieses Mal geht meine Schwester mit.

Morgen geht es hier weiter -

ach noch was - wir sagen doch Koran, auf arabisch heißt er Kor-An


Gestern Abend war ja noch Besprechung der Sprachlehrer. Es gibt ein interessantes Sprachuntertsützungsprogramm "Das Tülzer Modell".

Webseite www.Asylplus.de - ideal für Menschen, die hier deutsch lernen wollen. Wer sich registrieren läßt, hat Zugriff auf 50 verschiedene Sprachen.

Hier in Waldkraiburg ist ein Arbeitskreis eingerichtet worden und unsere Flüchtlinge können in der Stadtbibliothek Laptops   nutzen mit den sie Zugriff auf das Programm haben. Betreut wird dies u.a. von einem Senegalesen, den ich bereits aus meinem Schnupperkurs kenne -  er ist hier mittlerweile hoch angesehen und glücklich, dass er eine Aufgabe hat. Ihm gelingt es besser als uns, auch andere Asylbewerber für dieses Programm zu begeistern.


23.02.2016

Schule

Heute hatte ich die Klasse wieder für längere Zeit alleine. Das Sprachverständnis ist wirklich für alle schwierig, auch wenn man das Gefühl  hat, dass sie schon recht gut Deutsch können. Ich gab ihnen ein Diktat - das schwierigste Wort war für alle "Bundesrepublik", Ist ja auch nicht leicht.

Dann haben wir noch Bilder erkennen gemacht und sie sollten auch schätzen, was der abgebildete Gegenstand wohl kosten wird, Auch nicht so einfach -  sebst nicht im Bereich von... bis.

Schön wars aber wieder und ich bin mit einem kreideverschmierten Gesicht in meinen Kurs gekommen - sehr zur Erheiterung meiner "Schüler"


Alpha

Hurra, die Kindergärtnerin war da. Nach anfänglichen Tränen lief es sehr gut - das Schreikind ist leider immer noch krank und so fehlt natürlich auch der Vater.

Für den anderen Jungen klappt es auch - er kann jetzt dienstags von 14 bis 16 Uhr mit einem Elternteil und Mutter (!)-Kindgruppe. Der Papa geht mit.

Die Kindergärtnerin kommt ja bedauerlicherweise nur dienstags - aber sie macht das ja auch ehrenamtlich und am Montag schon ein anderes Ehrenamt.

Es ist eine junge Frau, die keinen festen Job hat - da muss man sich wundern, wenn man erlebt, wie schwierig es ist, für diese Kinder eine Kindergartenplatz zu bekommen. Auf jeden Fall hatten die beiden Kinder dann doch viel Spaß. Das kleine Mädchen geht bereits in die Mutter-Kind-Gruppe.


Ab der nächsten Woche haben wir einen etwas größeren Raum - ich tausche mit meiner Kollegin aus meinem  Schnupperkurs. Aus ihrem Kurs konnte sie einem Senegalesen  einen Praktikumsplatz im Altenwohnheim vermitteln - 2 Tage in der Woche. Er ist ganz glücklich - morgen geht es los.

Wenn die Praktikanten eigenes Geld verdienen, gehen 75 % an den Staat zurück.

Es ist aber gut, wenn sie nich den ganzen Tag in ihren Aufnahmeheimen rumhängen. Heute war ein Bild von einem anderen Senegalesen in unserer Tageszeitung (Freund von den anderen), das ihn in der Näherei der Erstaufnahme zeigt. Schwarz und strahlend glücklich das Gesicht.


So das wars für heute


29.02.2016

Schule

Heute hätten es 16 Schüler sein sollen, aber nur 7 waren da. Einige sind zum Einkaufen nach München gefahren - na das gibt ein Donnerwetter.

Die beiden  Senegalesen haben  die Klasse verlassen, sie gehen jetzt nachmittags in eine Klasse für Fortgeschrittene, sie waren schon gut.

3 Monate waren sie ja im ehrenamtlichen Kurs bei meiner Namensvetterin - da wo ich auch geschnuppert hatte - und sie hat die Gruppe schon sehr weit gebracht und die beiden jungen Männer profitieren nun davon. Neu waren heute ein junger Mann aus Syrien und einer aus dem Iran (Teheran).

Jetzt müssen die beiden wieder so weit gebracht werden, dass sie Anschluss an die Klasse bekommen - es müssen aber insgesamt 5 sein, nur waren die heute nicht da.

Alpha-Kurs

Heute hat ein Mann gefehlt und man hat mir gesagt, dass er nicht mehr kommen will. Ich habe seinen Bruder gebeten, um zu sagen, dass er kommen muss. Er verscherzt sich sonst seine Aussicht auf Asyl. Ich hoffe, er kapiert es.

Eine Frau aus Aleppo kam heute mit Tränen in den Augen,  sie macht solche Sorgen um ihre Familie, die noch in Aleppo ist.

Der kleine Junge, der jetzt auch Dienstag nachmittags in die Kindergruppe darf, ist letzte Woche - gleich beim ersten Mal - so gestürzt, dass er eine große Platzwunde über dem linken Auge hat. Es musste im Krankenhaus genährt werden. Aber er ist sehr tapfer.

Sonst keine Neuigkeiten - ja doch, wir haben einen größeren Raum bekommen - was für ein Glück

Dann bis morgen

01.03.2016

Schule

Es haben noch immer einige gefehlt, allerdings sind auch einige krank, eine junge Frau hat die Lehrerin wieder nach Hause geschickt, bzw. deren Mann angerufen, damit er sie abholt.

Die Deutschkenntnisse der Schüler werden merkbar besser.

Aber es kommt immer noch nicht bei allen an, dass die Teilnahme am Unterricht ein MUSS ist. Es kommen immer die gleichen und es fehlen immer die gleichen. Mal einkaufen, mal verschlafen und und und - wer nicht am Unterricht teilnehmen kann, muss eine E-Mail gleich morgens an die Schule senden. Aber!!!!!!!

Alpha-Kurs

Auch hier waren wir nur 4, mit mir 5. 4 Frauen haben gefehlt - es kann sein, dass sie einen Impftermin hatten. Plärrkind war wieder da - eine gute halbe Stunde Gebrüll, dann hatte es die Kindergärtnerin geschafft, sie zum Spielen zu überreden - am Schluss wollte sie gar nicht mehr gehen. Es ist wirklich schade, dass die Kindergärtnerin nur dienstags kommen kann. Aber so war der Papa von dem Schreikind wieder da. Mein gestriger Apell hatte gewirkt.

Es wäre schade, wenn er nicht mehr käme, er ist eigentlich sehr interessiert - vielleicht ist ihm die Gruppe zu einfach. Aber so lange sein Aufenthaltsstatus nicht geklärt ist, bekommt er nur ehrenamtlichen Unterricht. Dabei bekommen beinahe alle Syrer Asyl - ich weiss nicht, warum  manchesmal so getrödelt wird.

Da nicht alle da waren, konnte ich mein geplantes Programm nicht durchziehen - so haben wir lesen und schreiben geübt. Das fällt sehr schwer.

Den Unterschied zwischen o und u oder zwischen p und b zu hören, ist auch ein Problem- und auch i und e kann nur schwer unterschieden werden.

Dann wollte ich erklären, was "Besteck"  ist - und so habe ich versucht, Messer, Gabel und Löffel zu zeichnen. So gelacht haben sie schon lange nicht mehr. Na wenigstens ein Erfolg.

Sie bräuchten jeden Tag Unterricht - so wie es auch in der Schule der Fall ist. Dafür stehen aber keine Räume bereit. Leider und ob ich jeden Tag Unterricht geben wollte und könnte weiss ich auch nicht. Ist ja doch anstrengend. Macht aber alles viel Spaß.


Wir sehen uns hier nächste Woche wieder - heute Nachmittag treffen ich mich mit den beiden Lehrerinnen der Gruppe der Senegalesen - eine hat mittlerweile aus beruflichen Gründen aufhören müssen und so wurden beide Gruppen zusammengelegt. Mal hören, was es neues gibt.

Das war ein netter Nachmittag und wir haben überlegt, wenn wir alles ansprechen können, damit  die Senegalesen einen Praktikumsplatz bekommen.

2 sind jetzt nachmittags in 2 Altenheimen um die alten Herrschaften mit Kaffee und Kuchen zu versorgen - für die meisten  Bewohner eine spannende Sache und keine Angst vor so viel dunkler Hautfarbe.


Schule 07.03.2016

Man war ich heute morgen überrascht - seit letztem Dienstag 7 neue Schüler - da muss ich jetzt wieder sehen, dass ich mir alle Namen merke.

Letzten  Freitag haben wohl viele gefehlt und so gab es ein richtiges Donnerwetter. Ich habe noch mal erklärt, was sie alle für ein Glück haben, dass sie in Bayern und hier im Landkreis Mühldorf gelandet sind. Die bayer. Staatsregierung (deren Fan ich absolut nicht bin) hat eingerichtet, dass jeder schulpflichtige Asylant, Flüchtling, Geduldeter zwischen und 16 und 21 zur Schule gehen soll. Von 71 Landkreisen haben sich aber nur München, Nürnberg und eben unser Landkreis hier engagiert. Und dann gibt es ein paar "Deppen", die nicht kommen und unentschuldigt fehlen.

Und was mich sehr verwundert ist, dass sie eben nicht Nachrichten sehen und hören, das Handy  nicht ausreichend zur Information benutzen.

Auf dem Heimweg habe ich 2 von den Neuen getroffen und ihnen das noch mal genau erklärt - Schule!!!!, Nachrichten!!!!!.

Der eine kommt aus dem Iran, der andere aus Afghanistan - beide haben wirklich nur dann eine Chance hierzu bleiben, wenn sie Deutsch lernen.

Sie haben mir gesagt, dass sie jeden Tag kommen werden. Das wäre toll. Ich wünsche ihnen von ganzem Herzen, dass sie bleiben dürfen.


Alphakurs

Hier auch wieder 2 junge Mütter nicht da - bei der einen ist das Baby krank, das ist also durchaus eine Entschuldigung, aber die andere kommt wohl nur, wenn sie zu zweit kommen können - gibt auch morgen ein Donnerwetter. Ich reiss mir  hier den A... auf, mache alles, damit sie Deutsch lernen und dann kommen sie nicht. Verdammt noch mal.

Dann habe ich Buchstabenboxen besorgt, Da kann man das Schreiben der Buchstaben sehr gut üben - wird normalerweise in der 1. Klasse der Grundschule verwendet. Fragt nicht doch die eine, ob sie die Box für die Tochter haben kann - ja wo sind wir denn. Also musste jeder seinen Namen auf die Box schreiben und ich habe sie eingesammelt - gibt es erst morgen wieder.

Jeder hat von mir auch einen Bleistift bekommen (mit Radiergummi).  Die Tochter hatte sich den Stift genommen, Mutter meinte, sie könne nicht mitschreiben, weil die Tochter den Bleistift hat - jetzt wissen alle, was es heißt, wenn ich "narrisch" werde = bayer. = wütend.

Macht aber trotzdem noch immer viel Spaß. Die beiden Männer habe ich mit meinem Taschenmesser beeindruckt - so was hatten sie noch nie gesehen - ein Taschenmesser mit allem Drum und Dran - ist noch von meinem Mann - mit Schere, mit Messer und Gabel, Korkenzieher usw. 16 verschiedene Anwendungen - allerdings auch sehr schwer.

"Mein" Senegalese" tut sich immer noch sehr schwer, er ist eifrig - aber ein Wort zu schreiben ist, fragt er immer "Ich auch" - "ja du auch". Nächstes Wort "ich auch" - "ja Du auch". Manoman

Bei dem Schreikind habe ich mich heute eingeschleimt, ich habe ihr ein großes Himmel und Hölle gefaltet - ab das ging es dann. auf was man alles kommen muss.


Morgen geht es hier weiter

Schule - 08.03.2016

Heute war die Klasse rappelvoll - wir mussten noch 2 Tisch reinstellen - man kommt überhaupt nicht mehr durch. Der Raum ist für max. 16 Schüler ausgelegt, heute waren es 20 und es können noch mehr werden.

Heute war auch wieder der Direktor aus Mühldorf da und sich zwei zur Brust genommen, da sie nicht regelmäßig kommen, der eine sogar den ganzen Februar gefehlt hat. Wir unabgemeldet und grundlos nicht kommt, bekommt eine Abmahnung und nach dem 3. Mal ist Schluss mit Schule und da es keine Syrer waren, kann das sehr schnelle Rückführung bedeuten. Ich hoffe, sie haben  es endlich kapiert. Sie wissen den Glücksfall "Landkreis Mühldorf" nicht richtig zu schätzen.

Für die 3 jungen Frauen und die Lehrerin hatte ich eine kleine Süßigkeit zum Weltfrauentag dabei. Komm überreicht, schon war es aufgefuttert.

Die Klasse macht so viel Freude, dass es mir leid tut, dass ich nur 2 x in der Woche dort bin. Aber dafür muss ich auch nur 2 x so früh aufstehen.

Die Namen zu behalten ist aber mühevoll. Es sind ja so fremde Namen für uns - allerdings weiss die Lehrerin immer alle Namen, aber sie sieht die jungen Leute ja auch jeden Tag. Heute haben sie wieder anders gesessen als gestern und das macht es noch schwieriger.


Alpha - 08.03.2016

Die Kindergärtnerin war heute leider nicht da, da das Kind krank ist - habe ich aber erst erfahren, als ich mittags heim kam. Aber eine Frau hatte ihre Tochter dabei - die bereits einen Anerkennungsstatus hat und bis letzte Woche Deutschunterricht an der VHS bekam - das sind vom Staat bezahle Kurse.

Sie kann schon etwas mehr Deutsch und hat mir heute geholfen, da meine "übliche" Dolmetscherin leider wieder nicht da war, weil der Junge, der in der Mutter-Kind-Gruppe so schwer gestürzt war, zum Arzt musste. Diese Gastfrau heute will Informatik studieren, muss natürlich noch viel besser Deutsch lernen und so habe ich ihr angeboten, meinen Kurs zu besuchen, bis es in der VHS wieder weiter geht und auf das Tölzer Modell habe ich sie auch hingewiesen. Und auf die Kinder hat sie auch aufgepasst. Was für ein Glück.

Der Papa von der größeren hat mir auf dem Handy ein Video gezeigt von dem Mädchen in der Spielgruppe, wie gut sie schon deutsch sprechen und zählen kann. Der Papa war ganz stolz, er und seine Frau (auch in meinem Kurs) sind auch noch nicht weiter. Daher ist es so wichtig, dass die Kinder sofort einen Kindergartenplatz bekommen. Sie können dann recht schnell den Eltern helfen.

Mein Senegalese hat heute auch gefehlt - hat wohl keine Lust?!?!?!

Die beiden anderen Männer möchten gerne in ihrem Beruf als Schneider arbeiten. Ich habe ihnen gesagt, sie sollten mal über Alternativen nachdenken.

Schneider ist das letzte, was wir suchen - wir haben ja die armen Schweine in Bangladesch und sonst wo. Der eine hat dann als weiteren Wunsch Fotograph genannt, der andere wird jetzt mal drüber nachdenken. Es sind Brüder, ein weiterer Bruder lebt schon länger in Augsburg und da wollen sie auch hin.


FAZIT: Schule macht Spaß - Kurs auch, ist aber mit viel mehr Arbeit verbunden


Mal sehen, vielleicht schreibe ich morgen hier noch etwas zu heute Abend - da muss ich ja zum interkulturellen Kompetenztraining.-

Hatte ich im Gästebuch was dazu geschrieben.


Schule - 14.03.2016

Heute waren doch einige wieder nicht da - viele mussten zum Landratsamt - neue Papiere beantragen.

In der Klasse ist ein Schüler aus dem Irak, der sich sehr schwer tut- er hat wohl nie eine richtige Schule besucht. Ich habe mich heute fast ausschließlich um ihn gekümmert. Morgen werde ich ihm den Vorschlag machen, dass wir uns in den Osterferien vielleicht 2 x privat treffen und ein bisschen "Schule spielen". Es gibt noch einen 2. Iraker in der Klasse, der schon etwas besser deutsch kann. Er fragte mich heute auf dem Heimweg, in welche Schule er eigentlilch geht "ist das die Bufschule??????????" - er meinte "Berufsschule. Als ich ihm sagte, dass er jetzt auf einer Vorbeiterungsschule ist, erst gut deutsch lernen muss und dann evtl. auf die Berufsschule wechseln kann, war er sehr enttäuscht. Er lernt wirkich sehr gut mit.

Vielleicht setze ich mich mit beiden Irakern zusammen. Werde ihnen morgen den Vorschlag machen. Sie wohnen auch in Waldkraiburg und so läßt sich das sicher arrangieren - wenn die beiden das wollen.

Schön zu hören war heute auf die Frage, was sie am Wochenende gemacht haben, dass einige Syrer, die auf einem kleinen Dorf in einem Gemeinschaftshaus wohnen, sich ein Taxi gemietet haben und zum Tanzen gefahren sind. Es ist alles gut gegangenn und sie haben auch Mädchen kennengelernt - ich freue mich für diese Jungs.


Alpha:

Heute waren nur 3 da. Einige sind krank, andere mussten aufs Landratsamt ihre Papiere  verlängern lassen.

Dann habe ich heute erfahren, dass 2 dieser Familien (2 Brüder mit Frauen und Kindern) aus dem Haus, in dem sie bisher gewohnt hatten, am Mittwoch raus müssen, ohne zu wissen wo es hin geht. Bleiben sie in Waldkraiburg oder müssen sie in einen anderen Ort? Alles noch nicht geklärt. Wenn sie aus Waldkraiburg weg müssen, können sie auch meinen Kurs nicht mehr besuchen. Das wäre sehr schade.

Die 3, die heute da waren, mussten heute richtig hart arbeiten - wir haben versucht viel zu sprechen. Sie haben versucht, mir zu erklären, wie sie nach Deutschland gekommen sind. Allein bei  diesen 3 war alles dabei - Flugzeug, Bus, Bahn, Boot.

Angesprochen auf das Flüchtlingslager in Idomeni stellte sich heraus, dass sie davon gar nichts wissen und so natürlich auch diese schrecklichen Zustände nicht an ihre zurückgebliebenen Familien und Freunde melden. Sie wussten nicht, dass die Grenzen nach Europa nahezu komplett geschlossen sind. Und nach den gestrigen Wahlergebnissen wird sich daran auch nichts ändern. Da kann ich mit Frau Merkel nur sagen, dass ist nicht mein Europa.

Die gewünschten abschreckenden Bilder kommen aber kaum in den Ländern der Flüchtlinge an - es ist nicht so, wie sich das viele in der Politik wünschen.


Der Senegalese ist ja Schneider von Beruf und als ich ihm heute noch mal  klar machte - er versteht zum Glück französisch (Amtssprache im Senegal) -

dass der Schneiderberuf in Deutschland keine Zukunft hat - diese Zukunft liegt in Bangladesh usw. - meinte er, dass er ja auch zuhause schneidern könnte.

Ob irgendjemand zu einem sehr sehr dunkelhäutigen Schneider hier in Deutschland geht? Er möchte gerne nach Frankfurt ziehen - naja, vielleicht hätte er in der Großstadt mehr Glück.


Beides Schule und Alphakurs sind mehr als nur Sprachunterricht.

Morgen geht es weiter


Nach einer kurzen Nacht bin ich hier wieder - 15.03.16 - mit einem kleinen Bericht über das Treffen gestern Abend in der Kreisstadt

"Austauschtreffen der Beteiligten am Pilotprojekt "Beschulung von schulpflichtigen Asylbewerbern (alle !!!! zwischen 16 und 21 Jahren) im Landkreis Mühldorf"

Also der Raum war rappelvoll - es ist toll, wieviele freiwillige, ehrenamtlich engagierte Bürger es in unserem Landkreis gibt. Daher ist es möglich, allen Schülern ein Angebot zu machen. Das wird jetzt sogar ausgeweiter auf die bis 27jährigen. Und alle, die so gute Sprachkenntnisse erworben haben, dass sie in die Berufsausbildung gehen können, bekommen ein Paten an die Hand,  der sich dem Beruf, für die sich die Menschen entscheiden, gut auskennt und ihm auch die speziellen Sprachkenntnisse für den jeweiligen Beruf vermitteln kann. In 3 Jahren werden das alleine in unserem kleinen Landkreis fast 300 Schüler (Berufsanfänger) sein.

Der Landrat war auch da und konnte mitteilen, dass auch die anderen Institutionen mitmachen oder mitmachen werden - IHK, KK und viele andere.

Die Industriegemeinschaft Waldkraiburg bietet bis zu 140 Praktikumsplätze an.

Der Landrat (CSU) war ganz stolz, dass wir dieses tolle Angebot der Bayerischen Staatsregierung diese Projekte auch finanziell gut auszustatten, als einzigen Landkreis in ganz Bayern annehmen - hoffentlich werden es endlich mehr.

Der Schuldirektor, der dieses Sprachausbildungsprojekt für die 16 bis 21jährigen innerhalb von 6 Wochen auf die Beine gestellt hat - auch alles in seiner Freizeit - hat noch weitere Massnahmen erklärt. Es wird weiterhin Schulraum und auch Lehrer gesucht - denn jetzt haben wir in 3 Orten, jeweils 2 Klassenräume, brauchen aber schon im Herbst min. 18 Räume und dann nächstes Jahr die doppelte Anzahl. Auch hier wird sich der Landrat bemühen und ihn unterstützen.

Großes Problem ist es, die Fehlbelegungen abzubauen, also Asylsuchende, die bereits ein Bleiberecht bekommen haben, müssen aus den Gemeinschaftsunterkünften raus und brauchen eigene Wohnungen. Das wird eine Herkulesaufgabe werden. Man denkt über Häuser in Holzbauweise nach - das geht schneller. Hier in Waldkraiburg werden viele Wohnungen geschaffen für alle Sozialfälle. Auch das klappt sehr gut.

Ich musste auch etwas zu meinen Erfahrungen im Unterricht sagen -  konnte ja nur positives berichten und habe auch die Erlaubnis erhalten, bei Bedarf mich mit einigen Schülern zu treffen - sei es in Form von Nachhilfeunterricht oder um die Sprachkompetenz auszubauen. Bei Problemen bei der Suche nach einem geeigneten Raum wurde mir Unterstützung zugesagt, aber vielleicht finde ich ja auch alleine was. Evtl. da, wo ich den Alphakurs gebe.


Schule - 15.03.2106

Ich hatte für alle ein gekochtes buntes Osterrei und kleine Schokoladenosterhasen dabei - war meine letzte Stunde vor den Osterferien. NIcht alle haben das Osterei angenommen - warum auch immer - dabei waren es Bioeier mit Naturfarben - aber das sagt ihnen ja nichts.

Eine unserer Schülerinnen fährt morgen nach Berlin um dort zu heiraten - mal sehen, ob sie nach Ostern wieder kommt. Hängt wohl davon ab, ob der Mann bereits eigenes Geld verdient.

Die Jungs sind von dem Schnee heute richtig überrascht worden, manche waren im Muskelshirt da - brrrrrr

Ansonsten keine besonderen Vorkommnisse - ach  ja doch, es ging ums Picknick machen - einnige haben auch Ouzo mitgenommen. Frage: "Gibt es denn in Syrien Schnaps?" ja natürlich, es gibt auch Bier. Wie bei uns, die einen recht streng gläubig, die anderen recht menschelig.

Alpha

Sie waren enttäuscht, dass es in der Ferienzeit keinen Kurs gibt. Wo die beiden Familien hinkommen, wissen sie immer noch nicht - die eine Familie musste heute wieder zum Landratsamt.

Meine Kindergartentante war  wieder da - sehr sehr schön.

Auch hier gabs Ostereier - wurde alles gerne genommen. Ich bin auch mal kurz in den Kurs der Senegalesen gegangen und habe Schokoosterhasen - mini - da gelassen.

Es  heißt ja immer, dass die Bilder mit den Flüchtlngen in Idomeni die Menschen vor der Flucht  abschrecken sollen. Ich musste feststellen, dass sie nur mich abschrecken und zwar in Bezug auf die Hartherzigkeit der Europäer. Keine/Keine,n den ich gefragt habe, hat darüber was gewusst, keine Bilder gesehen und keine Nachrichten gehört - sie hören und sehen nur ihre Heimatsender und da wird das nicht verbreitet. Ich habe heute versucht, ihnen zu erklären, dass die Grenzen nach Europa dicht sind. Vielleicht geben sie es ja an ihre Familien in den Herkunftsländern weiter.

Und jetzt habe ich 3 Wochen frei - wird mir doch nicht langweilig werden?!?! - Nach Ostern nutze ich die Zeit und fahre einen Tag mit meiner Schwester nach München.


War nichts mit 3 Wochen frei - gestern - 24.03. war ich in unserer Bücherei, wo seid ein paar Wochen der Computer-Sprachkurs "Tölzermodell" für Flüchtlinge läuft - immer donnerstags von 14 bis 16 Uhr. Da kann ich ja normalerweise nicht hin, weil zur selben Zeit mein Französischkurs läuft. Aber da sind ja jetzt Ferien und so habe ich gestern den Tag genutzt und da mal rein geschaut. Ich !!!! wurde dann gleich eingeteilt, einem anderen Sprachlehrer dieses Kurs auf dem PC zu erklären. Leider läuft alles sehr langsam, wenn 10 PC gleichzeitig angeschlossen werden.

Ohrstöpsel muss sich jeder selber mitbringen - ist ja klar. Ich hatte keine mit, der Lehrer auch nicht und so war es etwas sehr stumm ausgefallen. Nach ca. 1 Stunde ging auf den meisten PCs nichts mehr und so habe ich mich zu einem Teilnehmer gesetzt und bin mit ihm seine schriftlichen Aufzeichnungen durchgegangen. Er hat sich in den letzten Wochen versucht Deutsch selbst beizubringen. Er kommt aus Somalia und spricht recht gut englisch, wie wohl die meisten der Teilnehmer - es waren alles Schwarzafrikaner - und ich konnte wieder mal feststellen, dass sie die Flüchtlinge sind, die am meisten Eigeninitiative aufbringen und wirklich richtig was lernen wollen. Geleitet wird der Kurs von einem Senegalesen, den ich schon aus dem Schnupperkurs kenne, er hat sich hier schon ein richtig gutes Ansehen erarbeitet, dabei ist er noch erst etwas über 20 Jahre alt. Die Teilnehmer kommen aus dem Senegal, aus Erithrea, aus Somalia, Sierra Leone und Nigeria. Einer meiner früheren Chefs ist auch stark im Ehrenamt engagiert, er hat diesen Kurs hier in der Stadt ins Leben gerufen und für Geräte und Räume gesorgt. Ich hätte auch nicht gedacht, dass ich noch mal Kontakt zu ihm bekomme. Treffen auf der Straße ja, aber so eine Art Zusammenarbeit ist jetzt doch was anderes.

Also habe ich dann ca. 1 Stunde mit dem jungen Somalier gearbeitet. Als ich dann gegangen bin, kam mir ein anderer junger Mann nachgelaufen - er ist aus Nigeria - und fragte mich, ob ich ihm nicht Deutschunterricht geben könnte. Das hatte mich der Somalier auch schon gefragt.

Auf meine Frage, ob es denn in der Gemeinschaftsunterkunft keinen Deutschunterricht gäbe, sagte mir der Nigerianer - mit dem ich dann zusammen eine Strecke des Weges gegangen bin - ja, schon, sie haben 3 x in der Woche Unterricht, lernen da aber nichts.

Bei einem früheren   Treffen habe ich diese ehrenamtliche Mitarbeiterin kennengelernt - sie hat wirklich von nichts eine Ahnung.

So und jetzt bin ich am Überlegen, wie ich noch einmal in der Woche einen Deutschkurs für diese Gruppe anbieten kann. Kein Unterricht, sondern einfach nur Deutsch sprechen - immer und immer wieder. In der Bücherei hat man mir gleich zugesagt, dass ich einen Platz für die Gruppe bekomme. Für meine Schüler in der Schule will ja auch einmal in der Woche 2 Stunden Deutschsprechen anbieten - es wird dann auch nur Deutsch gesprochen.

Ich sehe schon, dieses Jahr wird es nichts mit jeden Tag Schwimmen gehen. Montags Schule und Alphakurs - am Nachmittag dann Deutsch für die Schüler. Dienstags Schule und Alphakurs und am Nachmittag dann Deutsch für die Schwarzarikaner. Mittwoch Vormittag - Weibertratsch. Donnerstag Französischkurs. Freitag muss freibleiben, es gibt ja auch noch anderes zu tun.

Wir haben ja 2 Gemeinschaftsunterkünfte in der Stadt -  eine ist gleich gegenüber der Bücherei und so kamen dann auch noch 3 Mädchen, so im Alter von 10 Jahren - waren wohl aus dem Arabischen Raum und fragten, ob sie auch an die Computer dürfen - natürlich durften sie und sie hatten großen Spaß.

Was mich freut ist, dass die  jungen Leute so schnell Vertrauen fassen - wir haben uns ja vorher noch nie gesehen.

Mal sehen, was am Donnnerstag dann daraus wird und ob sie dann auch wirklich immer kommen. Bis zu den Pfingstferien sind es ja noch ein paar Wochen, da könnten wir schon ein bisschen weiter sein.


31.03. - Computer-Sprachkurs und mehr

So heute bin ich wieder hin, um dem jungen Mann zu sagen, dass ich ihm und ein paar anderen, die Interesse habe, Deutschsprechen versuchen werde beizubringen. Wer nicht da war, der junge Mann - aber 3 andere haben zugesagt und die wollen auch noch einen mitbringen - wir treffen uns dann dienstags um 14 Uhr vor der Bücherei und entscheiden dann, wo wir hingehen, oder ob wir in der Bücherei bleiben.

Es sind ja so viele Schwarzafrikaner in der Bücherei, weil es da auch einen kostenlosen Internetzutritt gibt. Also bin ich von einem zum anderen, um zu fragen, ob er der ist, der den Deutschunterricht wollte - ich hatte ihn ja nur kurze Zeit gesprochen, er hatte eine Mütze auf und so wusste ich nicht mehr, wie er ausgesehen hat. Dann ist vor der Bücherei auch ein Bolzplatz, wo sie sich nachmittags immer austoben können. Also bin ich auch da von einem zum anderen und habe gefragt, ob er denn der sei, den ich suche. Ich habe kein Glück gehabt, aber so viele nette schwarze junge Männer kennengelernt.

Auf dem Heimweg habe ich dann noch einen vom meinem ersten Sprachkurs getroffen, war auch richtig lieb.

Jetzt haben sie den Asylplus-PC-Kurs von Donnerstag Nachmittag auf Dienstag und Donnerstag Vormittag verlegt. "Ach Frauch Schnitker, da sehen wir und doch dann auch?!?" Dienstag habe vormittags Schule und anschließen den Alphabetisierungskurs - da geht nix und am Donnerstag möchte ich mich immer auf meinen eigenen Französischkurs vorbereiten - sind wird das nix in der Bretagne.

Also sind jetzt Montag und Dienstag, komplett belegt - mit Donnerstag muss ich mal sehen.

Ist ja gut, dass ich eigentlich sowieso bis 75 Jahre arbeiten wollte. Das holt mich ja schon langsam ein.


Montag geht es in der Schule weiter  - da melde ich mich dann wieder - auch ob die Schüler Lust haben am Nachmittag noch ein bisschen Deutsch zu sprechen.


04.04.2016 - Schule

Heute war nur die Hälfte der Schüler da - ob sie wohl noch gar nicht gemerkt haben, dass die Ferien zu Ende sind? Einige haben eine Zeit der Ferien in anderen Orten verbracht. München, Köln und sogar Amsterdam. Eine Schülerin hat über Ostern in Berlin geheiratet und der Lehrerin und mir Hochzeitsgaben geschenkt. Das ist was Süßes und in sich verschlungene Eheringe - auf der Schachtel stehen die Namen des Brautpaares.

Einer hat inzwischen eine eigene Wohnung in Mühldorf bekommen - eine ganz neue Wohnung - er ist so stolz. Jetzt braucht er noch so einiges für die Einrichtung. Zudecke und Kopfkissen bekommt er von mir. Beim Umzug habe ich so viel zurückgelassen, das könnte er jetzt alles gebrauchen. Schade.

Mal sehen, wie ich die Sache zu ihm bringe. Evtl. fährt mich meine Schwester am Freitag zu ihm zur neuen Wohnung. Ich muss heute Abend mit ihr sprechen. Oder sie bringt mir die Sachen morgen zur Schule - aber dann muss er das im Bus mitnehmen - ist auch doof.

Und ja, eine Freundin hat er jetzt auch - er war doch schon so traurig - er hat mir heute auf dem Smartphone ein Bild von ihr gezeigt.

Die Lehrerin schreibt mir bis morgen auf, welche Schüler sie für die Nachhilfe vorschlägt. Dann spreche ich diese Schüler morgen an, ob sie Lust dazu haben. Montags nach der Schule von 11 Uhr 45 bis 13 Uhr 15. Für mich ist das dann ein langer Vormittag - um 7 Uhr 30 muss ich aus dem Haus und dann geht es ohne Pause durch bis 13 Uhr 15. Mit 3 verschiedenen Gruppen.

Alphakurs

Heute waren nur 4 Frauen da, eine davon musste nach einer Stunde gehen, sie hat eine Vorladung zum Gespräch - auf ihren Papieren habe ich gesehen, dass sie eine Arbeitserlaubnis hat - sie hat aber keinen Beruf - na doch - sie ist Hausfrau und Mutter von 6 Kindern, alle aber schon erwachsen.

Einen Sohn kenne ich inzwischen auch.

Die beiden Familien aus Aleppo waren nicht da, von einer weiss ich, dass sie zum Arzt musste, die Frau ist ja hochschwanger. Nur noch 2 Wochen.

Ich habe heute die beiden Frauen gefragt, die gar kein Wort Deutsch können, wie sie einkaufen. Die Söhne schreiben es auf einen Zettel und den Zettel reichen sie dann der Verkäuferin.

Ich habe eine der jungen Frauen gefragt, wie sie das Öl, das in der Küche anfällt, entsorgen. Toll, sie wusste, dass man es nicht in den Ausguss gießen darf, sondern über den Hausmüll entsorgen muss. Finde ich Klasse, da weiss sie mehr, als so man eine Hausfrau hier bei uns.

Morgen geht es hier weiter mit Schule, Alphakurs und Deutschkurs

05.04.2016

Schule

Heute habe ich von der Lehrerin die Namen der Schüler erhalten, die dringend Nachhilfe brauchen. Leider waren nicht alle da und so konnte ich nur 4 darauf ansprechen - ich hatte alle gebeten in der Pause zu mir zu kommen, aber einer ist mir entwischt.

Mal sehen, ob sie dann nächsten Montag von 11 Uhr 45 bis 13.Uhr 15 auch wirklich da sind. Vielleicht erreiche ich auch noch 2 andere. Mehr als 6 sollten es nicht sein.

Habe heute Zudecke und Kopfkissen zur Schule mitgebracht - groß bepackt, aber nicht schwer. Er hat sich gefreut.

Alpha

Heute ging es um Gemüse, Kräuter, Gewürze, Obst und dabei stellte  sich heraus, dass sie eigentlich gar nichts kennen und so treffen wir uns am Samstag um 9 Uhr auf dem Wochenmarkt. 10 Erwachsene, 3 kleine Kinder und 2 Babys.

Einer wollte wissen, wo er seine Tochter für den Kindergarten anmelden kann und ich habe ihn ins Rathaus zum Sozialamt geschickt.

Umm 13 Uhr kam dann bei mir ein Anruf, ob ich sagen kann, was er will - ich hatte meine Tel. Nr. auf den Zettel geschrieben. Nun bekommt er eine Liste mit den Kindergärten und auch einen Stadtplan, in dem die Sozialarbeiterin ihm die Kindergärten einzeichnet.

Eine der Frauen, die bisher kein Kopftuch getragen hat, kam heute das erste Mal mit Kopftuch. Ihr Schwägerin geht bei mir in die Klasse und sie holt immer ihren Mann aus meinem Kurs ab und so habe ich sie gefragt, warum die Schwägerin jetzt Koptuch trägt - mich stört das nicht, sie sieht damit richtig gut aus.

Warum wusste sie nicht, keine Ahnung, nur Schulter zucken. Die junge Frau aus der Klasse trägt kein Kopftuch.

So ich muss los zum nächsten Deutschkurs

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