Ehrenamt- Tagebuch, Teil 13

01.07.2019

Ich habe mich mit meinem "Enkel" zuhause bei mir getroffen, um einen Brief an seine Botschaft zu schreiben. Er hatte das mit Hilfe eines Unterkunftbewohners schon per Mail gemacht. DA aber da keine Unterschrift drunter ist, haben wir noch einen Brief per Einschreiben-Rückschein gesandt.

Am Mittwoch hat er einen Kontrollanruf der Botschaft bekommen, mit der Aussicht auf einen Termin in Berlin für August. Na geht doch.

02.07.19 - Computerklassenzimmer

nur 2 da. Mein "Enkel" und der Mann aus Tschetschenien - der ist sehr eifrig. Hat allerdings nur am Dienstag Zeit, weil er mittwochs ehrenamtlich bei der Tafel hilft. Er möchte hier gerne seinen Angelschein bestätigt bekommen - ich werde mich kümmern. Er war in seiner Heimat Gewichtsheber Jetzt hat er einen zerstörten Rücken. Für ihn versuche ich auch einen Job zu bekommen, er ist Bodenleger. Er hatte schon gearbeitet, wurde dann aber nach Waldkraiburg verlegt und der Job war futsch. Das soll man verstehen. Jetzt lebt er wieder unfreiwillig auf Staatskosten.

Für meinen Enkel haben wir uns auch überlegt, was für ein Ehrenamt er machen könnte. Haben wir gefunden, das  Bestätigungsschreiben hat er bekommen. Kann er heute bei seiner Ladung heute zur Regierung von Oberbayern vorlegen.

03.07.10 - Konversation- und Integration

Es war nur mein Enkel da. Die Zeit haben wir genutzt viel zu lesen und zu verstehen.

Auf dem Heimweg habe ich den Mann aus Aserbaidschan getroffen. Er darf die Schule der VHS besuchen. Er ist hochgebildet, spricht mehrere Sprachen. Nur Deutsch fehlt noch. Er geht jeden Tag da hin, ist sehr engagiert. Hat mir aber erzählt, dass die anderen entweder gar nicht oder nur sporadisch kommen. So fängt die Lehrerin immer wieder von vorne an, bzw. die meisten Lehrer schmeissen das Handtuch. Fast jede Woche wird gewechselt.

Ich bin ja auch von der VHS nicht so begeistert. Das ist was zum Hobby-Sprache lernen.

Ich habe so viele, die gerne in die VHS gingen, aber selber bezahlen müssten. Bis zu 2000 Euro und dann haben wir die, die es bezahlt bekommen, aber kein Interesse haben, weil i´hr Status hier in Deutschland gesichert ist, bzw. ihnen die Duldung reicht.

Abends kam dann auf meine Bitte hin, HO (Fußballer). Neues Festnetztelefon - Anrufbeantworter bzw. Aufzeichnung geht nicht. Er hat mich mitleidig angesehen und sich drüber gemacht - Ergebnis geht nicht. Mist

Fernseher ging seit einer Woche nicht. Mittags habe ich es noch getestet. Nix. Abends - wir machen den Fernseher an - er läuft. Was soll das?

ich brauche jetzt ein Bild von ihm, das halte ich bei Problemen für den Bildschirm. Vielleicht hilfts.

Auch das ich hier wieder im Blog schreiben kann, hat er mir eingerichtet.

Dafür gabs ein Abendessen. Achja, dann hat er mir einen sehr dicken Ordner mitgebracht - soll ich bitte die nächsten Tage für ihn kopieren. Puh, das sind Stunden. Die Blätter sind unterschiedlich groß. Müssen einzeln eingelegt werden. Es ist das ganze gesamte Arbeitsmaterial der ersten Berufsschulklasse.

04.07.19 - Integrationstalk im Ankerzentrum

nachdem mich Birgit (die liebenswerterweise hier mitliest, aber gemeinerweise nicht schreibt - haha) gefragt hat, wie mein Wochenende verläuft, schreibe ich hier mal weiter

Es waren 4 Jemeniten, 2 Jemenitinnen und eine Jordanierin da. Es gab viel zu besprechen, auch hier was bedeutet bei Stellenanzeigen w/m/d

Große Augen, nach der Erklärung noch größere.

Es ging wieder um Spracherwerb, über den letzten Ausflug " einer der schönsten Tage in ihrem Leben, den sie nie vergessen werden"

Wahnsinn. Das macht glücklich und treibt an, dabei zu bleiben.

Dann habe ich zu einem Geburtstag von 2 Kindern für kommenden Mittwoch eine Einladung ins Ankerzentrum bekommen. Normalerweise darf ich nicht rein, aber in diesem Fall dürfen die Integrationstussi und ihre Schwester die streng gehüteten Räume betreten. Kann ich nicht absagen, habe dafür den Abschiedsabend des Englischkurses abgesagt. Vielleicht kann ich ja später noch dazu kommen.

Dann haben wir vereinbart, dass wir kommende Woche gemeinsam aufs Volksfest gehen. Mit oder ohne Bier.

Vorerst steht aber am Montag noch ein gemeinsames Abendessen bei mir an. Bayerisch-Österreichisch - da müssen sie durch. Goulasch mit Semmelknödel, Krautsalat. Und wer will, das ist gut die Hälfte der Muslime, auch ein Pils, allerdings ein Flensburger. Mein Lieblingspils von den normalen.

Meine Schwester macht die Semmelknödel. Es werden 4 kommen, mehr Platz habe ich nicht. Einer muss mir aber vorher auf dem Handy verschiedene Gruppen einrichten und auch bei Skype.

Also ist  nächste Woche jeden Tag was anderes. Keine Zeit für Wehwehchen oder Lamentieren. Was habe ich für ein Glück.

Einer der Jemeniten, der mit auf dem Chiemsee-Ausflug war, wurde am Dienstag verlegt und hat mir gestern ins Telefon geweint. Er hat Angst, viele Leute in der neuen Gemeinschaftsunterkunft sind alkoholisiert oder stehen unter Drogen. Sie sind unberechenbar. Das macht ihm Angst. Er war schon bei der Diakonie - nur Schulterzucken, ich will jetzt mal sehen, ob ich über die Caritas was erreichen kann. Wenigstens Deutschunterricht und evtl. ein Ehrenamt.


1 Stunde geschrieben - alles weg. Mal sehen, wann ich wieder Zeit habe - heute bestimmt nicht mehr. Scheiße

dann starte ich heute noch mal. Wahrscheinlich wird es dann hier weniger  zu lesen geben.

07.07.19 - Sonntag Abend

es kam eine Whatsapp von einem ehemaligen Schüler - mittlerweile verheiratet, 1 Kind, und einen Job als Brief/Paketausfahrer. Diese Familie meldet sich immer nur, wenn sie Probleme hat.

Er hatte versehentlich Post in den falschen Briefkasten geworfen. Daraufhin wurde er angegriffen und geschlagen. Er hatte seinen Chef gefragt, was er machen soll. Polizei? Kann er machen, wie er will.

Eva was soll ich tun? Natürlich zur Polizei. Er: Ich hatte gedacht, ich könnte ihm einen Brief schreiben und ihm vorschlagen, 1000 Euro zu zahlen. Dann ist alles vergessen. Ja sind wir denn im Orient? Da macht er sich durch Erpressung strafbar. Manóman - mit Sachen muss ich mich befassen.

Immerhin habe ich jetz eine Einladung zu ihnen nach Hause bekommen. Bei ihrer Hochzeit war ich ja auch.

08.07.19

Abends kommen Gäste - 4 Jemeniten aus dem Ankerzentrum. Ich freue mich schon sehr. Also morgens 2 kg Rindfleisch gekauft. Beim Metzger des Vertrauens. Ich hatte ihnen versprochen, dass ich sicher nichts aus dem Supermarkt und Discounter vorsetze. Da gehe ich nicht rein.

Dann Knödelbrot gekauft, Bio-Eier direkt vom Hof, 2 kg Zwiebeln aus der Region, ebenso Petersilie.

Vormittags habe ich dann die 2 kg Zwiebeln geschält und so geweint. Schluchz. Aber immer gleiche Menge Fleisch und Zwiebeln. Das gibt eine traumhafte Sauce ohne jeden weiteren Zusatz. (doch: etwas Tomatenmark, Knoblauch, Zitronenschale, Kümmel, Salz und viel Pfeffer, gemörsert, nicht gemahlen.

Um 18 Uhr sollte es losgehen. Nachmittags kam ein Anruf, einer, der alles organisiert hatte, kann nicht kommen. Ein Freund im Ankerzentrum hat einen Herzinfarkt erlitten. Er hat ihn ins Krankenhaus begleitet. Also kamen 3. Aber auch das ging nicht problemlos. Sie  hatten die Adresse, wo ich wohne, nicht von ihrem Kollegen bekommen und finden mich nicht. Also kam gegen 18 Uhr ein Anruf von Nr. 1, sie haben meine Adresse nicht. Doch, hatte ich ihm geschrieben. Wirklich? Bin dann los und 1 km zum Ankerzentrum gelaufen, um sie abzuholen. Da waren sie aber nicht mehr. Netter Ratsch mit den Sicherheitsleuten. Und wieder nach Hause, da kam der Anruf meiner Schwester "sie sind da". Bin ich doch glatt mal so nebenbei 2 km gelaufen.

Kurz: Essen hat geschmeckt, ist nicht viel übrig geblieben. Ich hatte dann noch meinen Schoko-Chili-Kuchen gebacken, dazu Erdbeeren und Sahne.

Getränke: 4 x Flensburger Pils, 1 x Wasser. Die meisten Muslime aus dem arabischen Raum trinken Bier. Um 22 Uhr war Schluß. Geblieben ist eine schöne Erinnerung und schöne Bilder.

09.07.19 - Computerklassenzimmer

3 waren da. Mein "Enkel", der Mann aus Tschetschenien (gibt es nicht mehr, heißt heute Russische Föderation!!!!???)

1 Frau aus  dem Kongo. Mein Enkel musste mir  zeigen, wie gut er mit cem Computer umgehen kann um in Zukunft uns ehrenamtlich zu unterstützen.

Klappt gut. Mit ihm und dem Tschetschen arbeite ich nicht am PC, sondern wir machen richtig Deutschunterricht, Zeitung lesen und verstehen, ist auch gleichzeitig Integration. Die Kongolesin hat mich an der Rand meiner Beherrschung gebracht. Sie war mit ihrem kleinen Sohn da. Ihr Deutsch ist schon recht gut. Sie geht auch jeden Vormittag in die VHS.

Aber dann ging es los: Warum kontrollieren die Sicherheitsleute in der Gemeinschaftsunterkunft nicht die  Handtaschen und machen auch keine Leibesvisitation. Weil es Sicherheitsleute sind und nicht Polizei. Aber es  kommen so viele Drogen ins Haus, man kann es auch riechen.

Dann muss das bei der Polizei angezeigt werden.

Warum darf in der Gemeinschaftsunterkunft niemand von außerhalb übernachten?

Das ist kein Hotel, der Vermieter bekommt Strom, Wasser usw. für die Hausbewohner in einem Festbetrag bezahlt, aber die "Gäste" verbrauchen auch.

Außerdem weiß man dann nicht, wer sich alles im Haus aufhält, das kann gefährlicher als Drogen sein. Aber in München darf man das doch auch!

Wird sich auch noch ändern.

Dann werden sie nach und nach aufgefordert, die Gemeinschaftsunterkunft zu verlassen und sich eigenen Wohnraum zu suchen. (Muss ein Scherz unserer Regierung sein, es gibt keine Wohnungen). Frage an mich: Im Internet gibt es 100erte von Wohnungen, wenn sie anrufen, sind keine Wohnungen frei.

Mein nicht so netter Hinweis: Schaut mal in den Spiegel, zählt mal Eure Kinder durch - jeder Vermieter kann sich aussuchen, wem er eine Wohnung vermietet und da stehen sie halt ganz am Ende der Reihe. Außerdem hat sie keine Arbeit. Sie  bekommt keine. Sprachniveau? Unter B1? keine Chance. Erstmal ausreichend Deutschkenntnisse erwerben. Bedeutet aber auch alle Angebote anzunehmen, nicht mal kommen und mal nicht.

Sie ist mit 2 Kindern hier, will habe ihre anderen 3 aus dem Kongo nachholen. Warum sie das nicht darf. Doch darf sie, sobald sie einen Job hat um ihre Kinder hier zu ernähren und um sich auch die entsprechende Unterkunft leisten zu können. Familiennachzug ist möglich, sobald die hier schon lebende Familie für den Unterhalt der nachziehenden aufkommt.

Dann der Hit: diese nigerischischen Frauen........

Ich verbiete mir jede Diffamierung anderer Migranten, weder in Bezug auf die Herkunft noch auf die Religion. Was sie von uns erwartet, erwarte ich auch von ihr. Kann sein, dass ich laut wurde.

Als sie gegangen war (meine Auskünfte haben ihr nicht so gefallen), sagte mein "Enkel" zu mir: Oma, du weißt doch WEIBER. Achja

10.07.19 Konversations- und Integrationskurs

niemand gekommen. Mein Enkel hatte allerdings rechtzeitig abgesagt. Am Montag haben wir im Kreis der Sprachpaten ein Treffen, da muss das alles angesprochen werden. Ich habe mir schon Gedanken gemacht. Werde ich vortragen.

Was mich ärgert ist, dass die Sozialarbeiter in der Gemeinschaftsunterkunft nicht mehr Druck machen, dass die Bewohner in die Deutschkurse gehen. ich habe das Gefühl, dass wir bewußt boykottiert werden. Dabei sind es max. 50 m von einem Haus zum anderen.

18 Uhr - da war ich zu einem Geburtstag in das Ankerzentrum eingeladen. Zwei der Kinder von der Jemenitischen Familie, die mich bei der Organisation einiger Dinge unterstützt, hatten Geburtstag, Beide am gleiche Tag - 1 Jahr und 5 Jahre. Kurz vor 18 Uhr kam die Nachricht, dass ich nicht in das Ankerzentrum hineindarf. Schade, aber ich hatte mir das schon gedacht. Der Leiter hatte zugestimmt, dass er jemand einladen darf, war aber von einem Hausbewohner ausgegangen.

Ich verstehe das. Er muss ja für meine Sicherheit sorgen. Bei 400 Bewohnern aller Nationen ist das nicht so einfach. Ich hätte mir keine Sorgen gemacht. Aber natürlich akzeptiere ich diese Entscheidung.

Ich hatte für die Kinder Bücher gekauft und gesagt, dass ich auf jeden Fall um 18 Uhr vor dem Haus stehe. W. war sehr enttäucht, dass ich nicht rein durfte und kam mit der ganzen Familie nach unten (er wohnt im 6. Stock) und so haben wir ein paar Minuten auf der Straße gefeiert. Die Sicherheitsleute waren auch sehr nett. Wir hatten, während ich gewartet hatte, viel Spaß. Sie kommen auch aus  aller Welt. Deutsche machen diesen schlechtbezahlten Job nicht.

2 haben sich unterhalten. Als sich sagte, dass sie Dari sprechen, waren sie happy, dass ich ihre Sprache erkannte (Afghanistan).

Ich hatte einen Geburtstagsteller bekommen, mit Minipizza, Kuchen Marshmellows und von der Tochter gemalten Bildern bekommen.


Dann habe ich auch noch Kontakte zum Anwalt hergestellt, getröstet, Briefe von Ämtern erklärt und noch so einiges. Da gehen jeden Tag auch einige Stunden drauf.


Am Samstag geht es mit der 2. Gruppe Jemeniten noch mal an den Chiemsee. Hoffentlich hält das Wetter.

Nächste Woche Mittwoch gehe ich mit ihnen aufs Volksfest "Tag der guten Nachbarschaft". Ich bekomme vom Arbeitskreis Asyl 15 Biermarkerl.

Werden wir in Hähnchen und Bier umsetzen.

11.07.19 - Besuch am Abend

Um 20 Uhr kam noch einer der Jemeniten (W), der mir die Organisation innerhalb der Teilnehmer am Integrationstalk abnimmt. Er war immer noch enttäuscht, dass ich nicht zum Kindergeburtstag kommen durfte. Wir haben über den Samstag gesprochen, da wollen wir ja noch mal an den Chiemsee, allerdings wird es vom Wetter her nicht so toll werden wie vor 14 Tage. Also bitte kein Essen mitnehmen, das wir auf der Wiese essen müssen. Badesachen werden sie auch nicht brauchen, wir fahren aber auf jeden Fall an den Chiemsee und danach wohl nach Amerang ins Bauernmuseum und auf das Schloß. Gerade kam im Radio: Samstag der meiste Regen im Chiemgau - so ein Mist. Ich kann aber  nicht verschieben, weil wir den Bus nur diesen Samstag bekommen können. Ist ja sowieso toll, dass uns der Kreisjugendring das Auto zur Verfügung stellt, nur Sprit müssen wir bezahlen. Allerdings schluckt dieser Wagen enorm. Sie sollen sich Regenjacken, Mützen und feste Schuhe mitnehmen. Flipflop (bevorzugter Schuh!) ist nicht angesagt.

Viele Mitbewohner im Ankerzentrum haben ja mitbekommen, dass wir Ausflüge machen. Und so wurde er gefragt, warum sie nicht eingeladen sind.

Ganz einfach, dann müssten sie auch in den Integrationstalk kommen. Ok - beim nächsten Mal sind wir da. Mal sehen, wieviele.

Allerdings kann ich diese Fahrten erst wieder in ein paar Monaten anbieten. Das geht vielleicht 5 x pro Jahr. Ich habe sowieso schon viel erreicht. Bisher gab es so etwas überhaupt nicht. Und meine Schwester hat auch nicht immer Zeit, außerdem gehört sie nicht zum Arbeitskreis Asyl (Sprachpaten).

Dann haben wir auch gleich das Treffen am Volksfest für Mittwoch vereinbart. Um 18 Uhr 30 gehen wir gemeinsam dahin. 10 bis 15 Personen. Hoffentlich bekommen wir einen Tisch. Der Tag der guten Nachbarschaft ist immer gut besucht. Aber allein wegen des Namens will schon an diesem Tag dahin. Außerdem gibt es Bayerische Volksmusik - finde ich persönlich nicht so toll, oft ist es auch volkstümelnde Musik. Aber meinen Freunden wird es gefallen, sie wollen mal was typisches. Sie sind immer entsetzt, dass bei uns im Radio nur Englische Musik läuft. Gefällt ihnen gar nicht.

Wir haben zusammen Flensburger Pils getrunken und er hat mir erzählt, wie ihn sein Weg mit Familie nach Deutschland und hier nach Bayern geführt hat. Dann hatte ich noch ein Stout zuhause, das haben wir uns geteilt.

Heute Nachmittag unterstützt er das Sanitätsteam am Volksfest. Eine Kollegin nimmt ihn mit. Er ist ja Arzt.


12.07.19 es kam eine Whatsapp - Eva, mein Handy ist runtergefallen und jetzt kaputt. Also wenn er mit meinem alten Samsung S4 was anfangen kann, kann er das haben. Ich nehme an, er wird dann heute Abend mal vorbeikommen. (er ist ja sowieso meine Technikstütze hier - Uganda, Fußball, HO)

Abends kam die Nachricht, dass er ein besseres Handy geschenkt bekommen hat. Am Nachmittag gab es ein Fußballturnier zweier Firmen hier. In einer macht er gerade sein Praktikum. Außerdem hat er nach einer Lederhose gefragt. Alle sollen abends in Lederhose auf das Volksfest kommen. Ich finde das sehr albern, wenn ein Mann aus Uganda in der Lederhose auftaucht. Lächerlich. Ihm fiel aber ein, dass wir in Burghausen in einem Secondhandladen eine Lederhose gesehen hatten. Das war wirklich eine echte alte. Keine so ein albernes Modeding. Aber er hatte nicht genug Geld und ich war wirklich nicht bereit für so einen Blödsinn Geld auszugeben. Er wird den Abend auch in einer Jeans überlebt haben. Zumal er kein Bier trinkt. "Ich bin Sportler, ich trinke kein Bier". Ok. Noch habe ich keine Nachricht, wie es ihm ergangen ist. Heute Abend muss er schon wieder aufs Volksfest. Aber an und für sich hat er für so etwas nichts übrig.

15.07.19 - inzwischen habe ich Nachricht. Am Freitag ist er gar nicht hin gegangen, am Samstag hat er sich beim Fußballspiel verletzt, konnte er also abends auch nicht aufs Volksfest und jetzt sitzt er beim Arzt.

Inzwischen weiß ich, dass er bis zum 28.07. krank geschrieben ist und am Samstag zum MRT muss.

Er läuft jetzt mit "Kupplungen". Wer weiß, was gemeint ist? Ich habe eine Weile gebraucht: Krücken!!!!!!

Frage: ist das Bayerisch oder Deutsch? Deutsch. Auf Bayerisch "Kraxn"


Dankeschön-Whatsapps für den Samstag: eine Rose, ein Herz, " Es war echt ein schöner Tag mit euch"., "vielen Dank für alles, ich hatte einen wunderschönen Tag", "Danke für alles, Du bist toll", "Ich wünsche Dir Glück von ganzem Herzen - wir sind eine Familie"


Treffen Arbeitskreis Asyl: Ab Oktober werden wir einiges ändern. Ich habe angeregt, die schlecht besuchten Computersprachkurse in der Bücherei aufzugeben und nur noch beim Ankerzentrum anzubieten. Ich mache dann den Integrationstalk statt 2 x im Monat, jeden Donnerstag. Und Sprachkurse nur noch nach Bedarf. Da sitze ich dann nicht rum und warte auf die, die nicht kommen.

Im August soll ich einen Kollegen im Urlaub vertreten für 2 Teilnehmer, die im Herbst B2 machen wollen/müssen. Mal sehen, 2 Tage werde ich nicht anbieten. Vielleicht Dienstag Abend (beide gehen arbeiten) 17:30/18 bis 19 Uhr. Keine Grammatik - verstehen trainieren, Berichte schreiben

Dann habe ich von meinen Ausflügen berichtet. Außer mir bietet niemand außerhalb der Sprachkurse noch andere Betreuung an. Ausflüge, gemeinsam Essen, Stadtspaziergänge - diese will ich beibehalten, 1 x im Monat.

Ausflüge mit dem Bus  an den Chiemsee werden wir nicht oft anbieten können. Vielleicht wieder im Oktober.

Dann hat mich eine Kollegin gebeten, ob ich noch Zeit für sie hätte, ja hab ich. Wir sind dann noch in ein Cafè. Sie hat gemerkt, dass ich sehr viel weiß, was sie im Umgang zwischen Behörden und Migranten nicht weiß. Ich konnte ihr da ein bisschen weiterhelfen.

Abends: ein Kongolese (HM), der schon seit mehr als einem Jahr nicht mehr in Waldkraiburg ist, hat mich wieder mal gefragt, ob ich ihm nicht beim Nachholen seiner Kinder nach Deutschland helfen kann. Kann ich nicht, dafür gibt es staatliche Stellen. Habe ihm aber alles aus dem Internet rausgesucht, was er wissen sollte. Um 21 Uhr kam dann ein Anruf von ihm. Er will seine Kinder herholen, weil wieder Ebola im Kongo ausgebrochen ist.

1. Er braucht einen längerfristigen Arbeitsvertrag hier in Deutschland (Arbeit hat er, aber ohne längerfristigem Vertrag). Er braucht Sprachniveau B1 (hat er sicher, aber da er keine Prüfung abgelegt hat, kann er das nicht nachweisen). Er braucht eine Wohnung. Er muss für seine Kinder selbst sorgen können.

Und dann die wichtigste Frage: wie ist sein Aufenthaltsstatus jetzt? Sein Ausweis wird immer im 6 Monate verlängert. Das reicht nicht.

Ja Eva, wann wir denn mein Status geklärt. Wann ist denn mein Asylverfahren abgeschlossen?

Keine Ahnung, das kann noch Jahre dauern. Und so lange kann er die Kinder nicht nachholen.

Daraufhin ergoß sich ein Schwall in Französisch. Er war nicht mehr zu stoppen. Ergebnis: Ich habe nach einer Stunde aufgelegt. Habe sowieso nichts mehr verstanden.

Es gibt mehrere, die alle Hoffnung in mich setzen. Keine davon kann ich erfüllen. Ich kann sie nur an entsprechende Stellen weiterleiten. Ist sehr schwer für sie zu verstehen, zumal sie alle aus Ländern kommen, in denen man mit Vit. B weiterkommt.


Dann kam noch eine Whatsapp der jemenitischen Familie. Es geht ihnen gut, sie haben 2 Unterstützerinnen gefunden "genauso nett, wie Du Eva". Da bin ich sehr froh. Wann ich sie denn besuchen komme? Ich habe kein Auto und sie wohnen jetzt bei Augsburg. Da komme ich so schnell nicht hin.

16.07.19

Also für den einen gibt es vielleicht ein Ehrenamt, erfahren wir in den nächsten Tagen, für ihn bestünde im Herbst vielleicht auch die Möglichkeit für einen 80 cent/Std. Job in der Küche. Gesundheitszeugnis hat er schon. Er hatte ja schon Praktika in einer Hotelküche gemacht.

Für den anderen, der einen neuen Job sucht, habe ich eine Adresse im Rathaus bekommen, da können wir am Donnerstag vorstellig werden.

Computersprachkurs

es waren wie seit langer Zeit nur 2 da. Mein "Enkel", der mich ja in Zukunft, falls ich mal ausfalle, dort vertritt. Den Raum aufsperrt, die Computer anstellt und weiter hilft. Das macht er schon gut. Am Donnerstag hat er die erste Bewährungsprobe, meine Kollegin hat keine Zeit, also vertritt er sie.

Dann war noch der Mann aus Tschetschenien da. Er will ja nicht am PC arbeiten, sondern Deutschunterricht haben. So halten wir es jetzt seit ein paar Wochen. Dann kam noch eine Frau aus München, die von einem Migrant gehört hatte, dass es in Waldkraiburg wohl keine Sprachangebote gäbe.

So ein Blödsinn, es gibt kaum eine Stadt, die mehr anbietet. Das Sprachlernangebot ist groß, die Zahl der Interessenten sehr klein bei doch ca. 500 Migranten in der Stadt. Einige gehen bereits arbeiten, einige haben Ehrenämter, andere haben kleine Kinder. Aber 100 sollten immer noch Interesse haben.

17.07.19 - Konversation- und Integrationskurs

Na immerhin 2. Mein "Enkel" hat noch einen jungen Mann aus Nigeria mitgebracht. Er ist seit einem Monat in der Gemeinschaftsunterkunft und hatte bisher keinen Hinweis auf unsere Sprachkurse, obwohl er in der Ausländerbehörde nachgefragt hatte. Aus der Unterkunft heraus gab es keine Information.

Das macht mich richtig sauer.

Heute muss mein "Enkel" alleine den Computersprachkurs betreuen. Meine Kollegin hat keine Zeit und ich habe ja meinen Integrationstalk im Ankerzentrum. Er ist so stolz, dass wir ihm hier vertrauen. Aber er ist ja auch ein sehr selbständiger junger Mann geworden.

Volksfestbesuch: die Markerl haben gerade so gereicht. Es waren hauptsächlich Jemeniten, aber auch 2 Jordanier, 1 Ägypter, und dann kam noch eine Frau aus dem Libanon. Große Enttäuschung als ich nur alkoholfreies Bier bestellt habe. Aber 1 Maß richtiges Bier wollte ich dann doch nicht riskieren.

Für die nicht Alkoholtrinkenden war es aber eine tolle Erfahrung auch mal Bier zu trinken. Die Hendl haben allen sehr gut geschmeckt "wie zuhause".

Um 18 Uhr haben wir uns getroffen, so gegen 22 Uhr sind wir wieder heim. Auf jeden Fall können sie jetzt schunkeln, laut mitsingen und "oans, zwoa sguffa" können sie jetzt auch. Meine Schwester - unser Chauffeur an den Chiemsee - kam auch.

Auf dem Heimweg haben sie mich gefragt, warum ich das für sie tue. Die Aufklärung kam bei der Verabschiedung "weil es für so alte Ladies wie für mich eine Supersache ist von so vielen jungen Männern umarmt und auf die Wange geküsst zu werden". Fanden sie auch super.

Sie sind in Waldkraiburg richtig glücklich und wollen gar keinen Transfer. Sie haben aus Erzählungen mit anderen schon mitbekommen, dass sie es wohl nie wieder so gut bekommen werden wie hier. Natürlich können sie hier nur bedingt selber was zum Essen gekocht. Eigentlich nur Mütter mit Kindern, was auch von einer Ehrenamtlerin angeboten wird - jeden Wochentag ist sie 4 Stunden beschäftigt. Tolle Frau.

Ich hoffe, dass ich heute die meisten im Integrationstalk wiedersehe.

18.07.19 - Zur Jobhilfe des Landkreises mit dem Tschetschen aus meinem Sprachkurs. Sie hat alles aufgenommen, Vollmacht unterzeichnen lassen,

dann den Ausweis angeschaut und bedauert: "so lange der Aufenthaltsstatus nicht geklärt ist, kann sie ihm keine Arbeit vermitteln". Er hatte aber schon gearbeitet, als er noch in einer anderen Gemeinschaftsunterkunft war. Da musste er wer und so war auch der Job wieder weg.

Dabei heißt es, wenn jemand 2 Jahre gearbeitet hat und Sprachniveau min. A2/2 oder besser noch B1 hat, kann er somit einen Aufenthaltsstatus bekommen. Ja verdammt und wie, wenn man ihn bei der Jobsuche nicht unterstützt. Lt. Ausweis darf er mit Genehmigung der Ausländerbehörde arbeiten.

Manchmal könnte ich alles kurz und klein schlagen. Hilft nur meinen Schützlingen auch nichts. Sie brauchen ja eine Oma, die immer höflich ist und lächelt. Auch wenn es meist sehr schwer fällt.

Intergrationstalk - fast alle haben ihr Versprechen gehalten und sind gekommen. Es war auch noch einer neuer Teilnehmer aus dem Jemen da.

Sie nehmen die Themen, die ich aufgreife immer sehr interessiert auf. Mein Dolmetscher - englisch - arabisch - hat nächste Woche einen Transfer und sein Freund auch. Jetzt muss ich mal sehen, wann wir uns nächste Woche Auf wiedersehen sagen können.

Dann standen auf einmal 2 Nigerianerinnen in der Tür und wollten wissen, ob sie, auch wenn sie nicht im Ankerzentrum wohnen, an den Sprachkursen des Arbeitskreises Asyl teilnehmen können. Natürlich und auch an meinem Integrationskurs.

Nach einer Weile sagte die eine, dass sie vor langer Zeit in meinem Computerkurs in der Bibliothek war. Habe ich nicht wieder erkannt. Ich treffe immer nur ihren Mann.

Abends - 19 Uhr 45

Da kam eine Whatsapp von dem jungen Jordanier. Er war beim Interview im BAMF. Da wurde ihm erklärt, dass es sein muss, dass er in die Niederlande ausreisen muss, weil er da seine Fingerabdrucke abgegeben hatte, als er nach Europa kam. Jetzt muss er den Bescheid des Entscheiders abwarten.

"Ich WILL aber in Deutschland bleiben, es gefällt mir so gut". Also habe ich zum 1000sten Mal die Dublinregel erklärt. Dann kam später eine weitere Nachricht, dass er Probleme im Zug hat. Dann klingelte das Telefon, dran war eine Frau, die mir auf etwas schwer verständlichem Deutsch erklärt hat, dass der junge Mann mit einem Ticket für die 2. Klasse in die 1. Klasse eingestiegen ist. Es war seine erste Zugfahrt alleine hier in Deutschland. Der Schaffner hat seine Erklärung nicht akzeptiert. Mal sehen, wenn er die Zahlungsaufforderung bekommt, ob wir was machen können. 60 Euro würden ihn sehr hart treffen. Er hatte ja sein Ticket nicht selbst gelöst, sondern vom Ankerzentrum bekommen.

Wenn er  schon einmal im Integrationstalk gewesen wäre, hätte er mehr gewußt. Er ist aber erst 5 Wochen in Deutschland. Wir haben uns bei dem Ausflug letzten Samstag kennengelernt. Er wollte gestern kommen, hatte aber den Termin in München. Beim Volksfest war er auch dabei. Netter Kerl.

Ich treffe mich morgen Vormittag mit ihm auf eine Tasse Kaffee in einem Café. Ob er seine jemenitischen Freundin mitbringen kann. Naja, wenn sie verspricht in den Integrationstalk zu kommen.

Gestern hatte ich noch aufs Dublin-Verfahren hingewiesen, da eine jemenitischen Familie in die Slowakei zurück muss. Sie haben gehört, dass es dort gefährlich für sie sein kann. Slowaken mögen keine Flüchtlinge. Das mag schon sein, dass es ein paar Idioten gibt, aber im Großen und Ganzen ist dort alles ok. Ich habe ihnen aber nicht gesagt, dass die slowakische Sprache noch schwerer als Deutsch ist.

20.07.19 - Treffen mit M. (Jordanien) im Cafè. Er war ganz pünktlich, hatte sogar schon auf mich gewartet. Aber jetzt kommt es. Ich kannte ihn ja nur in der Gruppe - Ausflug und Volksfest - und da hat das mit dem schnellen Übersetzen so gut geklappt, dass mir gar nicht aufgefallen ist, dass er nur gaaaanz wenig englisch spricht. Wir hatten ja whatsapp-Kontakt, das funktioniert ganz prima mit dem Übersetzungsprogramm. Er gibt auf arabisch ein, was er mir sagen will, bei mir kommt es auf englich oder deutsch an. Also saßen wir heute im Cafè und konnten uns nur freundlich anlächeln. Ich habe dann alles, was ich von ihm wissen wollte, bzw. was ich ihm sagen wollte, auf ein Blatt Papier geschrieben. In whatsapp wollte ich das aus verschiedenen Gründen nicht.

Wir hatten dann noch versucht, Kollegen von ihm zu überreden zu uns zu kommen und zu übersetzen. Keiner wollte "zu müde". Da muss ich beim nächsten Mal im Integrationstalk ein ernstes Wort sagen. So geht es nicht.

Wir haben uns jetzt noch mal für Dienstag Vormittag verabredet und er soll jemand zum Dolmetschen mitbringen. Sonst macht das keinen Sinn.

Ich muss ihm dann auch noch was zu der Bahnfahrt sagen. Wenn er nicht gleich bezahlt hätte, hätten wir evtl. Einspruch einlegen können. Zu spät.

Am Nachmittag hat mir dann der Fußballer geschrieben, dass sein Außenmeniskus und auch das vordere Kreuzband gerissen sind. Wahrscheinlich muss er operiert werden und dann zur Reha. Das kann sich Wochen hinziehen. Anfang September hatte er doch gehofft eine Ausbildung beginnen zu können.

Volksfest: es war so heiß. Um 18 Uhr noch 33 °C. Mein "Enkel" war ganz pünktlich da. Er hat das schon gelernt. Wir haben uns in den Biergarten gesetzt und uns gemeinsam eine Käseplatte bestellt, dazu 2 x 0,5 l alkoholfreies Bier. Das Bier war nach 10 Minuten eine warme Brühe. Bäh. Es war heiß und extrem laut. Sogar der junge Mann hat das als unangenehm empfunden. Er ist überhaupt sehr leise, ganz anders als die meisten seiner "Kollegen".

Wir sind nach einer Stunde wieder gegangen. Er wollte noch was einkaufen und ich war froh nach Hause zu kommen. Die Wohnung kam mir richtig kühl vor.

Während wir da gesessen hatten hat er mit seiner Mutter telefoniert. Sie will noch mal versuchen, ihm eine Originalgeburtsurkunde zu besorgen. Sie freut sich, dass er mich an seiner Seite hat.

21.07.19 erstmal angefangen für meinen Fußballer den Inhalt eines Ordners für das 1. Berufsschuljahr zu kopieren. Es sind nur ein paar hundert!!.

Er wollte es ja selber machen. Aber durch seine Beinverletzung schafft er die Treppen nicht, bzw. ist auch der Weg zu mir zu weit. ca. 2 km.

Gleich kopier ich weiter, er muss den Ordner an seine Kollegin zurückgeben.

abends: Abschiedspizza mit 2 Jemeniten. Sie waren ganz pünktlich - und haben das auch gleich betont. Na klappt doch. Sie werden nach Pöcking an den Starnberger See verlegt. Hätte wirklich schlimmer kommen können. Auch wenn es eine Container-Anlage ist. Aber Starnberg können sie  auch zu Fuß erreichen und dann sind sie nach 45 Minuten auch in München. Und dann die wunderbare Landschaft. Gleich bei der Unterkunft ist noch ein kleiner See. Zum Starnberger See sind es vielleicht 10 Minuten zu Fuß.

Die Gespräche mit diesen jungen und gut gebildeten Männern erweitern den Horizont ungemein. Sie waren mal sehr gut situiert. Auf alles haben sie verzichtet, nur um in Sicherheit zu sein. ich meinte, dass ich mir das sehr schwer vorstelle. Dann die Aussage: Schau Eva, wir sind noch jung, wir hatten alles, wissen wie es ist reich zu sein, jetzt kommt ein neues Leben und das werden wir auch schaffen. Einer hatte einen Porsche Cayenne gefahren. Wow so ein teures Auto. Nein, das sind Importe aus den USA - ca. 7000 Euro. Ja dann. Und beide hatten große Häuser. Aber als Mediziner haben sie auch gut verdient. Sie befürchten, dass es noch lange keine Frieden geben wird. Auf keinen Fall solange sich die USA und Russland einmischen. Warum kann man sie nicht einfach in Ruhe lassen? Weil viel zu viel Geld im Spiel ist. Jeder schmiert jeden und das Geld kommt von den Großmächten. Mächte? Arsch....

Ob sie jemals wieder in Deutschland als Arzt und Zahnarzt arbeiten können ist nicht so wichtig, wäre aber ein großes Ziel. Jetzt nehmen sie erst mal jeden Job an, den sie bekommen können. Sobald sie in der Gemeinschaftsunterkunft sind, besteht Aussicht auf einen Minijob von dem sie 150 Euro behalten dürfen, das ist schon mal der erste Schritt.

Größtes Problem ist die zuhause zurückgebliebene Familie, Frau und Kind, Eltern. Vorgestern war ein Bombenangriff auf ihre Strasse.

Es ist gibt im Jemen keine Luftschutzkeller, kein Warnsystem, nichts. Wenns knallt, knallts - völlig ohne Vorwarnung.

Und wieder mal Menschen, die ich sehr vermissen werde.

Meine Schwester kam später auch noch in die Pizzeria. Sie hat versprochen, dass wir sie  besuchen werden. Das ist ja auch für uns ein Grund mal in diese landschaftlich wunderbare Gegend zu fahren. Vielleicht können wir dann auch nach Kloster Andechs, ich war noch nie dort. Es ist natürlich ein Bier"mekka".

Beide trinken nur alkoholfrei.

22.07.19 - Gerade für meine Enkel Unterlagen and die Ausländerbehörde gesandt. Jetzt geht es weiter mit kopieren.

Ich bin unruhig. Seit Monaten das erste Mal, dass ich einen Tag ohne Nachricht von meinem nigerianischen Freund in den USA geblieben bin. Hoffentlich war er nur zu müde zum Schreiben. Hat ja fast eine 90-Stunden-Woche - Fahrzeiten nicht eingerechnet. Und dann die Hitzewelle in New York.

USA - inzwischen kam die Nachricht, dass er erst morgens um 5 Uhr zuhause war. Jetzt geht es erst mal ins Bett und um abends meiner Zeit wollen wir dann Skypen. Das heißt wohl, dass er heute bis zum Abend eine freien Tag hat. Um 18 Uhr seiner Zeit beginnt die Nachtarbeit bei Amazon.

Mitleserin: ich freue mich sehr über Reaktionen zu meinem Tagebuch. Auch kritische Anmerkungen nehme ich gerne an. Es ist immer gut auch mal mit einem anderen Blick darauf zu schauen. Und vor allen Dingen eigene Erfahrungen einzubringen. Das nehme ich gerne auch für meinen Integrationstalk auf.

Die Neuankömmlinge sollen auch wissen, was wir denken, was uns unangenehm aufstößt und was wir gar nicht verstehen können. Aber alle können wir von den unterschiedlichen Kulturen lernen. Nur weil sich Menschen anderer Kulturen auch anders verhalten, sind sie nicht weniger wertvoll. Eine Gegeneinanderaufwiegen sollten wir vermeiden.

Ich schätze es sehr, was ich inzwischen alles lernen konnte. Und wie man mit Situationen zurechtkommt, wenn man an seine Grenzen stößt.

Es ist wichtig darauf hinzuweisen, dass ich fast ausschließlich mit Menschen zusammenkomme, die Interesse an unserer Sprache und an der Integration haben. Da bin ich sicher in einer glücklichen Position. Der Sprachunterricht und die Teilnahme am Integrationsgespräch ist ja freiwillig. Da kommen Menschen, die hier in Deutschland was erreichen wollen.  Das wird schwer genug werden und viele Jahre dauern. Ich habe immer Angst, dass es zu lange dauert und dann auch nach Wegen um Geld zu verdienen gesucht wird, die außerhalb der Legität sind. Verständlich, aber nicht akzeptabel.


Als ich die Gruppe sich prügelnder Migranten getrennt hatte, kannte ich ja nur einen, aber alle haben sich anständig mir gegenüber verhalten.

Auch so manchen Radlraudi habe ich schon angesprochen und ihn gebeten, dass nicht zu wiederholen. Sie  waren bisher alle glücklich, dass sie "nett" angesprochen wurden und versprechen Besserung. Manchmal treffe ich sie wieder - und dann geht der Daumen hoch, weil sie sich richtig verhalten. Dafür bekomme ich immer breites Grinsen.

Als ich gestern die beiden Jemeniten verarbschiedet habe, haben sie noch mal betont, dass sie sich in Waldkraiburg sehr wohl und sicher gefühlt haben.

Ein großes Lob für eine Stadt, die ICH nicht so mag. Aber auch ich fühle mich hier sehr sicher, dass ich mich nicht wohlfühle, liegt wohl daran, dass ich gerne wieder in SH wohnen würde.