Ehrenamt-Tagebuch- Teil 17

14.02.2020

Heute habe ich wegen des jungen Mannes aus Sierra Leone, der so große psychische Probleme hat, von seiner Caritas-Betreuung die Mitteilung bekommen, dass er für  den jungen Mann einen Termin bei einer wunderbaren Psychiaterin/Therapeutin bekommen hat. Er kann vielleicht auch einen "Betreuten Platz" für ihn bekommen. Diese Therapeutin kann ihn auch dann in Zusammenarbeit mit einem Anwalt vor dem Gericht vertreten.

Am Abend habe ich mich dann mit H. aus Uganda bei mir getroffen, wir wollten Bestellung bei Solling machen. Da ich keine Zeit zum Kochen hatte, sind wir hinterher Pizza essen gegangen.

Ich schon Klasse, wenn ich "Alte" mit einem so gut aussehenden jungen Mann zum Essen gehe. Nur kein Neid.

15.02.20

Ich habe mich am Wochenmarkt mit meinem "Enkel" (Sierra Leone) getroffen. Danach geht es dann immer ins Cafè. Er hatte mir schon vorher einen Brief von der  Regierung von Oberbayern zu kommen lassen,  dass er am 3.3. für 4 Wochen nach Geretsried ziehen muss,  weil die Gemeinschaftsunterkunft renoviert wird. Das geht nicht, er hat ja hier seine Arbeit und die Berufsschule. Geretsried ist gut 100 km weit weg. Ich habe mich dann bei einer Flüchtliungsorganisation schlau gemacht. Da kann man dagegen angehen, sie müssen auf solche Leute Rücksicht nehmen. Ich hatte das dem Arbeitgeber weitergeleitet. Da hat man sich gleich des Problems angenommen und jetzt muss er für die 4 Wochen in einen anderen Ort hier im Landkreis. Das  ist ok. Aber kann man das nicht gleich richtig machen. Kein Wunder, wenn Arbeitgeben keine Flüchtlinge wollen. Bei uns weiß die rechte (!?) Hand nicht,  was die linke tut, oder will es nicht wissen. so viel gesch... vergeudete Zeit.

Am Abend habe ich dann erfahren, dass H. aus Uganda sich ein Auto gekauft hat. Na da können wir vielleicht mal zusammen die anderen besuchen, die jetzt überall in Bayern verstreut sind.

18.02.20 - Internetklassenzimmer

Ein neuer aus Tunesien. War interessant, wir haben gemischt französisch und italienisch gesprochen. Gut für mich,  weniger für ihn. Insgesamt kommen zu wenig Leute. Liegt aber auch vielleicht daran, dass unser Ankerzentrum mehr bietet als  andere. Für Leute unter 25 gibt es jeden Tag Unterricht in den Berufsintegrationsklassen. Für die älteren gibt es eine Warteliste.

Dann bietet das Camp auch immer wieder eine Menge Ehrenämter an. Einige dürfen auch in die Kreisstadt zum Integrationskurs. ist jeden Tag und dauert 6  Monate.


Dann habe ich leider erfahren müssen, dass mein Sorgenkind aus Sierra Leone wieder in die Psychiatrie kam. Ein Glück. dass sich der junge Mann von der Caritas sich um ihn kümmert. Ich bin ja zu weit weg. Es bestand Gefahr eines Suizids. Es ist ja auch ein großes Problem, dass wir nicht genug GUTE Psychiater haben und viele haben keine Termine frei.

S. war schon seit 4 Wochen aus der Psychiatrie raus und sollte sofort zu einem Psychiater gehen,  damit die Medikamente neu eingestellt werden. Einen Termin hat er erst für März bekommen. Vielleicht hätte man die neue Einweisung bei richtiger Medikation vermeiden können.

19.02.20 - Treffen mit einer Kollegin aus Mühldorf - Erstellung eines Ratgebers für Geflüchtete, die hier bereits dezentral wohnen dürfen

Ich steuere Tipps usw. bei, die Kollegin bereitet das mit Bildern wunderschön auf und übersetzt alles ins Englische. Im Sommer sollten wir damit fertig sein.

Integrationstalk 20.02.2020

es waren da: 2 x Sierra Leone, 1 x Tunesien, 7 x Jemen. So nach und nach verschwinden die Jemeniten, sie bekommen jetzt zügig ihre Transfers.

Blöd ist, dass sie immer so nach und nach kommen. Meist warte ich erst mal bis 16 Uhr - in der Zwischenzeit gehe ich auf Fragen der schon anwesenden ein.

Themen:

Wieder ein Thema: Warum bekommen Leute, deren Miete vom Jobcenter bezahlt würde, keine Wohnungen.

1.      Es gibt kaum Wohnungen

2.     Wer vom Jobcenter das Geld bekommt ist Geringverdiener - sind nicht so beliebt

Dann hatte ich gemerkt, dass sie die Abkürzungen in den Wohnungsanzeigen nicht verstehen. Ich habe so einiges zusammengestellt und per Whatsapp zugesandt und auch besprochen.

Ich bin auf das Problem gestoßen als mir ein Afghane geschrieben hat, er hätte da eine Wohnung und ob ich mir die Anzeige mal ansehen könnte. WG!!!! Das ist keine Wohnung, sondern eine Wohngemeinschaft und die Miete bezog sich auf ein Zimmer. Küche und Bad sind mit anderen zu teilen.

Dann darauf hingewiesen, dass Wohnungen nicht möbliert sind, d.h. sie brauchen auch Möbel. EBK = Einbauküche und muss oft abgelöst werden.

Über Whatsapp habe ich ihnen auch Lohn/Gehaltabrechnungen zukommen lassen und besprochen. Von einem Mindestlohn von 9,50/Stunde können sie nicht leben.

Viele vergessen, dass sie nach einem Transfer sofort das BAMF benachrichtigen müssen, dass sie den Transfer vollzogen haben. Frist: 14 Tage

Auch der Anwalt muss die neue Adresse wissen. Bank, Gläubiger (gibt es leider) sollten auch über die neue Adresse Bescheid wissen.
Ich möchte sie von Integrationstalk-TN auch gerne wissen.

Dann haben wir über das Attentat in Hanau gesprochen. Bei allen hieß es sofort, das ist die AFD - sie sind recht gut unterrichtet. Einhellige Meinung allerdings war: in ihren Ländern ist es
viel gefährlicher. Trotz so einer Tat bleiben sie lieber hier, ist für sie kein Grund Deutschland zu verlassen.

Von einer Freundin hatte ich Kleidung und Spielzeug bekommen. Das Spielzeug - Teddybären und ein Häschen - haben sich die jungen Männer genommen. Die beiden Kartons mit Kleidung werden sie verteilen, Sahar kümmert sich darum.

Leider konnte ich wieder nicht alle Themen, die ich mir vorgenommen hatte, ansprechen. Zumal sie meist auch nicht bis 17 Uhr bleiben, sondern früher gehen.

Fast alle Jemeniten kommen aus dem Nordjemen = Rebellengebiet der Huthis. Wenn Du da nicht mit machst, lebst Du nicht lange. Also nichts wie weg. Im Süden wird Dir dann unterstellt, dass du doch mit den Huthis kooperiert hast, das kann auch tödlich sein, also nichts wie weg. Es ist ein Mann dabei, der aus diesem Grund schwere Schussverletzungen hat. Durfte ich mir ansehen als er einmal bei mir zu Hause war.

Schön war, dass ein Jemenit, der jetzt in Mettenheim wohnt, auch gekommen ist. Er wäre gerne am Samstag mit zum Faschingsumzug gekommen, aber samstags und sonntags fahren keine Busse nach Waldkraiburg. Fahrrad hat er keines.

Die junge Frau, die uns im Sprachkurs hilft,  blieb dann noch bis 19 Uhr, weil sie mit mir nur Deutsch sprechen will. Im OVB war ein Artikel "Kultur im Wandel" - Schüler aus
dem Landkreis Mühldorf hatten sich des Themas gerade in Bezug auf Migration angenommen.

Es gibt keine Deutsche Kultur, es sind ja schon die Unterschiede zwischen Bayern und Schleswig-Holstein enorm. Und durch unsere Zugroasten aus aller Welt hat sich so viel tolles neues ergeben.

Für meine Großmutter aus Berlin war der Umzug (1938) nach Bayern (damals war ja Waldkraiburg nur ein Munitionswerk mit ein paar Häusern.
Zum Einkaufen ist sie einmal in der Woche nach Kraiburg gelaufen hin und zurück 8 km) ein Kulturschock, den sie gut gemeistert hat. Und nie wieder weg wollte. Das war
für die junge Frau sehr interessant

Unverständlich, wie man mit der Bayerischen Tracht rumlaufen kann und dann der zur Schau gestellte Busen. Haha. Das nennt man "Holz vor der Hütten" und gibt gerne damit an. Ob ich das auch mache? Nein, mir fehlt das Holz. Fand sie lustig.

Auf das Thema "die Katze im Sack kaufen" kamen wir, weil sie wissen  wollte, warum wir Frauen mehrere Männer haben und um gekehrt und auch schon vor der Ehe intim werden.

Was es denn für eine Strafe gibt, wenn eine Frau ihren Mann betrügt? Es sollte keine geben, eine Scheidung ist möglich, man kann sich aber auch wieder vertragen und verzeihen.

Im Jemen kann der Mann die Frau dafür töten. Es sind Welten, die hier zusammen finden müssen.

Das sind Dinge, die will sie nur mit mir alleine besprechen. Unser Leben ist in diesem Bereich sehr sehr befremdlich für sie.

22.02.2020 - Faschingszug

war schwierig mit dem Treffen. Gekommen sind die beiden Frauen, auf die ich mich fast immer verlassen kann und die beiden Männer aus Sierra Leone. An den Gesichtern habe ich gesehen, dass da doch so einiges sehr befremdlich für sie war. Am meisten Spaß haben ihnen die Männer gemacht, die als "Araber" verkleidet waren. Was das für Kostüme sind wollten sie wissen. Araber! Das war ein Gelächter, so läuft kein Mann bei ihnen rum. Viele der Faschingswagen waren Bayerisch beschriftet. Aber bei dem Krach war es mit nicht möglich eine verständlich Erklärung rüber zu bringen. Wir sind dann so noch ein bisschen rum gelaufen. Ich habe so viele junge Neuankömmlinge getroffen, aus den Sprachkursen, aus der Zeit in der Schule, aus dem Integrationstalk, manche kannte ich einfach von Straße. Waldkraiburger habe keine getroffen, bzw. die haben mich nicht interessiert.

Von meinem "Enkel" habe ich den Fussballtrainer gesprochen, ich kannte ihn vom Sehen. "Hallo Sie sind  doch der Trainer von meinem Enkel"? Große Augen. Wirklich I. ist Dein Enkel?

Der Trainer spricht auch schräges Deutsch und so habe ich gefragt wo er herkommt. Er ist eine bulgarisch-rumänische Mischung. Er stand in einen Pulk von Bewohnern aus dem Ankerzentrum, die alle, so lange sie hier sind, bei ihm trainieren. Irre.

24.02.20 - Mein psychisch-kranker junger Sierra Leoner ist aus der Psychiatrie entlassen worden. Hoffentlich schafft er die Zeit außerhalb.

25.02.2020 - Internetklassenzimmer

es waren mehr Kinder als Erwachsene da. Mir wäre es lieber, wenn so viele Erwachsene da wären, dass wir keinen Platz mehr für die Kinder hätten. Sie dürfen ja alle in die Schule gehen und sie lernen auch nicht an den Laptops, sondern schauen Videos. Dieses Mal war ein kleines Mädchen da, das so herzlich lachen konnte. So lieb.

Da ich diesen Kurs ja nicht alleine betreue, nutze ich diese Gelegenheit immer zur Beratung. So dieses Mal ein Jemenit, der in Würzburg studieren will, aber pro Semester 5000 Euro bezahlen soll. Wovon bitte? Ich habe jetzt erst mal mit ihm geklärt, ob er überhaupt auf seinen Flüchtlingsstatus hingewiesen hat - nein hat er nicht. Es gibt für Flüchtlinge ein Extra-Programm. Da muss die UNI das aber wissen. Dann stellte sich heraus, dass er vom BAMF noch gar nicht seinen endgültigen Bescheid hat, der braucht er aber, damit er eine Aufenthaltserlaubnis bekommt, arbeiten bzw. studieren darf. Da können wir im Moment also noch nichts machen. Am Dienstag der kommenden Woche kommt der Bayer. Flüchltingsrat, da kann er auch noch mal fragen.

Bayer. Flüchtlingsrat ist ja eine NGO, beim Staat nicht gerade gern gesehen. Die Leitung vom Ankerzentrum hat es da nicht leicht, umso schöner, dass sie den Besuch der Veranstaltung nicht unterbindet.

27.02.2020 Da hat mich ein Mann aus Sierra Leone besucht, der ein Schreiben von der Bayer. Regierung auf Englisch erhalten hat, genauso verschwurbelt wie im Deutschen.

Er ist ja englischsprachig, hat aber nicht verstanden, was da steht. Es ist schon verrückt, dass ich mit meinen doch eingeschränkten Englischkenntnissen so was erklären muss.

Wahnsinn. Dann können sie es gleich auf Deutsch schreiben.

28.02.2020 - Integrationstalk

Wir haben über den Faschingszug gesprochen und wie unterschiedlich war darauf geschaut haben. Ich habe Bilder gemacht und Kareem auch. Man kann kaum erkennen, dass wir auf derselben Veranstaltung waren. Hängt allerdings auch ein bisschen damit zusammen, dass sie die Beschriftungen nicht lesen können. Leider konnte uns Kareem dazu nichts sagen, weil er nicht da war.

Sie hatten auch im Fernsehen einiges über die Rosenmontagsumzüge gesehen, speziell den Angriff auf Teilnehmer in Nordhessen.

Dadurch kamen wir auch noch mal auf Hanau zu sprechen. Beim letzten Talk waren die TN der Meinung, dass es hier immer noch ungefährlicher ist als in ihren Ländern. Dieses Mal war aber ein Jemenit dabei, der ganz anderer Meinung war. Er ist aus dem Jemen nicht wegen des Krieges geflohen, sondern wegen persönlicher Angriffe auf ihn. Und jetzt muss er hier wieder mit so etwas rechnen. Hier wurden ja auch Deutsche angegriffen, also eigene Leute, genauso wie es ihm im Jemen ergangen ist.

Ich  konnte ihm aber kein sicheres Land als Deutschland nennen.

Dann haben wir über den Unterschied, bzw. Nicht-Unterschied zwischen Fastenzeit und Ramadan gesprochen. Er ist nicht allzu groß. Ramadan wird ziemlich strikt befolgt, was zu Schwierigkeiten hier in Deutschland führt. Fastenzeit ist mehr zu einem Lifestyle verkommen. Mir aber sowieso egal. In Afrika (Sierra Leone) ist der Ramadan nur ein kleines Thema. Religion hat hier keinen so großen Einfluss wie im arabischen Raum.

Das Thema hat aber unter meinen Schützlingen zu großen Diskussionen geführt, die ich leider nicht verstanden habe.

Ich bin dann noch mal auf das nötige Einkommen eingegangen. Viele Deutsche haben einen Zweitjob, weil sie vom ersten nicht leben können. Das hatten sie auch schon gehört, aber nicht geglaubt.

Corona-Virus: Hygiene beachten, Hände waschen, auf Hand geben, liebevolle Umarmungen und Bussis verzichten. Und noch mal Hände waschen. Nach jeder Türklinge, jedem Einkaufswagen.

Es waren 2 Pakistani da. Mit einem konnte ich mich gut unterhalten. Er ist seit September 2015 in Deutschland. Spricht einwandfrei Deutsch, hat B2 und kann noch 5 andere Sprachen. Er ist 2015 zu Fuß nach Deutschland gekommen. Hat aber keinen Daueraufenthalt für Deutschland bekommen. Er hatte schon 1 ½ Jahre bei Amazon  gearbeitet und 1800 Euro netto
verdient. Musste er aufgeben, weil er  an einen anderen Ort verlegt wurde. Er ist dann aus Ärger nach Italien gegangen, gut nur für die Sprachkenntnisse - man hat ihn wieder nach Deutschland zurück geschickt und jetzt hängt er hier im Ankerzentrum fest. Er hilft da als Dolmetscher.

S. und ich haben ihn dann gefragt, ob er sich eine Mitarbeit im Klassenzimmer vorstellen kann. Er denkt darüber nach.

Ich möchte ihn auch bei meinem Kollegen unterbringen. Er wollte C1 machen, darf er aber bei seinem jetzigen Aufenthaltsstatus nicht.

Der Mann S.M. aus Sierra Leone hat mir schon zugesagt, ich hoffe es bleibt dabei, er ist schon älter, was bei den Kindern zu Respekt führt.

Danach sind S. und der Pakistani noch zum Deutsch sprechen da geblieben. S. braucht Hilfe beim Kontakt zur UNI in Hamburg, sie kommt Montag Vormittag zu mir. Auf jeden Fall wird sie wohl die nächsten Monate ein Praktikum bei einem Arzt hier in Waldkraiburg machen. Sie hatte sich schon mal in einer Klinik vorgestellt, wäre auch genommen worden, wenn sie während der Arbeit auf das Kopftuch verzichtet hätte. Das kann sie nicht, dann fühlt sie sich nackt. Der Pakistani - auch Muslim - hat dann eingeworfen, dass sie doch gewusst haben muss, dass es in Deutschland anders läuft, zumal sie ja schon 2  Jahre in Leipzig gearbeitet hat. Er konnte ihre Einwände nicht verstehen. Keine Frau muss ein Kopftuch tragen. Ja, das weiß sie auch, aber sie will es.

02.03.2020

Gerade war die junge Jemenitin da - studierte Krankenschwester - beglaubigte Zeugnisse, Bachelor-Abschluss - alles liegt vor. 2 Jahre hat  sie schon in Leipzig gejobbed. Arbeitserlaubnis hat sie auch. Sie möchte aber gerne weiter studieren - Gesundheitsmanagement. Sie fängt demnächst mit einem mehrmonatigen Praktikum bei einem Arzt hier an.

Ohne jede Bezahlung. Und jetzt kann es daran scheitern, dass sie eine Unfallversicherung braucht, die aber weder das Jobcenter noch der Arzt bezahlen wollen.

Wir haben jetzt die UNI angeschrieben und gefragt, was sie alles für den von ihr erwählten Studiengang im Herbst noch braucht. Mal sehen, was wir für eine Antwort bekommen.

Sie hat auch die erforderlichen Deutschkenntnisse.

Sie müßte sich eine Wohnung in Waldkraiburg suchen, aber für ein paar Monate macht das keinen Sinn, abgesehen davon, dass der Wohnungsmarkt im Moment leer ist.

Also muss sie im Camp fürs Essen monatliche 140 Euro bezahlen. Sie versteht nicht so recht, warum sie das bezahlen muss, auch wenn sie nur eine Mahlzeit pro Tag einnimmt.

Wenn die Verwaltung anfangen würde, diese Ausnahmen zu beachten, wäre das zu viel Arbeitsaufwand. Ich denke, sie hat es verstanden.

Sie hat mir ein Alpenveilchen und eine dunkle Schokolade mitgebracht. Das will ich nicht noch mal - gefreut habe ich mich aber trotzdem.

03.03.2020 - Informationsveranstaltung der Bayerischen Flüchtlingsrates. Ich wurde vor einiger Zeit vom Flüchtlingsrat angesprochen, ob ich das nicht organisieren könnte, da ihre Schreiben an den Arbeitskreis Asyl nicht beantwortet wurden. Ein Flüchtling aus dem Camp hatte sie an mich verwiesen und gemeint, dann würde es schon was werden. Und das wurde es

ich denke, es war sehr erfolgreich, wenn auch anstrengend..Geschätzte Teilnehmer 60.

Erst gab es wichtige Informationen in Englisch, Arabisch und Dari, leider nicht in Deutsch und/oder Französisch - wurde von einigen angemahnt.

Dafür wurden 3 Sprachgruppen gebildet. Zur Dari-Gruppe - Frauen aus Afghanistan wurde ich hinzugebeten. Es stellte sich heraus, dass sie nichts vom Integrationstalk wussten und auch nur einige über den Computersprachkurs informiert waren. Schade.

Und um eine Gruppe aus Sierra Leone habe ich mich auch gekümmert. Hier bin ja aus leidvoller Erfahrung schon sehr gut informiert.

Getränke, Gebäck und Obst wurden restlos verzehrt.

Ab ca. 16 Uhr wurde zu Einzelgesprächen geladen. Wurde sehr gut angenommen, ich hatte ja alle informiert, ihre Papiere mitzubringen. Sie hatten mir bestätigt, dass ich sie bisher auch sehr gut informiert und unterstützt hatte. Ich stehe ja auch schon lange mit sämtlichen Flüchtlingsorganisationen in Kontakt.

Um 18 Uhr haben wir Schluss gemacht, wurden aber im Flur noch mal mit Fragen gelöchert. So wurde es dann 18 Uhr 30.

Langer Tag für eine Alte - 12 Uhr 15 bis 18 Uhr 45 (endlich daheim - und soo hungrig) - habe mir dann ein Pils gegönnt.. Aber auch die jungen Leute aus
München waren fertig.

Sie und einige Zuhörer und ich waren der Meinung, dass wir das öfters im Jahr machen sollten. Gerade im Hinblick auf den ständigen Wechsel im Ankerzentrum

Die junge Jemeniten, die gestern bei mir war,  hat mir dann erzählt, dass sie das Praktikum in der Arzt-Praxis  nicht machen darf - abgesehen davon, dass sich sowohl das Jobcenter
als auch der Arzt  weigern, die Unfallversicherung zu übernehmen. Das Jobcenter hat gesagt, dass sie ein Praktikum nur in einem Krankenhaus machen darf.

Unser 2. Bürgermeister und Chef des Arbeitskreises Asyl hatte mir mal angeboten, hier behilflich zu sein. Mal sehen, ob er das noch weiß.

 

Was mich sehr enttäuscht hat war, dass sonst niemand aus dem AK Asyl (aus dem Klassenzimmer) gekommen ist, bzw. Interesse gezeigt hat. Davon gewusst haben sie es. Schaaaade.

Zum Glück war die Lehrerin aus der Berufsintegrationsschule da - ihr Kollege allerdings  auch nicht. Sie hatte mich auch sehr unterstützt, damit wirklich viele ihre Schüler kommen.

04.03.2020

Der gestrige Tag war nach meiner Meinung und auch nach Meinung des Flüchtlingsrates ein Erfolg.

Ich denke gerade darüber nach und mache mir schon mal Notizen, was wir verbessern können. Ich werde morgen beim Integrationstalk noch mal meine Schützlinge fragen, wie sie es empfunden haben und was sie gerne geändert hätten. Sie selbst werden nichts mehr davon haben, denn der Wechsel ist hier ja doch recht schnell. Und sooo schnell werden wir es nicht wieder abbieten, vielleicht in 3 Monaten wieder.


05.03.2020 - Integrationstalk

Corona - Corona. Nach einiger Zeit konnten wir dann anfangen.

Heute war Frust ablassen angesagt. Bei mir, weil so wenige da waren. Am Dienstag hatten mir noch mindestens 15 Leute versprochen zu kommen. "Wir wussten ja nichts davon". So vergessliche Leute von Dienstag bis heute.

Bei den Teilnehmern war es ihre Situation und die Anwälte

Der Dienstag war aber bei denen, die heute und auch am Dienstag da waren, gut angekommen. Schön  zu hören: Eva fast alles wussten wir schon von Dir.

S. hatte sich beim Flüchtlingsrat über das schlechte Essen beschwert. Sie hat eine Adresse bekommen, wo sie  das melden kann. Ich wollte das nicht  so stehen lassen. Ich glaube nicht, dass das Essen schlecht ist. Es ist anders. Die Küche im Camp kann nicht auf alle Nationalitäten eingehen und wenn die Qualität stimmt, ist es ok. Der Geschmack der einzelnen muss nicht getroffen werden. Es fehlen ihnen (allen) gute Gewürze. Das kann ich mir allerdings vorstellen.

Sie sind aber der Meinung gewesen - die paar, die da waren - dass der Dienstag wiederholt werden sollte und zu einer Dauereinrichtung werden sollte. Vielleicht für Mai noch mal ins Auge fassen.

Dann hatte mir ja Leiterin des Ankerzentrums einen  jungen Mann aus Nigeria geschickt, damit er einen entsprechenden Deutschkurs bekommt. Der hat erst mal erzählt, was er alles nicht toll findet. Vor allen Dingen hat er sich über die geldgierigen, aber inkompetenten Anwälte beschwert. Ersteres mag sein - die Gebühren haben sich fast verdoppelt - , aber alle als inkompetent zu bezeichnen, wollte ich nicht stehen lassen. Anwälte können unsere Gesetze nicht brechen. Ich habe auch noch mal darauf hingewiesen, dass sie bei den Interviews
immer das gleiche, möglichst wahre, erzählen sollten.  Sie waren sich aber alle einig, dass  viele Anwälte wirklich nicht gut sind. Sie sprechen ja aus Erfahrung. Sie  bieten keine Termine an. Alles geht einfach so. Nur die Rechnung findet immer ihren Weg. Allerdings so bald eine Abschiebung kommt, bekommt der Anwalt kein Geld mehr,

A. war am Dienstag bei einem Anwalt in Regensburg und der hat ihm bestätigt, dass unsere Zertifikate und Bestätigungen sehr wichtig sind, sie könnten mal das Zünglein an der Waage sein.

Und jetzt kommt was - liebe Damen bitte weg lesen. Der junge Nigerianer meinte dann, dass viele Anwälte keine "Eier in der Hose" hätten. S. wollte wissen, was das bedeutet. Ich habe sie auf später vertröstet, wenn wir beide alleine sind. Die Erklärung hat sie sprachlos gemacht. Sie ist aber nicht rot geworden (als Krankenschwester). Ehrenamt verlangt schon so einiges.

Sie hat dann angeschnitten, dass viele Neuankömmlinge schon lange in Deutschland leben, sehr gut Deutsch sprechen, ihr eigenes Geld verdienen, alleine für ihre Familien sorgen und dann doch das Land verlassen müssen. Das ist so, gerade für Kriegsflüchtlinge. Sobald der Krieg zu Ende ist, müssen viele wieder zurück. Siehe die Balkan flüchtlinge. Es sind noch einige da, aber viele müssen immer noch zurück. Sie können dann einen Antrag stellen und als Arbeitsmigranten wieder nach Deutschland kommen. Kopfschütteln.

Ein großes Thema war die Situation in Idlib, der Türkei und an der Grenze zu Griechenland. Warum sind die EU-Länder so hart und vor allen Dingen auch Deutschland. Tja da hapert es halt auch an der Solidarität.

Der Wohnungsmarkt war auch ein Thema - mittlerweile glauben sie mir, dass auch für Deutsche zu wenige Wohnungen zur Verfügung stehen.

Dann eine Bitte von mir: Bitte Handy aus, wenn sie hier im Talk sind. Sie daddeln während ich spreche. Vielleicht sollte ich es singen. Aber dann laufen sie gleich davon.

 

m Montag nimmt Sh.  den Nigerianer und einen Pakistani mit zu meinem Kollegen für B1 bzw. B2


Apropo - Nigerianer: Mal darüber nachgedacht? Schwarzarbeit, Schwarz fahren, Schwarz sehen, schwarz ärgern,  in ein schwarzes Loch fallen, das Spiel "wer hat Angst vor dem schwarzen Mann"? Er war richtig verzweifelt darüber

10.03.2020 - Computerklassenzimmer

es war nur ein armseliges Häufchen da. 2 x Sierra Leone, wobei der ältere als Ehrenamtler den Kurs mit betreut. 1 junges Mädchen aus Afghanistan und 2 Buben aus Afghanistan.

Von den Jemeniten haben viele ihren Transfer bekommen, die müssen in den nächsten Tagen weg. Sie sind nicht sehr glücklich darüber. Hier im Ankerzentrum haben sie 1- oder 2-Bett-Zimmer, in den Gemeinschaftsunterkünften sind es so zwischen 6 und 10, oder es sind Miniräume im Container für 2 Personen. Alles kein Highlight.

Heute waren andere Leute bei den Sicherheitsleuten und durchaus höflich - geht doch

11.03.2020 - Abschied von 2 jemenitischen Schützlingen

Sie haben ihren Transfer für heute nach Pegnitz, LK Bayreuth bekommen und wollten sich gestern noch verabschieden. Also habe ich Apfelstrudel und Minikrapfen besorgt.

Es war ein schöner Nachmittag und sie haben mir ein Zertifikat überreicht: Von International Organization for Devolpment and Human Right. To honor Mrs. Schnitker for her efforts to serve refugees in Germany and to facilitate all obstacles they face. Und eine wunderschöne Rose habe ich auch bekommen.

Wir werden uns sicher mal in Bamberg treffen. Da habe ich Freunde und so könnte ich das verbinden. Sobald der Corona-Wahn vorbei ist, werde ich es in Angriff nehmen.

12.03.2020 - Integrationstalk

War zum Teil enttäuschend.

Positiv: eine Jemenit, der in den Nachbarort verlegt wurde, hat mal kurz vorbei geschaut. Leider bekommt er die Busfahrt nicht bezahlt und so kann er das nicht oft machen.

Er hatte einen Zimmergenossen aus Afghanistan dabei. Ist schon 5 Jahre da, sprich sehr gut deutsch, darf aber nicht arbeiten. Alle erforderlichen Papiere bis auf den fehlenden Pass hat er vorgelegt. Er hat Praktika gemacht, könnte auch eine Ausbildung machen, bekommt aber keine Erlaubnis

Negativ: Dann hatte ich einige Leute angeschrieben, dass sie unbedingt ihre Urkunden abholen sollen. Einer ist trotzdem nicht gekommen, obwohl er zugesagt hatte.

Die Urkunden sind laut Aussage eines Anwaltes durchaus hilfreich. Wir führen da nicht nur auf, dass sie am Sprachprojekt teilgenommen haben, sondern auch, was sie sonst noch für Integration getan haben. Z.B. Betreuung des Sprachprojektes, Teilnahme an  den Stadtspaziergängen, öffentlichen Veranstaltungen und in was sie sich sonst noch so eingebracht haben.

Bis auf den Mann aus Sierra Leone, sind sie wieder verschwunden, nachdem die Urkunden überreicht waren. Man war ich sauer. Dafür bin ich mal wieder pünktlich nach Hause gekommen.

Ich habe die Oberhäuptlinge gefragt, ob wir vorübergehend unsere Angebote einstellen, aber noch keine Antwort erhalten. Theater für heute Abend wurde auch abgesagt. Schulen bleiben 5 Wochen geschlossen.


14.03.2020 - ich war mit meinem sierra-leonischen Enkel an seinem heutigen Geburtstag in Mühldorf beim Thai zum Essen. Meine Schwester und ich haben ihn in seiner derzeitigen Unterkunft in der Nähe von Mühldorf abgeholt. Hinterher haben wir uns noch am Stadtplatz für einen Cappuccino in die Sonne gesetzt. Er hat gestrahlt, auch wenn das Essen für ihn ungewohnt war. Meine Schwester hat ihm eine Decke und einen Marshmellow-Lolly geschenkt. Mein Geschenk war das Mittagessen und der Cappuccino für uns alle drei. Wenn er wieder in Waldkraiburg ist, bekommt er noch eine gutes Olivenöl von Deligreece und Kurkuma

15.03.2020 - wir sind ja eine Gruppe Sprachpaten und beaufsichtigen das Computerklassenzimmer. Gestern bin ich wütend geworden, hat doch nicht einer/eine Fake News verbreitet.

Mensch Leute - schaltet das Hirn ein.

Gestern waren ja Wahlen - ich habe je nach Art 3 verschiedene Parteien gewählt, immer den/die, die das meiste für Flüchtlinge getan hat oder tut. Zum ersten Mal eine Partei, die ich noch nie gewählt habe und zum ersten Mal nicht die Partei, die ich immer gewählt habe.

17.03.2020

Ich habe home office gemacht. Von 9 Uhr bis 21 Uhr. Ich habe alle meine Schützlinge über fast alles informiert, damit sie nicht fake news aufsitzen. Alles was ich an Informationen vom Bayer. Flüchtlingsrat in vielen Sprachen bekommen hatte.

Auch an unserem Ratgeber haben wir weiter gearbeitet und hoffen, dass wir finanziell untersützt werden. Der Antrag geht morgen raus. Die Druckkosten sind doch sehr hoch.

18.03.2020

Heute habe ich das fortgesetzt und Zeitungsausschnitte versandt, welche Geschäfte offen bleiben und welche ab heute geschlossen sind. Ging durch ganz Bayern. Sie sind ja mittlerweile alle verstreut in Bayern.

Meine Schützlinge hier darf ich ja auch nicht sehen. Ich vermisse sie alle sehr.

Ratgeber: auch hier waren noch einige Verbesserungen nötig. Aber der Antrag ist rechtzeitig raus- deadline war heute.


20.03.2020 - siehe Corona

21.03.2020

Ein Schützlung aus dem Ankerzentrum, der vorige Woche verlegt wurde, hat ein Schreiben von der Regierung von Oberfranken bekommen, dass man erfahren hätte, dass er die Monate im Ankerzentrum kein Geld bekommen hätte (ist leider üblich bei Dublinfällen, auch wenn es sich, wie bei ihm um politische Verfolgung handelt). Er ist immer wieder zur Leitung des Ankerzentrums und hat um Geld gebeten, aber nichts bekommen. Wir haben versucht es einzuklagen, aber bisher noch nichts gehört. Jetzt wollen sie wissen, ob er eigenes Geld hatte oder wer ihn unterstützt hat.

Was glauben die denn, wie er es hinbekommen hat? Es gibt zum Glück immer noch Ehrenamtler, die hier helfen. Essen hat er ja im Ankerzentrum, aber vieles andere ist nicht möglich.

Die Freunde im Ankerzentrum haben geholfen, beim gemeinschaftlichen Kochen in unserer Ehrenamtsküche durfte er mit essen, ohne sich an den Kosten zu beteiligen.

Es ist wirklich zum Haare raufen.

24.03.2020

Ich habe gestern eine Whatsapp bekommen, in der mich ein Schützling aus dem Jemen, der vor Monaten in den Landkreis Freising verlegt wurde, in der mich bittet, doch heraus zu bekommen, wo er sich helfend engagieren kann. Er möchte gerne etwas zurück geben. Um ihn und seine Frau kümmert sich normalerweise die Diakonie in Freising und so habe ich den Mitarbeiter dort angeschrieben. Das Schulterzucken hat mich schon etwas verärgert, zumal ich auch Vorschläge gemacht habe, was wohl möglich wäre. Aber das wäre wohl Arbeit. Es wird alles abgebügelt " kein persönlicher Kontakt". Ich habe noch einmal Vorschläge gemacht und hoffe nun auf positive Antwort.

"ich bin Ehrenamtlerin in Waldkraiburg und habe hier Herrn Al Shameri bei meinen Integrationskursen kennen gelernt. Wir sind im Laufe der Zeit Freunde geworden.

Er hat mir nun gesagt, dass er gerne als Ehrenamtler in dieser Corona-Zeit helfen möchte. Ihm ist es egal als was. Er kann ja wunderbar zeichnen. Ich hätte da eine Idee, sie
geben ihm Bilder von Enkeln und er malt sie dann als Bleistift-Zeichnung und diese Bilder werden dann den Großeltern überreicht. Später kann man daraus vielleicht mal eine kleine Ausstellung machen. Das kann man ja alles ohne engen Körperkontakt machen. Er selbst schreibt: Mein Job war im Bereich Fahrzeugmodifikation und ich kann bei jedem Job putzen oder helfen. Ich finde, so ein wunderbares Angebot sollte man nicht unbeachtet lassen."

nachdem dann nur als Antwort kam, dass er mal in Facebook-Gruppen schauen sollte, habe ich folgendes geschrieben:


" Gibt es denn nicht ein Krankenhaus, das  über jede helfende Hand froh wäre?

Bei den Bildern dachte ich, dass Sie vielleicht ältere Gemeindemitglieder haben, die im Moment auf den Kontakt zu ihren Enkeln verzichten müssen und sich über ein kleines Bild freuen würden. Die Bilder könnten mit Angabe des Namens und der Adresse bei Ihnen in den Briefkasten geworfen werden und dann auch wieder bei den Empfängern eingeworfen
werden. Die Bilder könnten Sie Herrn Al Shameri auch über Whatsapp zu kommen lassen und auf demselben Weg könnte er sich an Sie  zurücksenden.

Vielleicht haben Sie ja noch mal eine Idee, was Herr Al Shameri machen könnte. Er möchte so gerne etwas zurückgeben. Er  und seine Frau sind ganz wunderbare Menschen."


Inzwischen hat man sich bei ihm für das Angebot bedankt und auf Whatsapp verwiesen. Mein Schützling hat ja keinen Whatsappkontakt zu alten Deutschen Menschen. Das geht nur über Institution wie eben die Diakonie. Die Kirche muss doch Kontakte zu Seniorenheimen haben

Es ist manchmal zum Verzweifeln.

28.03.2020

Leider habe ich dem hilfsbereiten Jemeniten noch nicht helfen konnte. Es gibt ja derzeit keinen persönlichen Kontakt zu den Arbeitsagenturen und Jobcenter.

Inzwischen hat mich ein andererJemenit, der noch hier im Ankerzentrum lebt um Hilfe gebeten. ich darf ja da nicht hin und so haben wir heute das Briefkasten-Spiel gespielt.

Ich habe seine Unterlagen in meinen Briefkasten-Schlitz gesteckt, er hat sie sich rausgezogen, den Brief fürs BAMF unterschrieben und wieder reingesteckt. Ich bringe dann am Montag den Brief per Einschreiben zur Post. Das große Problem ist, dass dieser Mann kein Deutsch oder Englisch spricht, nur Arabisch. Sein Freund, der sehr gut Deutsch spricht - ich hatte ihn ja an meinen Kollegen für B2 vermittelt - lebt jetzt in Pegnitz und so müssen wir die Übersetzungen auf Entfernung machen. Ich schreibe ihm, was sein Freund hier machen muss, er erklärt dann per whatsapp oder Telefonat alles auf Arabisch und schreibt mir dann, was er erfahren hat. Sehr mühevoll und zeitaufwendig.

Sein Danke Schön: " Ich danke Dir von ganzem Herzen Eva, vielen Dank" Das ist macht alle Arbeit zum Vergnügen.

Ansonsten bin sehr beschäftigt immer  wieder Tipps zum Verhalten in der Corona-Krise zu geben.


Heute war in der Tageszeitung ein Anruf, dass sich doch bitte Ärzte unter den Flüchtlingen melden sollten, um jetzt in der Corona-Krise zu helfen.

Bei meinen Jemeniten waren ja Ärzte dabei. Sie haben voriges Waldkraiburg verlassen, aber ich habe  immer noch Kontakt zu ihnen und habe ihnen diesen Aufruf gesandt.

Alle 3 haben sich gleich bei den entsprechenden Stellen gemeldet. Ist das nicht wunder. Jetzt weiss ich wieder, dass es gut ist, dass ich mögichst mit allen in Kontakt bleibe, auch wenn es mittlerweile sehr viele sind. Aber vor Ort schein sich keiner darum zu kümmern.

30.03./31.03.2020

Skype mit meinem Freund in USA - er lebt ja in New Jersey - ganz dicht an New York. Wenn seine Firma zumacht hat er als Ausländer keinerlei Einkommen mehr, Gesundheitsschutz nur für eine Woche. Er tut mir sehr leid. Was dieser junge Mann in den letzten 4 1/2 Jahren durchgemacht hat, Wahnsinn - Folter, Verfolgung, kein Asyl in Deutschland, wieder zurück, wieder seinen Häschern in die Ende gefallen, nach USA geflohen. Aber er ist nicht illegal da, sondern mit Visum. Wenn er krank wird hat er nichts - max. für 6 Tage Lohnfortzahlung. Dann gibt es als Nicht-Amerikaner nichts mehr. Zu mir kann er wegen der geschlossenen Grenzen auch nicht.

Gestern hat er mir Bilder geschickt, was er alles gebunkert hat. Also für einen Monat erreicht es. Es kann sein, dass sie gar nicht mehr raus dürfen. Keine Ahnung, wie es weitergehen soll.

Ratgeber für unsere "Fremden-Freunde" geht in den nächsten Tagen als Blog online.

03.04.2020

habe heute mit einem meiner Schützlinge aus Uganda telefoniert, der vor ca. 2 Jahren unrechtmäßig nach Italien abgeschoben wurde. Er hat heute seinen 36. Geburtstag und so haben wir ein Videotelefonat geführt. Es war eine Freude uns nach so lange Zeit wieder zu sehen. Ohne Corona ginge es ihm gut, es gefällt ihm auch Italien, er hat ja für 5 Jahre Bleiberecht bekommen und "studiert" Kochen für die gehobenen Gastronomie - zur Zeit übers Internet. Wenn er sein erstes eigenes Geld verdient und die Grenzen wieder auf sind, will er mal für ein paar Tage kommen. Wir werden dann hier ein "Uganda-Treffen" machen. Er war ja mit einer Engländerin verheiratet und hat einen Sohn. Seine geschiedene Frau und der Sohn sind jetzt nach Uganda gegangen und sie baut da ein Projekt für Kinder auf. Er ist froh, dass sein Sohn jetzt im Corona-freien Uganda ist. Hoffentlich bleibt das so.