Ehrenamt-Tagebuch, Teil 18

So hier geht es weiter

15.05.2020 - es hat sich ein bisserl was getan. AY (Jemen) hat Nachricht von IOM (International Organizsation for Migration) erhalten, dass man an seiner Familienzusammenführung arbeitet, aber wissen will, ob er noch interessiert ist. Er hatte schon gedacht, dass er da nichts mehr hört und hatte mich wegen der Zusammenführung um einen Anwalt gebeten. So jetzt  läuft das doppelt. Ich habe wieder darauf hingewiesen, dass sie mich oder andere Leute immer informieren müssen, wenn bereits andere mit Hilfe betraut sind, gerade Anwälte müssen das wissen. Also den Anwalt informiert, der hat mir gesagt, dass es gut ist, dass er mit dem IOM zusammenarbeiten kann. Mein Schützling fürchtet um das Leben seiner Frau und seiner 2 Kinder. Er hat ja selbst Schusswunden im Bauch und Oberschenkel.

Er spricht ja kein Deutsch und kein Englisch und so hilft uns immer ein Freund, der vor 2 Monaten nach Oberfranken verlegt wurde. Das ist ein ewiger Hin und Her. Alles, was ich und der Anwalt schreiben muss ins Arabische und die Antworten ins Deutsche. Was für ein Zeitaufwand. Und zur Zeit keine Deutschkurse.

Die Gruppe der Afrikaner (40 Leute) ist gestern wieder aus der Quarantäne in Ingolstadt zurück gekommen. Keiner war bisher infiziert. ich muss immer darauf hinweisen, dass sie sich jetzt jeder Zeit doch infizieren können, so lange nicht nachgewiesen ist, dass sie die Krankheit schon hatte und geheilt sind. Nicht jeder merkt das ja.

Einer von ihnen, Sierra Leone, kommt am Montag zu mir, damit ich ihm sein überarbeitetes Zertifikat überreichen kann. Er mit Maske und ich mit Maske. Der Aufenthalt in geschlossenen Räumen wird für lange Zeit das größte Risiko bleiben. Also passen wir gut auf.

Ich habe ja wieder Masken von Chris geschickt bekommen, siehe auch Gästebuch, und schon einige versandt. Gestern abgeschickt und heute habe ich schon die erste Danksagung erhalten. Chris hatte auch das Geld mitgeschickt, dass sie von anderen Freunden für die Masken bekommen hatte. Das kam in meine Anwaltskasse.

Der Jemenit (S.A.), der in Oberfranken ist, hat immer noch keinen neuen Ausweis erhalten - steht ihm seit Anfang Mai zu - und kann daher kein Konto eröffnen.

Sowohl die Caritas als auch ich haben die Behörde angeschrieben, aber beide noch keine Antwort erhalten. Am Montag rufe ich dort an.

Dann wir ich ja im März bei einer Info über Weiterwanderung. Ein weiteres Jemenit, auch in Oberfranken, möchte zu seinem Bruder in Kanada, also haben wir Kontakt zum Raphealswerk, Hamburg aufgenommen. Man wird sich darum kümmern, er bekommt wieder Bescheid. Es wird sich wohl viele Monate hinziehen.


An unserem Web-Auftritt arbeiten wir auch, es kommen immer neue Links und News dazu.

17.05.2020

Gestern hat mich eine Bitte erreicht, doch einen Lebenslauf für einen Jemeniten (SR) zu schreiben, er hat mir ein paar Daten per Whatsapp geschickt. Habe mich dann gleich am Abend hingesetzt und beim Versenden per Mail alles versehentlich gelöscht. Also heute morgen das ganze noch mal. Jetzt muss er alle Lücken ausfüllen und dann schauen wir mal, ob wir was ordentliches hinbekommen. Ist nicht so einfach auf Entfernung -- er wohnt in der Nähe von Freising und sein Deutsch muss auch noch besser werden. Aber da er ein Hochschulstudium hat, wird er das hinbekommen.

18.05.2020 - Mini-Integrationstalk

habe MS seine überarbeitete Urkunde überreicht. Foto ohne Maske schickt er mir noch zu.

Es waren 2 Sierra Leoner da. MS und MB. Beide haben sich an meine Vorgaben gehalten. Sie kamen mit Masken. Wurden dann sofort ins Bad geschickt zum gründlichen Händewaschen.   In meinem Wohnzimmer hatte ich die Sitzgelegenheit so arrangiert, dass wir wirklich 1,5 m auseinander saßen und ich habe natürlich
auch eine Maske getragen. MB hat endlich das Geld für den Anwalt gebracht, er war bereits 3 Monate im Verzug. Ich gehe dann gleich zur Postbank und überweise. Die 50 Euro, die ich ihm vorgeschossen hatte, kann er mir später zurückgeben.

Wir haben hier ein großes Problem. Er war ja gehalten eine Originalgeburtsurkunde zu besorgen, Kopie hat nicht gereicht. Vor 6 Wochen hat nun die Familie das Original per Einschreiben (liegt als Foto vor) an mich gesandt - ist nur leider nicht angekommen. Da in Sierra Leone wegen Corona auch ein Lockdown ist, kann die Familie nicht bei der Post nachfragen, was passiert ist. Wir wollen ja damit beweisen, dass er erst 17 Jahre alt ist und nicht bereits 20, wie vom BAMF vermutet. Hoffentlich ist es dann nicht zu spät für eine Nachverfolgung. Er muss unbedingt aus dem Camp raus und in eine Unterkunft für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Ich habe das Gefühl, im Camp lernt
er nur Blödsinn - geht zum Glück seit heute wieder in die Schule. Die Lehrerin hat ihm erlaubt erst zu mir zu kommen, dann aber gleich danach in die Schule. Ich hoffe, er hat es gemacht.

Die Berufsschule im Camp ist seit heute wieder geöffnet!!!!!!!!!! 

Sie haben mir erzählt, dass die Verlegung für 2 Wochen nach Ingolstadt in die Quarantäne sehr gut abgelaufen ist. Getestet wurden sie 1 x vor der Verlegung hier in Waldkraiburg und dann vor ein paar Tagen noch mal in Ingolstadt. Sie wurden alle erst mal negativ getestet.  Mohamed, der Ältere hat mir gesagt, dass er sehr froh ist,
dass er so viele Informationen von mir bekommt und sich auch an alles hält und es auch weitergibt. Das "negativ" nicht bedeutet gesund zu sein, sondern dass
sie sich jederzeit infizieren können war auch eine wichtige Information für ihn von mir. Auch das hat er weitergegeben.  Im Camp tragen sie alle den ganzen Tag ihre Masken.  Sie wussten nicht, dass ich mit meiner Maske sie schütze und sie mich mit ihrer Maske. Auch, dass sie die Masken wechseln müssen, wenn sie feucht sind. Kann bei Dauertragen bedeuten, dass sie ca. 3 bis 4 x die Masken wechseln müssen, heiß waschen und trocknen. Auch daran werden sie sich in Zukunft halten und die Info weitergeben. Sie haben vom Camp 4 Masken bekommen. "und Pfoten weg von der Oberfläche der Maske"

Alle Informationen, die ich für richtig halte, aber nicht in den Ratgeber kommen, reiche ich per Whatsapp weiter. Wöchentlich so 30 bis 40 Whatsapp-Nachrichten.

Jeden Tag bin ich in Kontakt mit SK. Er kämpft mit seinem psychischen Zustand und ist stolz, wenn er mir abends schreiben kann, dass er den Tag gut geschafft hat (war ja auch 2 Wochen in Quarantäne - Maske habe ich ihm geschickt). Er durfte auch für 3 Wochen nicht zu seinem Psychiater.

So jetzt gehe ich zur Postbank und weise das Geld für den Anwalt an.

20.05.2020

es gibt den Messenger - Dienst Telegram. Der wird so gut wie nie kontrolliert. Es dürfen alle Inhalte stehen bleiben. Daher wird er vorwiegend von Rechtsextremen und Islamisten genutzt. (Habe ich in der ARDe rfahren). Ich weiß von meinen Schützlingen, dass sie gerne Telegram benützen. Das ist dann immer Arbeit für mich, zu erklären, warum das Fake News sind.

Und noch etwas zu Originalpapieren. Die 3 Jemeniten, die von Waldkraiburg nach Pegnitz verlegt wurden, haben auf Anraten der Bayreuther Caritas ihre am 30.04. abgelaufenen Original-Ausweise zum Landratsamt/ZAB Bayreuth gesandt. Ich habe gestern angerufen und gefragt, wann mit der Verlängerung der Aufenthaltsgestattung zu rechnen ist. Durch Bayreuth gar nicht, weil sie sich nicht um Leute aus dem Jemen (????) kümmern, das macht München.

Einer hat seinen Ausweis per Einschreiben ans Bayreuther LA geschickt. Ich habe nicht herausbekommen, wo sein Ausweis geblieben ist. Das ist nun fast 4 Wochen her, dass er bzw. alle 3 ohne Papiere sind. Sie können kein Konto eröffnen.

2 haben jetzt erfahren, dass sie ihre Ausweise in ca. 3 Wochen bekommen. Einfach Irrsinn. Für den 3. habe ich jetzt noch mal die Caritas Bayreuth, die
ja den Rat gegeben hat, die Papiere ans Landratsamt zu senden, um Hilfe gebeten. Mal sehen, was kommt.

Punkt 3: Zuzahlungen bei der Krankenkasse. Nicht alle Leistungen werden zu 100 % von der Krankenkasse getragen. Bei Krankenhaus-Aufenthalt werden 10 € pro Tag fällig. Zuzahlungen auch für Heil- und Hilfsmittel, für Reha usw.

Das hat jetzt auch wieder einen meiner Schützlinge getroffen, der immer wieder ins Krankenhaus muss. (Nasen-Gaumen-Spalte). Bei einem mehrtägigen Aufenthalt in der UNI-Klinik Regensburg kam so ein für ihn großer Betrag zusammen. Zum Glück hatte ich in der Zwischenzeit einen guten Kontakt zu Professor Ettl (behandelnder Arzt) gehabt, der uns dann geholfen hat, diese Ansprüche fallen zu lassen.

Jetzt kam aber von der AOK doch wieder eine Rechnung für weitere Behandlungen. Ich habe gerade mit der AOK, Schrobenhausen telefoniert,
man will prüfen, ob man die Rechnung etwas reduzieren kann. Werde berichten.

(Bei dem Telefonat habe ich erfahren, dass der Krankenhausbeitrag, der voriges Jahr angefallen war, wohl von Prof. Ettl bezahlt wurde - gut, oder?)

Kleine Ergänzung zur AOK: Der Mitarbeiter war sehr nett, hat mir alles ausführlich erklärt. Solidargemeinschaft heißt auch, dass wir uns mit 2 % an den Krankenkosten beteiligen müssen. Einen Nachlass gab es daher nicht, aber er darf monatlich 10 € abzahlen.

Dann hab ich erfahren, dass er noch bis 29.05. in Quarantäne ist, weil sich wieder jemand in der Containerunterkunft infiziert hat. Das sind jetzt schon 4 Wochen. Wahnsinn.

22.05.2020

Heute konnte ich einem meiner Schützlinge, der uns auch im Computerklassenzimmer im Camp unterstützt einen Laptop überreichen. Was hat er sich gefreut. Vielleicht bekomme ich noch einen.

Dann ist mir wieder aufgefallen, dass sie immer wieder mehrere Leute um Hilfe für das selbe Problem bitten. Das verursacht unnötige Arbeit. Wenn man gleich weiß, wer sich noch engagiert, kann man sich kurzschließen und macht nichts doppelt.

Dann habe ich heute für die 3 Jemeniten unsere Ausländerbehörde um Hilfe gebeten. Die Antwort ist unmöglich, mich wundert jetzt nichts mehr.

"Sehr geehrte Damen und Herren,  ich bin ab dem 28.11.2018 um 14:00 Uhr wieder im Haus, in dringenden Fällen wenden Sie sich bitte an ...."

Das ist doch nicht fassbar.

26.05.2020 Es gibt noch Wunder, gestern kam von der Ausländerbehörde in Mühldorf ein hilfreiches Hinweis. Also habe ich gestern gleich Kontakt zur ZAB in München aufgenommen. Antwort kam schnell, aber sie brauchen eine Vollmacht, sonst dürfen sie mir keine Auskunft geben. Vordrucke haben sie allerdings nicht. Also im Internet was rausgesucht, weitgehend ausgefüllt und zu meinem Schützling in Pegnitz gemailed. Er unterschreibt jetzt und schickt es dann per Einschreiben an die ZAB. Er wollte mit dem Studium anfangen, geht nicht ohne Ausweis, er braucht ein Konto, geht nicht ohne Ausweis, er will den Ort verlassen, geht nicht ohne Ausweis.

28.05.2020

Gestern haben wir dann erfahren, dass gestern alle Unterlagen der Jemeniten nach Bayreuth geschickt wurden. Sie müssen sich jetzt doch an die ZAB in Bayreuth wenden. Hinweis aus München: Das kann aber wege des Virus schwierig werden. Puh Und wir müssen die Vollmacht, die wir nach München geschickt haben, umschreiben und nach Bayreuth schicken. Haben wir in´zwischen auch gemacht.

Dann habe ich heute einen Anruf der Caritas aus Bayreuth erhalten, die Dame war sehr nett und hat sich entschuldigt, dass sie sich erst nach 1 1/2 Wochen meldet, sie war in Urlaub. Sie wird sich aber um die Angelegenheiten der Jemeniten kümmern.

Gestern Abend war ich mit H.O. Uganda beim Pizza essen. Schön draußen in der Sonne. Er will sich ein Fahrrad kaufen, damit er damit zur Berufsschule in die Kreisstadt fahren kann. Er hat zwar ein E-Bike, möchte es aber sportlicher angehen. Die Fußballsaison für die Amateure beginnt.

Wir haben vereinbart, dass ich den Betrag vorschiesse - ist billiger für ihn - und er zahlt mir den Betrag in Raten ab.