Ehrenamtagebuch Teil 8

29.05.18 Computersprachkurs

Es waren nur 3 da. Alle 3 aus Nigeria - es ist alles ganz ruhig und fröhlich verlaufen. Dabei habe ich festgestellt, dass sie im Unterricht, den sie in der Unterkunft erhalten nicht alles verstehen, die Lehrerin - fast alle kommen vom Balkan oder aus Russland - kann wohl auch nicht weiterhelfen.

Es haben Probleme mit den Reißverschlußwörten, z.B. weggehen - die werden ja getrennt: ich gehe weg. Das ist sehr schwer zu verstehen. Habe ich mir gemerkt und dann für den Konversationskurs zum Thema gemacht.

30.05.18  jetzt kommts, was mich so wütend gemacht hat, und ich bin immer noch sehr aufgebracht

Der junge Mann aus Uganda, den man vor 3 Wochen schon mal nachts aus dem Bett geholt hat um ihn nach Italien abzuschieben, wurde wieder nachts rausgeholt - und jetzt ist er in Italien. Ich könnte alles kurz und klein schlagen vor Wut. Ich habe dann mit dem Anwalt telefoniert. Das ist nicht erlaubt, nicht rechtens. Er ist in einem laufenden Verfahren und da ist es untersagt, jemand abzuschieben, auch wenn er über ein Drittland angereist war.

Der Anwalt will nun versuchen, ihn zurückzuholen. Aber das wird sehr schwer werden.

Ich habe morgens davon erfahren, da war seine Nachricht auf meinem Handy, dass man ihn wieder abgeholt hat. Ich habe dann geschrieben, dass ich versuchen werde, den Anwalt zu erreichen. Aber als ich gerade mit meinen Freundinnen beim Weibertratsch saß, kam die Nachricht "zu spät, ich bin schon in Italien". Das ist gegen das Gesetz, aber das scheint die "Pest und Cholera" nicht zu interessieren.

Was er mir geschrieben hat, ist mir sehr sehr nahe gegangen.

Abends habe ich dann versucht, etwas zu essen - Frühstück und Mittagessen hatte ich nicht runtergebracht.

Ich hatte noch Glück, dass ich gegen mittags den Anwalt privat erreichen konnte, denn es sind Ferien, er hat geschlossen.


Ja und in der Stimmung bin ich dann am Nachmittag in den Konversationskurs gegangen. Aber sie waren so prima, dass es mich wieder aufgebaut hat.

4 waren da und ich hatte wieder Obst vom Wochenmarkt mitgebracht. Heidelbeeren, Aprikosen und nochmal Kirschen - alles sehr teuer. Aber sie sind happy damit. Besonders die Kirschen haben es ihnen angetan. Aber das Kilo immer noch fast 9 Euro. Und Heidelbeeren kann man mit Gold aufwiegen. Nur die wirklich sehr guten Aprikosen waren im Angebot. Dafür heute morgen die Hälfte schon matschig. Hätte ich man alle mitgenommen.


Nachdem Kurs kam dann noch mein " schwarzer Enkel" zum Kursraum - ich hatte ihn einbestellt. Er bräuchte dringend psychologische Betreuung. Kann ich aber nicht veranlassen. Das muss die Schule machen, der Vorschlag muss von kompetenter Seite kommen.

Wir Ehrenamtler sind ja laut Dobrindt alle kriminell. Was ist er dann?


Ich hatte meinem jungen Mann N1 geschrieben, was hier los ist. Er hat versucht mich  zu trösten.

Auf dem Heimweg habe ich dann noch einen Nigerianer getroffen, der auch manchmal in den Kurs kam, jetzt aber ein Angebot der VHS wahrnimmt.

Es war ein sehr gutes Gespräch.


31.05.18

Ich war ca. 4 1/2 Stunden mit meiner Schwester in grauslicher Hitze unterwegs. Aber auf dem Heimweg kam ein Anruf aus Italien, dass es ihm gut geht und dass die Leute dort in dem Camp sehr nett sind. Trotzdem hofft er natürlich, dass unsere Behörden mit ihrer Willkür nicht durchkommen. Ich bewundere ihn, er nimmt das so gelassen "Eva so ist das Leben".

Kurz bevor ich zuhause war habe ich dann noch einen Nigerianer getroffen, der mir hin und wieder mal über den Weg läuft. Er ist mit Frau und 2 Kindern hier und hat eine Einzelunterkunft, sein Sohn wurde auch hier getauft. Er hatte heute 2 Schreiben, die er nicht verstanden hat und war froh, dass er mich zufällig getroffen hat. Ich habe ihm die Schreiben erst mal übersetzt und ein bisschen erklärt. Einmal geht es um einen Sprachkurs mit Kinderbetreuung in der Kreisstadt und einmal ist es ein Strafbefehl wegen Schwarzfahrens. Ja, wenn man sich erwischen läßt. Kein Mitleid.

02.06.18

heute habe ich eine Whatsapp von U1 aus Italien bekommen, dass schon am Montag die Italienisch-Kurse angehen. Er sieht es sportlich, die Zukunft ist multilingual. Ich habe ihm heute schon auf italienisch geschrieben.


05.und 06.06.18

Computerkurs - immerhin bei der Hitze doch 5 Teilnehmer. Während wir die Jungs unterstützt haben, manchmal steht da  im Computer auch Blödsinn,

hat mein Kollege eine Nachricht von einem jungen Mann in der Erstaufnahme bekommen - er war nicht bei uns im Kurs, sondern an einem anderen Ort,

das er verlegt wird und zwar bereits in ein Ankerzentrum. Das geht jetzt Schlag auf Schlag. Da ist jetzt richtig Panik entstanden.

Und heute im Konversationskurs habe ich dann erfahren, dass heute Polizei in der Unterkunft war. Die Menschen sind extrem verunsichert und reagieren verständlicherweise auch extrem. Es ist alles so eine Schei....

Heute waren nur  3 da, ich hatte Obst für min. 6 Leute dabei, aber wegen der Polizei in der Unterkunft konnten einige nicht  kommen. Da haben sich die 3 gefreut. Eine große Tüte Kirschen, 10 Nektarinen und Kirschtomaten. Nach einer halben Stunde war alles weg.

Auf dem  Heimweg habe ich dann noch meinen "schwarzen Enkel" getroffen und konnte mich so auch von ihm in den Urlaub verabschieden.


Der Mann, der nach Italien verlegt wurde, will erst mal in Italien bleiben. Ich werde morgen mit dem Anwalt telefonieren. Und wollte eben von ihm wissen, was ich mit dem Anwalt klären soll. Er will nur wissen, warum man ihn abgeholt hat, obwohl das in einem laufenden Verfahren nicht erlaubt ist.

Er muss ja auch hier den Anwalt noch bezahlen.  Das ist im Moment aber nicht möglich, weil es in Italien kein Geld gibt. Nur Essen und Unterkunft und Sprachunterricht. Er scheint sich aber dort wohler als in Deutschland zu fühlen.


26./27.06.18

Dienstag, Computersprachkurs

es waren nicht viele da. Aber die, die da waren, haben sich gefreut, dass mein Urlaub wieder vorbei ist. Bald werden auch diese Teilnehmer verlegt werden, und ich muss mich wieder an den Verlust gewöhnen.

Mittwoch, Konversationskurs

Dieses Mal kam sogar eine junge Frau aus Nigeria - wir hatten viel Spaß, auch wenn wir über ein ernstes Thema sprechen mussten.

Bevor ich abgereist bin, gab es in der Erstunterkunft richtigen Trouble mit einem Polizeieinsatz von ca. 300 Polizisten. War fürchterlich übertrieben und unnötig. Trotzdem gab es bei einigen wenigen Bewohnern ein nicht zu akzeptierendes Verhalten. Aber es war vielleicht eine Hand voll bei ca. 340 Bewohnern. Man hatte ihnen die Kühlschränke weggenommen und das bei 30  Grad Außentemperaturen. Der Zeitpunkt war daher dämlich.

Für den Entzug der Kühlschränke gab es mehrere Gründe. 1. Sie waren zu alt und es hätte zu ernsten Schäden führen können.

2. Manche Bewohner haben die Kühlschränke zum Kühlen der Zimmer genutzt.

3. Einige hatten uraltes Essen drin, dass zu Krankheiten hätte führen können. Kochen ist ja auch nicht erlaubt. Wurde aber doch gemacht. Das bedeutet aber Brandgefahr, besonders weil "versteckt" gekocht wurde.

4. Allen Geräten  wurden erstmals die Stecker entfernt. Aber Not mach ja erfinderisch und so wurden die nackten Kabel in die Steckdose gesteckt.


Warum hat man nicht offizielle Stellen zum Kochen eingerichtet, warum nicht neue Kühlschränke besorgt und  durchaus die Bewohner an den Stromkosten beteiligt und einige Leute in die Pflicht genommen, zu sehen, dass alles seine Ordnung hat?


Auf jeden Fall kam es zur Randale. Eine Frau hat einen Feuerlöscher durch geschlossene Fenster geworfen und einer wurde etwas schwerer verletzt und wurde nach München  geflogen. Ist aber schon wieder da, war wohl nicht so schlimm.


Dann mussten alle Bewohner raus auf die Straße. Da wurde ihnen dann ihr Essen serviert, das sie in ihrer Wut auf die Straße geschmissen haben.

ICH kann das verstehen, hätte ich auch gemacht.


Von meinen Jungs war übrigens niemand in diesen Aufstand verwickelt, 5 hatten sich sogar verbotenerweise abgesetzt und sind in meinen Kurs gekommen.

Jetzt soll sich einiges ändern. Auf das Gelände kommt ein Bolzplatz für die Bewohner, damit sie außerhalb niemand belästigen.Schade, ich habe immer gerne zugeschaut, wenn sie auf dem öffentlichen Bolzplatz gespielt haben. Es wird jetzt wohl so eine Art Ghetto gemacht. Traurig.

Auch unsere Computersprachkurse, die in einem Gebäude gegenüber stattgefunden haben, sollen auf das Gelände der Erstaufnahme verlegt werden.

Wenn das auch für meine Kurse der Fall wird, höre ich auf. Ghettobildung unterstütze ich nicht. Meinen Konversationskurs mache ich dann bei mir zuhause.

Ich möchte, dass sie im Stadtbild zu sehen sind. Sie sind eine Bereichung, keine Gefahr. Auch wenn es immer wieder welche gibt, die aus dem Rahmen fallen. Aber das sind so wenige.

Wenn wir uns in den Kursen treffen, gibt es immer liebevolle Umarmungen. Und auch bei Treffen auf der Straße ist die Begrüßung immer eine Umarmung.

Für viele bin ich "Mama".

Jetzt wird schon der erste nach Bamberg ins Ankerzentrum verlegt. Ach ja.

U1, der nach Italien abgeschoben wurde, will nicht nach Deutschland zurück, auch wenn der Anwalt das durchsetzen kann, denn eine Abschiebung bei laufendem Verfahren ist nicht erlaubt. Wurde vor 2 Wochen noch mal vom Gericht bestätigt.

U1 sagt, dass die Italiener viel netter sind und sich besser um ihn kümmern. Er hat bereits nach einer Woche einen Sprachkurs bekommen und wohnt jetzt vorübergehend mit einem Kollegen zusammen  und bekommt in den nächsten Tagen eine eigene kleine Wohnung.

Hier musste er mit 9 anderen in einer Unterkunft in einem Zimmer leben. Allerdings dauert auch da sein Asylverfahren länger als 1 Jahr, so dass er wieder lange warten muss, was aus seinem Leben wird.

Gestern habe ich mich im Cafè mit U2 getroffen. Ein toller junger Mann, sehr zielstrebig. Ich hoffe, er bekommt bald eine Arbeitserlaubnis und Bleiberecht.

Er ist ein fantastischer Fussballer, kann aber ohne Arbeitserlaubnis nur im Amateurclub spielen. Vielleicht hätte ihn unsere Nationalmannschaft gut gebrauchen können.

03./04.07.

Dienstag, Computersprachkurs

es waren so viele da, wie schon lange nicht mehr. Aber und das  richtig doof, das WLAN hat nicht funktioniert. Wir haben uns dann so beholfen und eine Ratschstunde eingelegt. Ich habe dann gefragt, wer am Mittwoch wieder kommt. Alle

Mittwoch, Konversationskurs/Intergration

Von wegen alle, es sind gerade mal 3 gekommen. Am Wochenmarkt hatte ich Kirschen und Aprikosen für 10 Leute gekauft. Die junge Frau war verhältnismäßig pünktlich, der  nächste, er  hatte schon gesagt, dass er wegen eines Arzttermins später kommt, kam eine Stunde später, und der 3. noch später. Für Nr. 2 gab es wieder ein Zertifikat für ständige Teilnahme am Deutschkurs.

Wir haben dann in einem Buch über Deutschland gelesen und ich habe versucht, zu erklären, was in der Deutschen Innenpolitik gerade abgeht. Da ich es auch nicht verstehe, war es ein vergeblicher Versuch. Was das mitgebrachte Obst anbelangt, so war es in kurzer Zeit aufgegessen. Hoffentlich hatten sie nicht zu viel Bauchweh.


10./11.07.18

Dienstag - Computersprachkurs

Es waren nur 3 Nigerianer da, auch wieder ein neuer dazwischen. Spricht schon gut Deutsch. ist aber kein Wunder, er ist mit einer Deutschen verheiratet.

Sie lebt in Burghausen und er in einer Unterkunft in Waldkraiburg. Ist nicht so leicht eine gemeinsame Wohnung zu finden.

Mittwoch  - Konversationskurs

Immerhin 4 Teilnehmer, dieses Mal war auch einer der Eritreaer wieder da. Er ist glücklich, dass es zwischen Äthopien und Eritrea zu einer Annährung kommt.

Ansonst war neben schwierigen Wörten und unterschiedlichen Bedeutungen, unsere Politik ein Thema.