Ehrenamttagebuch - Teil 23

 
Bitte auch noch in Teil 22 nachlesen - habe ich am 13.04. fortgesetzt . heute 15.04. geht es hier weiter
 
Sonntag, 11.04. - Ich wollte mich ja mit der Afghanischen Familie treffen, aber es kam nur der junge Mann.. Wir sind 2 Stunden durch die Stadt spazieren gegangen und ich habe ihm die sehr junge Geschichte Waldkraiburgs erzählt, einige zerstörte Bunker und überbaute oder mit Erde zugeschüttete Bunker gezeigt.fen
Montag, 12.04. -   Vom Anwalt kam die Nachricht, dass die Chancen für meinen Enkel nur bei 15 % liegen hier in Deutschland bleiben zu dürfen. Dabei heißt es immer, dass eine Ausbildungsduldung min. über 5 Jahre geht. Auf diese Bayerische Staatsregierung kann man  sich in nichts verlassen - und jetzt wollen die armen Irren einen Bayerischen Kanzler - Wahnsinn.
Meinem Enkel habe ich noch gar nichts gesagt.
Dienstag, 13.04. - heute beginnt der Ramadan, ich habe allen meine muslimischen Schützlingen einen guten Ramaan gewünscht. Sie waren glücklilch
darüber.
Mittwoch, 14.04. - Im Ankerzentrum gibt es wieder einen Corona-Fall. Die Afghanische Familie wird morgen verlegt. ich hoffe, dass ich den Kontakt zu dem jungen Mann nicht verliere. Ich möchte auch wissen, ob er seinen Vater wieder gefunden h at.
R. hat mir zum Abschied geschrieben: Vielen Dank Frau Eva. Ich schreibe Dir immer. Ich werde dich so sehr vermissen.
Eva: Schluchz
Donnerstag, 15.04. - ja nun ist er weg der junge Mann aus Afghanistan
Freitag, 16.04. -  Habe auf Wunsch meines "Enkels" Mayonnaise gemacht und das fotografiert, damit er nicht mehr den fertigen Industriemist kauft
Der Afghane sollte dem Landratsamt seine Kontonummer geben, damit man das Geld für die Familie überweisen kann, wieder einmal nur Idioten da. Er hat dann eine Mail an die Sparkasse in Waldkraiburg geschickt und um Hilfe gebeten - Antwort - nichtssagendes Allerweltsschreiben.
Aber und das ist wirklich super - er hat eine Integrationshelferin aus dem Landratsamt, die ihn sehr  unterstützt.
Montag, 19.04.  SM, den ich mal hier nach einer Operation für ein paar Tage aufgepäppelt habe und der im Februar an Corona erkrankt war, hatte sich seit 2 Wochen nicht mehr gemeldet, seine Freunde waren auch in Sorge und so habe  ich seinen Arbeitgeber angerufen - Sein Handy ist kaputt, man wird ihm sagen, dass er sich bei mir melden  soll. Hat er inzwischen gemacht und von mir einen Anschiss bekommen.
Mit USA geskyped - wie immer ein Highlight für mich.
Der Afghane soll in die Schule gehen - bei uns wegen der hohen Inzidenz gibt es nur Homeschooling. In der Unterkunft am Arsch der Welt gibt es weder Internet noch WLAN - und nun? Also habe ich mich mit seiner Integrationsbetreuung in Verbindung gesetzt - im Moment konnte sie nicht helfen. Jeder muss sich einen eigenen Anschluß zu legen - Gemeinschaftsanschlüsse gbit es nicht, ist aber in allen Flüchtlingsunterkünften so. Also gehen sie  zu öffentlich WLANspots - da dürfen sich zu Zeit aber keine Leute aufhalten - es ist zum Heulen. Ich habe dann meinen Laptop-Betreuer angerufen und der hat mir gute Tipps gegeben, die Dame am Landsratsamt wird dem jungen Mann helfen. Super
Versuche KOntakt zum Antwalt meines Enkels zu bekommen, um zu klären, wie teuer wohl ein Verfahren sein wird, um zu klagen, dass er seine Ausbildung fertig machen darf. Mal sehen, wann er antwortet.
Schreiben von der Bayer. Regierung, dass mein Sorgenkind aus Sierra Leone  belegen soll, dass er an Masern geimpft ist. Seinen Impfausweis hat er im Laufe mehrerer Tansfers und Psychiatrieaufenthalte verloren. Seit Tagen warte ich jetzt auf Antwort des Ankerzentrums hier, ob man das noch mal bestätigen könnte. Sonst muss er sich noch einmal impfen lassen. Auch hat er ein Schreiben von Amtsgericht bekommen, dass ihm ein Pflichtverteidiger wegen seines Angriffs vor 2 Jahren auf einen Sicherheitsmann zur Seite gestellt wird. Um diese Angelegenheit hat sich ein Mitarbeiter der Caritas gekümmert  - auch von ihm habe ich seit einer Woche keine Antwort bekommen. 
Mittwoch. 21.04. Enkel ist wieder krank, ich befürchte, dass ist der Stress wegen seiner Situation. Für seine Ausbildung nicht gut. 
Sonntag, 02.05.21
ist so einiges gewesen in der letzten Woche, na eigentlich viel, so dass ich kaum Zeit hatte für meinen Blog.
Wieder Ärger mit der Arroganz der Sparkasse, sowohl in Dorfen als auch in Waldkraiburg. Immer das gleiche - einfach keine Unterstützung. Dorfen sagt, die Kontoauflösung macht Waldkraiburg, also für 40 Euro nach Waldkraiburg gefahren, um dann in Waldkraiburg zu erfahren, dass das doch Dorfen machen muss.
Am Freitag, 23.04. bin ich mit einem Peruaner aus dem Ankerzentrum spazieren gegangen und auf dem Heimweg auf dem Fu´ßweg von einem Rennradler angefahren worden. Arbeitsunfall? Natürlich nicht - Pech. Und der Depp hat noch nicht mal gefragt, ob mir was passiert ist. Bein ist immer noch "bunt" und gestern habe ich dann nach einem Spaziergang gemerkt, dass mein Knie auch etwas abbekommen hat.
Mein Enkel hat jetzt endlich eine Antwort vom Anwalt bekommen - ich habe mehrmals Druck gemacht, ich wollte wissen, ob er noch mal klagen soll und was das kostet. Mein Enkel hat ihn auch noch mal angeschrieben und beide haben wir eine pampige Antwort bekommen. Also machen wir keine neue Klage - zumal wir die Kosten immer noch nicht wissen - seine Ausbildung kann er fertig machen und dann sehen wir weiter. Sollte ich noch tätig sein, ganz sicher nicht mehr mit diesem Anwalt. Wenn ich überlege, wie oft ich die Kosten übernommen hatte, wie oft ich bei Freunden um Unterstützung gebettelt hatte. Diese Klienten hätte er alle nicht gehabt.
Vorige Woche hat ein Mann aus Uganda die Aufforderung bekommen, für die Unterkunft zu bezahlen, weil er ja arbeitet. Er war auch lange Zeit in dem 10-Bett-Zimmer. Inzwischen kam vom Flüchtlingsrat die Mitteilung, dass diese Rechnungen nicht rechtens sind, und es soll nicht bezahlt werden. Also habe ich ihn erst mal gebeten nicht zu bezahlen und morgen werde ich mit seinem Arbeitgeber sprechen und alles erklären. Er muss auch einen Widerspruch an die Regierung schicken. Kann ich nicht machen, dass  muss er persönlich unterschreiben.
Am Freitag, 30.04.  -   hatte mich ein Kongolese gebeten, ihn zur Caritas zu begleiten, Also ich durfte mitkommen, auch wenn  wir dann zu Dritt waren, und ich musste mein Französisch rauskramen. Er ist psychisch und körperlich sehr krank (2 mal in der Psychiatrie und Polio). Er lebt hier in Waldkraiburg in der Gemeinschaftsunterkunft seit fast 4 Jahren und möchte gerne seine Familie Frau und 2 Kinder nachholen. Außerdem wurde er aufgefordert sich eine Wohnung zu besorgen - hahaha - er hat Bleiberecht für DEutschland. Er braucht jetzt neue ärztliche Attestes, Psychiachter und Lungenfacharzt wegen seine TBC. Am Dienstag hat er einen Termin beim Hausarzt und ich habe ihn gerade einen Brief für den Arzt geschrieben. Werde ich ihm am Dienstag übergeben.
03.05.21
Gestern Abend habe ich noch einen schönen Anruf erhalten, ein ehemaliger junger Mann aus Uganda wollte mich mit Freundin und meinem so hilfreichen Freund aus Uganda hier besuchen - leider habe ich wegen der Corona-Auflagen abgesagt. So schade. Er wäre schon geimpft gewesen, aber die beiden anderen noch nicht.
Dann habe ich heute eine nette Mail einer Regierungsrätin bekommen, die mir hier bei Problemen mit einem jungen Mann aus Sierra Leone hilft. Er hatte doch seine Impfausweis verloren und kann so die Masernimpfung nicht mehr nachweisen. Sie hat sich jetzt erkundigt, dass es kein Problem für ihn ist, sich noch einmal beim Hausarzt impfen zu lassen. Außerdem hat sie mir gesagt, dass er auch gegen Corona geimpft werden kann, kann auch der Hausarzt machen, oder er kann sich beim Impfzentrum melden - auch da hat sie mir alle Daten gegeben. Ich habe das jetzt an den Caritas-Mitarbeiter in seiner Gemeinschaftsunterkunft weitergeleitet.