Tagebuch Ehrenamt - Teil 16

15.12.2019 - und wieder ein neuer Teil. Ich hatte ja gehofft, dass Teil 15 noch fürs alte Jahr reicht, aber leider leider


Ich hatte vor einigen Tagen geschrieben und jetzt gesehen, dass es weg ist. Ich möchte Euch nicht mit alten Sachen langweilen

und fange hier mit dieser Woche neu an

Also morgen sehen bzw. lesen wir uns dann wieder

18.12.2019

jetzt  hat es doch ein bisschen länger gedauert. Am Dienstag war ich mit meinem Enkel im Fahrrad-Reparaturladen der AWO. Ein kompletter Austausch der Kette, bzw. des ganzen Systems, lohnt sich nicht mehr. Also wird nur notdürftig gerichtet und dann sehen wir mal, wie lange es hält. Er muss ja ab Januar jeden Tag mit Zug und Fahrrad zur Arbeit.

Spenden für ein neues (gebrauchtes) Fahrrad und für eine warme Jacke für einen anderen jungen Mann werden gerne angenommen.

dann wollte ich ja heute einen ehemaligen Ankerzentrum-Bewohner in der Psychiatrie besuchen und gleich mit seinem Arzt sprechen. Leider hatte ich bis heute morgen keine Nachricht, ob das möglich ist. Heute Nachmittag habe ich  dann wenigstens eine Mail vom Krankenhaus bekommen. Vielleicht kann ich nächste Woche Freitag mit einer Lehrerin der Berufsschule fahren, oder evtl. auch mit meiner Schwester. Ich habe ihn auf jeden Fall angerufen und wieder mal zum Lachen gebracht. Adressen von Anwälten habe ich inzwischen auch. Sowohl die Caritas als auch der Bayer. Flüchtlingsrat haben mir geholfen.

ein Tag zurück 17.12. - Computerklassenzimmer

waren nicht so viele da, für die junge jemenitische Kollegin hatte ich ihr Bewerbungsschreiben überarbeitet. Für alle hatte ich Weihnachtsmänner und anderes mitgebracht.

Der junge verfrorene Mann aus Sierra Leone hatte mir erzählt, dass ihn der Lehrer aus der Klasse geworfen hatte, weil er unentschuldigt gefehlt  hatte. Warum? Er hat mir gesagt, dass er sich für den ersten Termin entschuldigt hatte, aber ohne Handy (er hat keines ) konnte er die anderen Tage nicht absagen. Mittlerweile habe ich ja die Lehrerin aus der Parallelklasse kennengelernt. Sie hat gestern mal reingeschaut und so konnte ich sie gleich darauf ansprechen. Heute die Mitteilung, dass er nach den Ferien wieder kommen kann.


Packerl mit Schals und Mützen: ein dickes Bussi an Chris. Gerade kam ein tolles Paket mit warmen Sachen und finanzieller Unterstützung an. Vielen vielen Dank

Integrationstalk am 19.12.2019

Ich habe über den Einwanderungsgipfel berichtet und das alle in der Flüchtlingsarbeit engagierte, das Handwerk und die Industrie der Meinung
sind,  dass wir gute Leute bereits im Land haben. "Engagierte Flüchtlinge sollten ein Bleiberecht bekommen" und somit auch eine Arbeitserlaubnis.

OVB 17.12.

Über die neue Regelung für Arbeitserlaubnis habe ich gesprochen. Habe interessante Mitteilungen  hierzu von den Organisatoren des Asylgipfels in Passau bekommen. Passau hat sich schon sehr gelohnt.

Wenn sich alle Ausländerämter daran halten, wird es für viele einfacher eine Arbeitserlaubnis zu bekommen.

OVB 19.12.: neue Rechte und Freiheiten für Frauen in Saudi Arabien. Es waren nur Jemeniten und Sierra Leoner da "bei ihnen gibt es diese
Freiheiten schon lange" In Sierra Leone haben die Frauen die gleichen Rechte wie Männer (aber alle nicht genug?)

Es waren gestern nur insgesamt 5 da. Erklärung kommt gleich Ich habe dann den Artikel vom 19.12. in der Zeitung angesprochen, dass es in Waldkraiburg inzwischen weniger Asylbewerber gibt und dass es insgesamt doch im Camp recht ruhig geworden ist. Es sind nur noch 380 gegenüber 428 im September.

Aber immerhin 45,7 % des gesamten Landkreises.

Ich hatte eine TN gebeten, doch mal zu sehen, wo die anderen bleiben: Sie kam ganz aufgeregt zurück. Ein junger Jordanier (MS), ich kenne
ihn gut, habe ihn auch immer ein bisschen betreut, er war bei einem der Chiemsee-Ausflüge im Juni dabei und auch letzte Woche hatte er um ein Gespräch
gebeten. Also er hat versucht Selbstmord zu begehen. Wollte wohl aus einem der oberen Stockwerke springen (das Camp hat 6). Liebeskummer - die Freundin, auch aus Jordanien (?), verheiratet, 2 Kinder, hatte wohl Ärger mit ihrem Ehemann bekommen.

Kommt in solchen Situation vor!. Auf jeden Fall war im Camp Polizei, erst mal mussten alle im Camp bleiben, bzw. war es dort auch sicher
interessant.

Aber so schnell ist ein Zeitungsartikel vom Morgen überholt.
Ich habe inzwischen erfahren, dass der junge Mann in ein anderes Camp verlegt wurde. Wohin weiß ich noch nicht. Ich konnte noch keinen Whatsapp-Kontakt zu ihm aufnehmen. Werde es weiter versuchen.

Ich habe die Adresse von TAFF da gelassen, falls mal jemand psychische Probleme hat - haben sie ja alle.

Ebenso die Adressen von allen Anwälten im Münchner Raum, die für sie evtl. in Frage kommen. Adressen habe ich vom Bayer. Flüchtlingsrat
bekommen.

Dann hatte ich die Waldkraiburg-Taschen mit Schreibblocks, Kugelschreibern und Seife bestückt und verteilt. Auch für die, die nicht da
waren. Die Taschen habe ich immer im Rathaus bekommen. Dieses Mal sogar vom 2. Bürgermeister. Die Blöcke, Kugelschreiber und Seifen von einer Freundin.

Weihnachtsgebäck hatte ich auch dabei. Was für ein Glück, dass nicht mehr gekommen sind, hätte sonst nicht gereicht. Waren gerade mal 5
Minuten, dann war alles weg.

Vor einiger Zeit hatten sie mich auf Bilder von mir angesprochen als ich jung war. Da ich alles weggeworfen hatte, waren nur noch
ein paar Hochzeitsbilder meiner ersten Hochzeit 1962 da. Ich 18 Jahre alt. Also die 4 Männer, die da waren, hätten mich gleich geheiratet - damals!!!

Ob ich das gewollt hätte??????

Warme Mützen und Schals hatte ich auch dabei. Habe ich von Chris bekommen


Nach 17 Uhr sind noch die beiden Sierra Leoner da geblieben. Der sehr junge Mann hat gestern den Negativ-Bescheid vom BAMF bekommen.
Einspruch muss innerhalb von 2 Wochen beim Gericht vorliegen. Das ist eine Unverschämtheit: Es ist Ferienzeit mit vielen Feiertagen. Die Anwälte sind alle
in Urlaub. Jetzt weiß ich wenigstens, was ich nächste Woche mache. Wir müssen den Brief am Montag schreiben und am Dienstag muss er spätestens raus. Da sind der Montag und Dienstag weg. Der junge Mann spricht auch kein gutes Englisch, da brauche ich den väterlichen (hoffentlich) älteren Freund dazu. Auch ich habe Probleme die BAMF-Unterlagen zu lesen. Ich will ihm ja nichts versauen.

Heute fährt er erst mal nach Mühldorf zur Caritas. Ich hoffe, dass der nette Kollege noch nicht in Urlaub ist.

26.12.2019 - nix war los, weil ich krank war und auch noch bin (war bei meiner Schwester zum Essen)

Heute Mittag hatte ich 1 x Sierra Leone (Muslim), 1 x Uganda (Christ) und ich (Atheistin)

Es ist einfach nur wunderschön, wenn Herkunft, noch Region noch Hautfarbe  eine Rolle spielen. Es sind tolle junge Menschen.

Gegessen haben sie auch alles und diesmal ist sogar war übrig geblieben. Vorspeise Räucherlachs, Bio aus dem Naturkostladen, mit Apfelmeerrettich und Fenchelorangensalat, Hauptgang Ossu Buco mit Safranpolenta, Nachspeise Früchtebrot mit Orangensahne. Getränke Ingwertee und Wasser

27.12.2019

was für ein anstrengender Tag für mich. ich bin mit einer Lehrerin der Schule, die  sich im Camp befindet vormittags nach Freising gefahren. Dort lebt seit Anfang Dezember eine jemenitische Familie am Arsch der Welt. Wir haben 2 Stunden mit ihnen geratscht, Tipps gegeben und sie konnten sich mal ihren Kummer von der Seele reden. Das war aber vor allen Dingen, weil sie nicht wissen, wie sie Sprachunterricht bekommen sollen, wenn kaum Busse fahren. Aber sie haben uns auch gesagt, wie dankbar sie Deutschland sind, dass sie hier in Frieden leben können und auch etwas Geld bekommen.

Die beiden sind ein Gewinn für unser Land. Sie ist sogar studierte Kindergärtnerin. Ihre Unterkunft ist schäbig. Er ist ja der Zeichenkünstler. Am Schluss hat er uns eine zugeklebte Folie gegeben, die wir hier einem anderen Jemeniten (unserem Videokünster) übergeben sollen. Darf niemand im Camp sehen. Aber für uns hat er noch mal aufgemacht, ein wunderschönes Bild einer eingebeteten jungen Frau.

Allerdings hat mich der Empfänger gestern genervt. Ich war kaum zu hause, da hat er versucht mich mit Whatsappp und Telefonaten zu erreichen. Eva kann ich jetzt kommen? Ich habe aber weder die Whatsapp beantwortet noch bin ich ans Telefon gegangen. Ich war so fertig. Außerdem bestimme immer noch ich, wer mich wann und ob besucht. Werde ihm heute Nachmittag sagen, dass er schnell kommen kann.

Am Nachmittag sind wir dann nach Haar in die Psychiatrie gefahren und haben da einen jungen Mann aus Sierra Leone besucht. Ein Riesengelände, wir wussten überhaupt nicht mehr wo wir sind. Dank lieber Hilfe haben wir dann das Haus 58 gefunden. Es hat so geregnet und daher war kaum jemand draußen. Als wir dann in dem Haus waren hat uns der Schlag getroffen, so hat es da nach Schweiss gestunken.Das die Menschen stark schwitzen,die unter psychischem Druck stehen, ist mehr als verständlich.  Da wäre es an der Leitung für bessere Luft zu sorgen. Die jungen Leute am Empfang waren sehr nett und haben mir auch ein Gespräch mit dem Arzt organisiert. Während wir auf den Arzt gewartet  haben, habe ich zum ersten Mal Kicker gespielt.

Allerdings war ich mehr Behinderung. Bedauerlicherweise war die Ärztin, zu der ich schon Email Kontakt hatte, nicht da.

Und die Vertretung oder was auch immer, hat mein Vertrauen wieder mal erschüttert. Ich dachte Arzt wird man, weil man anderen Menschen helfen will.

Da sind ja die Anwälte den Menschen zugewandter.

Wir waren 8 Stunden unterwegs und sind ca. 300 km gefahren - bzw. auch um München im Stau gestanden.

Auf jeden Fall konnte ich mit dem jungen Mann mal wieder persönlich sprechen und einiges klären. Auch, dass seine frühere Lehrerin dabei war, hat ihm sehr gut getan. Die Psychiatrie könnte man mit mehr Zuwendung bestimmt in einigen Fällen vermeiden. Wenn er nicht diese wahnsinnge Angst vor einer Abschiebung nach Italien - wo er misshandelt wurde - hätte, könnte er hier in Deutschland ein tüchtiger junger Mann werden. Er wird erst im Januar 19 Jahre alt. Wann er hier bleiben dürfte, könnte er in die Berufsintegrationsschule gehen.

Es war ein anstrengender Tag für mich. Die Lehrerin ist 16 Jahre jünger als ich. Sie ist Quereinsteigerin. Auch sie liebt diese  Menschen, hat immer wieder mal einige bei sich zu Hause. Toll, dass da die ganze Familie mitzieht.Sie musste schon 25 km fahren um mich abzuholen und abends musste sie diese Strecke auch wieder zurück.

31.12.2019

Habe mich gerade mit meinem "Enkel" getroffen um ihm für das kommende Jahr alles Gute  zu wünschen. Er fängt am Donnerstag mit der Ausbildung an.

Es wird nicht leicht für ihn werden, morgens früh raus, dann mit Zug und Rad zur Arbeitsstelle. Ausbildung und Schule. Habe ihm eine große Tüte Nussmischung gebracht - soll ihm Kraft geben. Und für die Radfahrten Leuchtstreifen und für den Rucksack einen Warnüberzug.

Am Samstag war er das erste Mal in einem Club beim Tanzen, die schwarzen Augen haben so gestrahlt.

Hier in den Clubs haben sie keine Berühungsängste mit diesen jungen Leuten. Mit Waffen werden immer nur die Osteuropäer erwischt.

02.01.2020

Skype gestern mir meinem nigerianischen Freund in USA. Er verdient  sich jetzt zu seinem Mindestlohnjob noch Geld dazu, indem er Essen ausfährt.

Er kam in Gegenden mit hübschen Häusern, schönen Gärten und Hunden. Da möchte er auch mal leben. Meine Frage: und welche Hautfarbe lebt da?

Da kam ein bitteres Lachen: Weiße natürlich. Es ist eine beschissene Welt.

Er hat mir dann erzählt, was einmal sein Ziel war, als er noch in Nigeria eine gute Anstellung bei einer Versicherungsgesellschaft hatte.

Er wollte dafür sorgen, dass Kinder in seinem Land eine gute Schulbildung bekommen und er hatte auch schon 2 Kindern den Schulbesuch ermöglicht.

Er wollte daher auch, dass faire Wahlen eingeführt werden. Das war sein Schaden, denn er musste politisch verfolgt und gefoltert, sein Land verlassen.

Wir waren uns aber einig, dass wir auch ohne Geld die Welt etwas besser machen können. Einfach ein Lächeln, eine kleine Hilfe beim Rolator schieben,

einen Flüchtling freundlich ansprechen, vielleicht mal auf  einen Kaffee in ein Cafè einladen. Das sollte in einem der reichsten Länder der Welt doch möglich sein.

Integrationstalk

viel war heute nicht los. 3 x Jemen, 2 x Sierra Leone. Die meisten sind noch unterwegs. Silvester haben sie alle in München gefeiert und
dort sich auch mit ehemaligen Campbewohnern getroffen. Auf den Fotos habe ich strahlende Gesichter gesehen und auch viele gute Wünsche fürs neue Jahr erhalten.

Ich hatte heute alkoholfreien Sekt dabei -scheußliches Zeug. Die Flasche war aber ruckzuck leer, Glückskäfer hatte ich auch dabei. Nächste
Woche gibt es dann die 2. Flasche. Bäh

Themen:

1.      Transfer muss vom Camp durchgezogen werden, die Sozialarbeiter machen nur ihren Job.

2.      Vereinbarte Uhrzeiten bitte einhalten. Ich hatte 3 Termine zwischen den Feiertagen ausgemacht. Alle 3 Kasperl standen vor meinem
Haus, wussten aber meinen Nachnamen nicht mehr und konnten so nicht klingeln. Ich hatte nach einiger Zeit immer die Eingebung mal aus dem Fenster zu sehen.

3.      Und sie sollen mir nicht x-Whatsapps schicken. "Eva, ich gehe jetzt los", "Eva ich komme gleich", "Eva ich stehe vorm Haus", Eva ......

4.      Was man dem anderen zum Neuen Jahr wünscht

5.     Gute Vorsätze, die meist am nächsten Tag wieder vergessen sind

6.     Ich habe ihnen dann auch gesagt, dass das vergangene Jahr eines meiner schönsten war und auch warum. Sie haben sich sehr
darüber gefreut. Habe einige Liebeserklärungen bekommen. Da musste ich erst sooo alt werden.

7.     Guter Vorsatz wäre weniger Zeit zu verpennen, sondern Deutsch zu lernen. Nicht "träume Dein Leben, sondern lebe Deinen
Traum". Hoffentlich kam es an.

Es ist schwierig eine Sprache zu lernen, wenn man nicht weiß, wie die Zukunft aussieht. Ich hatte mir mit 16 auch so manches Mal gedacht, warum lerne ich Englisch? Heute - 60 Jahre später - weiß ich es. Damit ich mit ihnen sprechen kann.

8.      Wann dürfen wir arbeiten? Wenn ich das wüsste

Einer der Sierra Leoner hat mir dann noch einen Bericht für den Anwalt übergeben. Ich hatte für ihn vor ein paar Tagen seine BAMF-Papiere beim Anwalt eingereicht und warte jetzt auf Termine.

03.01.20 Kleiner Ratgeber für unsere Neubürger um  sich mit unseren Lebensmitteln  gesund und vor allen Dingen mit Genuss zu ernähren

Ich habe mich mit einem Ehepaar aus Mühldorf getroffen - auch sehr im Ehrenamt engagiert - ob wir gemeinsam einen kleinen Ratgeber, eine kleine Broschüre entwickeln können, die hilft sich gesund zu ernähren. Es soll keine Umerziehung werden, die gewohnten Produkte können weitgehendst eingebaut werden, wenn sie denn hier verfügbar sind. Und es muss  Genuss bringen -  sonst bringt das nichts. Aber das ist alles noch recht vage. Ich musss auch mal drüber nachdenken. Ich werde hier wieder unter dem Stichwort "kleiner Ratgeber" berichten.

Ich bin glücklich, wieder engagierte Menschen getroffen zu haben. Es ist für alle eine Bereicherung

Mein Enkel - er hat jetzt schon 2 Ausbildungstage hinter sich und scheint recht glücklich,  aber müde zu sein. Wir treffen uns Sonntag Nachmittag. Er hat einen Fragebogen bekommen, den wir gemeinsam ausfüllen wollen.

05.01.2020

3 Stunden  habe ich mit meinem Enkel zusammengesessen. Seiin Berichtsheft durchgesehen und einiges erklärt, ich wusste sogar eine Menge übers Auto. Und das ohne Führerschein. Ich hatte Apfelkuchen gebacken und es gab Cappuccino dazu. War ein richtig schöner Nachmittag. Er ist ein netter junger Mann geworden. Da bin ich richtig stolz auf ihn

KIDNAPPING

Da ist noch etwas wichtig: was ihm passiert ist, nennt man wohl kidnapping. und er ist nicht der einzige. Er ist ein Opfer einer Schleppermasche geworden.

An der Westafrikanischen Küste geben sich Männer (Schlepper) als Priester aus und bieten an, bei Problemen, Arbeitslosigkeit die jungen Leute an einen sicheren und besseren Platz zu bringen. (Stand jetzt auch vor ein paar Wochen in der Zeitung, wir Ehrenamtler haben das natürlich schon viel früher mitbekommen). Mein Enkel wusste gar nicht wo er mal landet. Es war Paris. Er wollte nie nach Europa, er wollte nur nicht getötet werden und hat einen sicheren Platz gesucht. Er hat mich gestern gefragt, ob dass dann Schlepper waren. Er dachte immer, er wäre keinem Schlepper in die Hände gefallen, weil er ja nichts bezahlen musste. Aber natürllich hat er bezahlt. Und zwar mir seinen gültigen Papieren. Mit diesen Papieren hat ihn der Schlepper mit nach Paris genommen, ist dort mit seinen Papieren verschwunden und hat nun diese zum Verkaufen. Es werden bis zu 10.000 Euro !!!!bezahllt. Da war der Flug von Afrika nach Paris locker drin. Wenn der junge Mann irgendwann seinen Pass in seinem Heimatland anfordert kostet das zwischen 3000 und 5000 Euro. Nicht weil der Pass so teuer ist, sondern weil man sogenannte Vertrauensanwälte braucht, die den Pass besorgen und die langen richtig zu.

Also hat er sehr wohl den Schlepper bezahlt, die Rechnung kommt noch, und ganz schlimm ist, dass irgendjemand mit seinen Papieren hier in Europa unterwegs ist.

07.01.2020 Computerklassenzimmer

Heute bin ich dem Bayerischen Innenminister zum Opfer gefallen. Er hat heute unbedingt unser Ankerzentrum und das Gebäude auf der anderen Straßenseite (Freiraum 36 - da ist auch das Computerklassenzimmer und der Integrationstalk) besichtigen müssen. Leider hat man es versäumt, mich zu informieren, dass ich und natürlich auch meine Schützlinge nicht ins Gebäude dürfen. So ein Mist, was will er hier.

Da ja immer welche dabei sind, die Hilfe brauchen, haben wir im Regen auf der Straße gestanden und alles besprochen. So ein Scheiß.

Was erfreuliches: Der junge Mann aus Sierra Leone, den ich vor  ein paar Tagen in der Psychiatrie besucht hatte, hatte die Mitteilung bekommen,  dass er nicht nach Italien abgeschoben wird. Als ich heimkam, lag die Nachricht vom Anwalt im Mail-Postkasten. Ich habe dann gleich versucht, den jungen Mann anzurufen, aber er war so ruhig gestellt, dass er nichts verstanden hat. Ich habe dann KOntakt zu seiner Ärztin in der Klinik aufgenommen und sie gebeten, das Schreiben vom Anwalt an ihn weiterzuleiten. Später hat er mich dann doch angerufen. Am Freitag wird er entlassen.

und jetzt kommt mein Problem, damit der Anwalt weiter arbeitet, muss erst die ausstehende Rechnung über ca. 670 Euro bezahlt werden.

Mein Aufruf - ich suche Spender für diesen Betrag. Jede kleine Summe ist sehr willkommen.

Die Anzahlung über 250 Euro hatte ich schon im Sommer gemacht.

Außerdem hoffe ich, dass mich am Wochenende jemand nach Grub  bei Poing fährt um den jungen Mann zu besuchen um alles mit ihm zu besprechen.

Die Lehrerin, mit der ich ihn schon im Krankenhaus besucht hatte, versucht es möglich zu machen.

08.01.2020- Eine Anfrage bei unserer VHS - kann ein Asylbewerber am Deutsch C1-Kurs teilnehmen. Wahrscheinlich nur für eine kurze Zeit, weil er ja jederzeit verlegt werden kann

meine heutige Mail an die VHS:

ich betreue im Rahmen des Integrationstalks im Freiraum 36 einen jungen Mann aus dem Jemen, zur Zeit wohnhaft im Ankerzentrum.

Er möchte gerne am C1-Kurs teilnehmen. Gibt es  eine Möglichkeit zeitlich begrenzt in den laufenden Kurs einzusteigen? Er weiß ja
nicht, wann er das Ankerzentrum verlassen darf und an einen anderen Ort verlegt wird. Aufenthaltsgestattung hat er. Er möchte in München studieren und benötigt dazu C1. B2 hat er.

So lange er hier ist, würde er diese Chance einen C1-Kurs zu besuchen, gerne wahrnehmen.


Hallo Frau Schnitker,

danke für Ihre Anfrage. Hierzu kann ich Ihnen aber leider keine positive Antwort geben... Wir haben bei uns nur einen Deutsch-C1-Sprachkurs
- im Rahmen der Berufssprachlichen Deutschsprachförderung des BAMF, und hier sind nur Teilnehmer mit Berechtigung durch das BAMF, die Arbeitsagentur oder das Jobcenter zugelassen. Und selbst mit deren erteilter Berechtigung ist es nicht zulässig, inmitten des Kurses einzusteigen oder nur Teile des (400-stündigen) Kurses zu absolvieren.

Die DeuFöV ist hier sehr strikt gefasst und das BAMF räumt uns als Auftragnehmer keine Spielräume ein. Es tut mir leid, dass wir Ihrem
jungen Herrn nicht helfen können.

Vielleicht ergibt sich anderweitig mal eine Gelegenheit.

Meine Antwort darauf:

Sehr geehrter Herr , vielen Dank für Ihre schnelle Antwort, deren Inhalt mich sehr enttäuscht (nicht Sie). Da wird immer von fordern und fördern gesprochen. Scheint aber eine sehr einseitige Angelegenheit zu sein. Das tut weh.


neue Mail der VHS: Ich teile Ihre Auffassung voll und ganz. Aber was ich vorher noch gar nicht aufgeführt hatte: wenn der Herr Flüchtlingsstatus hat, dann
bekäme er nicht einmal eine Berechtigung für diese Kurse (hiervon ausgenommen sind derzeit nur Flüchtlinge aus Syrien und Eritrea).


Manchmal ist es schon zum Verzeifeln. Heute ist wieder mal ein Scheißtag für mich. Grrrrr

Integrationstalk 09.01.2020

nach gestern bin ich schon wieder besser gelaunt und freue mich, dass das neue Jahr so gut weiter geht, wie das alte aufgehört hat.

Gestern waren 7 Jemeniten, 2 Sierra Leoner und 1 Jordanier da. Der ist vielleicht ein Herzchen. Will arbeiten, war aber gerade einmal im
Computerklassenzimmer, das erste Mal im Integrationstalk und aus der Schule ist er rausgeflogen - wegen schlechten Benehmens. Ich habe trotzdem viel Spaß mit ihm. Bei einem unserer Stadtspaziergänge war er aber dabei und auch beim Stadtparkkonzert. Er ist mehr fürs Vergnügen zu haben. Schräger Vogel.

Einer der Jemeniten kam etwas eher, damit wir noch alleine seine Probleme (u.a. gesundheitlicher Natur) besprechen konnten. Er hat eine
starke Schilddrüsenüberfunktion. Ich werde ihm zum nächsten Mal Ernährungsvorschläge mitbringen.

Für den jungen Sierra Leoner hatte ich in der Apotheke Kurkuma besorgt. Bei uns lernt man gerade wieder wie wichtig die antiseptische
Wirkung dieses Gewürzes ist. Er wusste darum und bat mich, ihm Kokosöl und Kurkuma zu besorgen. Daraus macht er eine Creme für seine Brandwunden. Ganz üblich in Sierra Leone.

.

Themen:

Wer nicht in den Integrationskurs kommt, kann von mir keine Hilfe erwarten. Es fangen mich immer welche vor der Unterkunft ab und wollen
etwas wissen. Gerne - aber nur im Rahmen des Integrationstalks und Besuch des Computerklassenzimmers

Jeder der jetzigen TN soll nächstes Mal versuchen, einen anderen mitzubringen

Wieder darauf hingewiesen, dass meine Hilfe sehr begrenzt ist und sich meist nur auf Tipps beschränken muss

Alle sollen mir ihr Lieblingsessen und die benötigten Zutaten aufschreiben - für den Ernährungsratgeber


Deutschland wird immer mehr 2-sprachig. In einigen Firmen ist es bereits die Firmensprache - also auch die Englischen Sprachkenntnisse
nicht vernachlässigen

Veränderungen im Ankerzentrum: es leben nur noch ca. 250 Leute da und es sollen auch nicht mehr werden. Dann sollen es weniger
alleinstehende Männer sein (schade, schade), man will mehr Familien unterbringen. (OVB 7.1. und 9.1.)

Besuch des Innenministers angesprochen. Sein Fazit: es ist besser geworden, aber es gibt immer noch Beschwerden von Anwohnern.

Meine Hinweise: ab 22 Uhr keine laute Musik mehr. Kein arabisches Palaver im Supermarkt neben an. Dabei auch nochmal darauf hingewiesen, dass ein Grund, warum niemand an Muslime vermieten will, die nächtlichen Ruhestörungen während des Ramadan sind. Sie fangen mitten in der Nacht zum Kochen an und beim Sonnenaufgang wird gegessen, möglichst mit vielen anderen zusammen. Wir wollen nachts schlafen, wollen kein Essen riechen und morgens gerne ausschlafen. Einwand: "Aber das ist doch unsere Religion". In Deutschland sind Kirche und Staat getrennt und der Staat sagt "Nachts keine Ruhestörung"

Gilt auch für 5 x beten am Tag. Nicht am Arbeitsplatz. Können sie gerne abends nachholen. "Was sagt da Allah" - der wird stolz sein, dass  Ihr so fleißig seid. Mmmhhhh???

Dann die Zeitungsartikel angesprochen, dass auf einem Dorf ein Deutscher Muslim nicht als CSU-Bürgermeister-Kandidat akzeptiert wurde -
was für Kleingeister  OVB 07.01.

Eine Syrische Familie wurde von einem Makler abgezockt. OVB 07.01.

Bitte Verträge immer von jemand vorab durchlesen lassen, z.B. Jobcenter, Caritas usw.

Ich hatte noch mal eine Flasche alkoholfreien Sekt und Glückskäfer aus Schokolade dabei. Ich mag beides nicht, aber die jungen Männer
schon sehr.

11.01.20

Gestern Abend habe ich die Nachricht erhalten, dass mein "Enkel"  am Vormittag ins Krankenhaus kam. Bauchschmerzen.

Soeben habe ich den Grund erfahren: Muskelverhärtung im Sixpack!!!! Er darf in Zukunft nicht mehr soviel trainieren. Ab jetzt machen wir mehr Gehirntraining für die Ausbildung.

13.01.20

Nachhilfeunterricht für meinen "Enkel" und andere: Ich hatte erfahren, dass man dafür monatlich 50 Euro bekommen kann. Hätte ich gerne genommen und an meine Schützlinge weitergegeben. Also habe ich mich an Das Rote Kreuz gewandt, dass dafür zuständig ist. Hier die Antwort:

"das Seminar findet in München statt und dauert ein Wochenende, die Kosten werden meiner Information nach von SES übernommen.

Die 50 € sind allerdings auch als Ersatz für Fahrtkosten und als Aufwandspauschale für Sie anzusehen und nicht für eine Weitergabe an die Geflüchteten für Anwaltskosten oder andere Belange. Ich würde auch immer davon abraten, als Ehrenamtlicher Geldbeträge an die Geflüchteten zu verleihen oder Ähnliches. "

Darüber war ich sehr enttäuscht. Hier meine Antwort:

"vielen Dank für die Auskunft. Muss ich noch mal drüber nachdenken.

Allerdings spreche ich nie von Flüchtlingen, sondern von meinen Schützlingen. Und ich helfe gerne, meine Mittel  als Rentnerin sind allerdings begrenzt.

Und wenn ich mal mit Geld unterstütze dann ist das nichts gemessen an dem, was ich von diesen Menschen zurückbekomme. Diese Arbeit ist die besthonorierteste meines Lebens.  Im Übrigen zahlen die meisten das ausgelegte Geld zurück. Manchmal schenke ich aber auch das Geld und andere Zuwendungen. Das ist aber vorher festgelegt."

Ganz erfreuliches gibt es auch zu berichten, ich bekomme noch mal einen Zuschuss zu den Anwaltskosten. Und falls mir was übrig bleibt kommt es in die Kasse für meine "Schützling-Hilfe". Der lieben Spenderin ganz herzlich Dank, zumal sie es auch nicht dicke hat, im Gegenteil.

14.01.2020

Ein sehr anstrengender Tag. Vormittag schon einige Kontakte mit verschiedenen Anwälten. Ganz schnell waren ein paar Stunden weg. So ging es mir auch gestern Abend, ich wollte früh ins Bett als noch so einige Probleme hereinkamen.

Internetklassenzimmer - es kamen nur Absagen, bis auf einen Mann aus Sierra Leone für den ich Unterlagen vom Anwalt dabei hatte. Gestern waren 2 Jemeniten bei mir, einer wollte Auskunft über Familienzusammenführung, der andere war zum Dolmetschen dabei. Das war auch der Grund,  warum ich gleich heute morgen Kontakt zu einer Anwältin aufgenommen habe. Sie hat mir aber bestätigt, dass  ich mit meiner Auskunft richtig lag, so lange man noch im Ankerzentrum ist, gibt es da gar keine Möglichkeit.

Wenn er ein Bleiberecht hat, dann müssen seine Frau und die Kinder nach Amman und dort bei der Deutschen Botschaft Visen für Familienzusammenführung beantragen.


"Enkel" kam gestern wieder aus dem Krankenhaus - sein Chef hat ihn abgeholt und nach Hause gebracht - eine Woche ist er krank geschrieben. Morgen treffen wir uns, ich denke ich muss ihm erklären, wie man schwere Sachen hochhebt ohne sich einen Bruch zu heben.

Inzwischen kam von dem jungen Mann, der jetzt schon 2 x in der Psychiatrie war und seit gestern wieder in seiner Unterkunft ist, dass er sich nicht zu helfen weiß, er kennt sich nicht mehr aus und ich soll ihn nächste Woche wieder in die Psychiatrie bringen. Nächste Woche habe ich keine Fahrgelegenheit. Ich wollte ihn am Samstag besuchen - ist in der Nähe von München - und so einiges mit ihm besprechen. Inzwischen habe ich das Krankenhaus angeschrieben,  ob ich ihn am Samstag da hinbringen kann.

Er möchte unbedingt am Freitag mit dem Anwalt sprechen. Mal sehen, ob das geht. Normalerweise hat der Anwalt freitags Gerichtstermin. Ich hatte schon einen persönlichen Termin für den 28.01. vereinbart.

Im  MOment bin ich ziemlich hilflos. Ich hoffe, dass ich morgen eine Antwort von der Klinik bekomme, wie ich vorgehen soll.

Ein schwerer und schwieriger Tag.

15.01.2020

Von der Klinik habe ich die Nachricht erhalten, dass er jederzeit in die Notaufnahme kommen kann und um Aufnahme bitten kann.

Ich denke, er braucht eine Dauerbetreuung. Ich hatte gehofft, dass mein "Enkel" heute kommt, damit er mit S.K. telefonieren kann, am besten  in ihrer Sprache Kio. Aber er leidet noch vor sich hin. Nun hoffe ich, dass es am Freitag klappt. Dann kann ich klären, ob wir am Samstag zusammen in die Notaufnahme fahren.

Es muss doch so etwas wie betreutes Wohnen für psychisch Kranke geben.

16.01.2020

Wahnsinn, unsere Ehrenamtsköchen hört krankheitsbedingt auf, die Küche zu betreuen. Wir haben ja für die  Bewohner des Ankerzentrums in einem Haus gegenüber  - wo auch die Sprachkurse und der Integrationstalk stattfinden - eine Küche eingerichtet. Jeden Mittag treffen sich da Leute aus dem Ankerzentrum zum Kochen ihrer Landesküche.

Gestern Abend wurde also meine Kollegin verabschiedet. Es waren ca. 60 Leute. Seit Mittag hatten sie schon gekocht. Den Hauptanteil der Kosten hat meine Kollegin getragen, dürften einige 100 Euros gewesen sein.

Das Essen war sehr sehr gut - allerdings essen die meMitisten Leute - auch die Deutschen - viel zu viel. Sieht man meistens. Fast alle, die da waren, kannte ich bereits, habe aber wieder 2 nette junge Männer aus Sierra Leone und einen sehr netten Nigerianer kennengelernt. Ich hoffe, sie kommen zum Integrationstalk.

Ein junger Syrer, der auch beim letzten Ausflug dabei war, hat mir gesagt, dass er wieder nach Syrien zurück geht. Er hat so Sehnsucht nach seiner Tochter. Wohin er denn geht?

Nach Idlib - Wahnsinn. "Ich muss dahin, ich muss für meine Tochter da sein."

So herrlich es  gestern war, so laut war es. Ich war froh als ich zurück in meiner ruhigen Wohnung war.

17.01.2020

Heute habe ich erfahren, dass es in Zukunft Schulunterricht für alle Asylsuchenden im Ankerzentrum geben soll, unabhängig vom Alter. Bisher war es nur für Leute unter 24 Jahren möglich. Und dann ist der Besuch der Schule auch Pflicht. Finde ich super. Waldkraiburg tut sehr viel für diese Leute.

18.01.2020

mit meiner Schwester - sie ist immer so lieb und spielt Taxi auf ihre Kosten - bin ich nach Grub/Poing gefahren um den jungen Mann aus Sierra Leone zu besuchen, der jetzt schon 2 x in der Psychiatrie war. Als ich diesen elenden Platz gesehen habe, musste ich mich sehr zusammmenreißen um nicht auszurasten. Wir sollten uns schämen. Schon wieder einmal.

Wir sind zusammen in ein Café gegangen, es war Mittagszeit und er hatte noch nichts gegessen. Es gab Pute in der Semmel, Cappuccino (den er aber nicht getrunken hat?!?) und Cola.

Ich habe ihm gesagt, dass er besser aus sein Äußeres achten muss, die Fingernägel waren gut 1 1/2 cm lang !!!!!!!. Grauenvoll. Er hat keine Schere und auch keine Feile. Auch die Haare waren sehr ungepflegt. Warum hat man das in der Psychiatrie nicht gesehen? Ansonst waren Kleidung und Körpergeruch tadellos. Das Containerkabuff ist so klein. Nur 2 Betten und 2 schmale Schränke, kein Tisch kein Stuhl. Wo er denn isst? Im Bett aus dem  Topf. Mir graust es - wenn da Essen rausfällt liegt das im Bett, wenn Fliegen kommen, kommen die Maden.

Igitt. So lange er hier war, war er immer tadellos. Unser Ankerzentrum ist dagegen ein Luxushotel. Alle, die da mal gewohnt haben und dann woanders hinkamen, bestätigen das.

Ich habe ihm dann die Aufstellung übergeben, wie er die von mir ausgelegten Kosten zurückzahlen muss. Dabei stellte sich heraus, dass er seit Wochen kein Geld mehr bekommen hatte.

20.01.2020

Inzwischen war er bei der Ausländerbehörde und hat jetzt eine Aufenthaltsgestattung zur Durchführunge seines Asylverfahrens, das jetzt beim Verwaltungsgericht liegt. Was danach kommt, ist immer noch ungewiss. Darf er dann bleiben, muss er nach Italien zurück oder nach Sierra Leone - die nehmen aber ihre Leute nicht zurück, bleibt Italien. Die werden sich auch nicht darum reißen.

Er hat sogar den Vermerk,  dass er mit Genehmigung des Ausländerbehörde arbeiten darf. Und seit heute geht er wieder in die Schule. Ich hoffe, er bekommt sein Leben auf die Reihe.

Ich habe ihm ein paar Fotos von seiner Zeit hier in Waldkraiburg geschickt. Da schaut er noch ganz glücklich. Eines hat er gleich als Profilbild bei Whatsapp genommen.


Dann habe ich auch einen Anruf bekommen von einer anderen Ehrenamtlerin - ich kenne sie nicht, ist aus einem anderen Dorf - sie hat einen jungen Somalier, der Deutsch in der VHS lernt. Er sucht aber jemand, mit dem er Deutsch sprechen kann. Es hatte sich eine ältere Damen - 5 Jahre älter als ich gemeldet - aber die Familie hat er ihr untersagt, zu gefährlich!!

Blödsinn. Ich habe sie gebeten heute zum Computersprachunterricht zu kommen und auch am Donnerstag zum Integrationstalk. Mal sehen, wie wir helfen können.

Als  ich den Anruf bekam, war gerade ein ältere Mann (45) auch aus Sierra Leone bei mir. Er sollte mir einen Bericht für den Anwalt bringen, hat er aber nicht gemacht. Wenn er klagen will, braucht der Anwalt den Bericht. Also ruckizucki. Aber wir haben uns dann einfach so 1 Stunde unterhalten. Er war Fischer, aber Fisch gibt es kaum noch, die großen Trawler der Europäer fangen alles weg. Ja ist bekannt. Geändert wird trotzdem nichts. Seine 2 Kinder sind an Ebola gestorben. Ich glaube seine Frau auch. Sie auf jeden Fall auch Tod.

21.01.2020

habe gerade eine Mail vom Anwalt bekommen, dass die Kosten für den jungen Mann - für den ich ja gesammelt hatte - evtl. der Staatskasse zur Last fallen - HURRA. Mal sehen, wieviel wir - d.h. ich - wieder bekomme. Das Geld kommt dann in die Kasse für Asylnotfälle

22.01.2020

Morgens bei einer Anwältin moniert, warum nichts weitergeht, um dann zu erfahren, dass der Brief mit entsprechenden Unterlagen nie bei ihr angekommen ist. In Zukunft muss ich per E-Mail solche Sachen avisieren. Jetzt haben wir fast 2 Monate verloren und seitdem hat der junge Mann im Ankerzentrum kein Geld mehr bekommen, bzw.  schon seit 4 Monaten nicht mehr. Er kann sich ja nicht mal den kleinsten Wunsch erfüllen.

Für Raucher wäre das eine gute Entziehungskurs. Aber er raucht und trinkt ja nicht. Aber mal ein Eis wäre schön, oder eine Tasse Kaffee

Dann für 2 andere Termine mit dem Anwalt vereinbart, bzw. verschoben.

Mit dem Arbeitsgeber des anderen telefoniert.

Sehr positiv: der junge Mann mit den psychischen Problemen ist in einer Schule untergebracht worden, wo man sich seiner speziell annimmt. Da fällt eine große Last von mir ab.

Er hat heute Geburtstag und hat sich über meine Geburtstagsgrüße sehr gefreut.

sehr positiv: Skype mit meinem Freund in USA - das Wochenhighlight