Tagebuch Ehrenamt, Teil 9


und wieder eine neue Seite - in Bayern ein Feiertag

30./31.10.2018

Dienstag, Computerklassenzimmer

wir waren wieder gut besetzt - aber auch 3 Betreuer und wir hatten wieder 2 Babies. Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen, wie lieb die Männer zu den Kindern sind. Wunderbare Erfahrung. Es sind ja nicht ihre Kinder. Aber alle kümmern sich um die kleinen Babies.

Geärgert haben wir uns auch. Eine Frau und ihr Sitznachbar haben Kartoffelchips gegessen. Als sie weg waren, haben mein Kollege und ich den Saustall gesehen. Der Teppichboden war voller Brösel. Wir sind dann alle 3 über den Boden gekrochen und haben versucht alles wieder einzusammeln. Wir haben in diesem Raum keine Reinigungsmöglichkeiten. Aber waren bis sich alles festgetreten hat, wollten wir auch nicht.

Gestern habe ich dann den Mann darauf hingewiesen, dass so eine Sauerei unterbleiben muss. Wir sind nicht ihre Putzkolonne

Mittwoch, Konversations- und Integrationskurs

Dieser Mittwoch war etwas anders als sonst. Mein geschätzter Kollege hört in 2 Wochen auf. Er zieht leider weg. Sein Einsatz auch außerhalb der Kurse war fantastisch. Er hat viel Geld aus eigener Tasche locker gemacht, hat Spender gefunden, hat junge Flüchtlinge über viele Wochenende bei sich aufgenommen, damit sie auch Familienanschluss haben. Einmalig. Und seine Frau hat das auch alles unterstützt.

Er ist in einem religiösen Kreis, der sich aus der Baptistenkirche herausentwickelt hat. Aber er macht bei der Betreuung keinen Unterschied, ob Christ, Muslim oder nix, so wie ich.

Also gab es gestern einen kleinen Abschied. Die Zeitung war da, der 2.Bürgermeister und unsere beiden Oberhäuptlinge. Leider sind von unseren Schüler nur 3 gekommen. Sein Nachfolger hatte einen Termin beim Landratsamt und der andere musste nach München zur Ausweisverlängerung.

Manchmal ist es schon zum Verzeifeln. Am Dienstag waren so viele da, ich hatte alle gebeten ja am Mittwoch wieder zu kommen. Hat nix genutzt.

Aber auch von den deutschen Kollegen ist niemand gekommen. Deppen.


Was anderes: eine der Ugandaer hat einen Job bei Amazon bekommen, allerdings in Schichtarbeit. Er wohnt ja jetzt in Schrobenhausen, Regierungsbezirk Schwaben und würde gerne näher an die Arbeitsstelle ziehen. Er ist ca. 70 km unterwegs. Ein Umzug wird nicht gestattet. Das sind doch echt alles Vollpfosten. Der Anwalt sagt, da könnte er gegen klagen. Das muss aber auch bezahlt werden. Ich habe aber keinen Geldscheißer und bei Amazon bekommt er nur den Mindestlohn. Und wenn er dann davon auch eine Wohnung bezahlen muss, dann bleibt ihm kein Geld für den Anwalt.


Und aktuelle Politik macht mir auch keine Hoffnung. Ich werde Anarchist.