Tagebuch Ehrenamt, Teil 9


und wieder eine neue Seite - in Bayern ein Feiertag

30./31.10.2018

Dienstag, Computerklassenzimmer

wir waren wieder gut besetzt - aber auch 3 Betreuer und wir hatten wieder 2 Babies. Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen, wie lieb die Männer zu den Kindern sind. Wunderbare Erfahrung. Es sind ja nicht ihre Kinder. Aber alle kümmern sich um die kleinen Babies.

Geärgert haben wir uns auch. Eine Frau und ihr Sitznachbar haben Kartoffelchips gegessen. Als sie weg waren, haben mein Kollege und ich den Saustall gesehen. Der Teppichboden war voller Brösel. Wir sind dann alle 3 über den Boden gekrochen und haben versucht alles wieder einzusammeln. Wir haben in diesem Raum keine Reinigungsmöglichkeiten. Aber waren bis sich alles festgetreten hat, wollten wir auch nicht.

Gestern habe ich dann den Mann darauf hingewiesen, dass so eine Sauerei unterbleiben muss. Wir sind nicht ihre Putzkolonne

Mittwoch, Konversations- und Integrationskurs

Dieser Mittwoch war etwas anders als sonst. Mein geschätzter Kollege hört in 2 Wochen auf. Er zieht leider weg. Sein Einsatz auch außerhalb der Kurse war fantastisch. Er hat viel Geld aus eigener Tasche locker gemacht, hat Spender gefunden, hat junge Flüchtlinge über viele Wochenende bei sich aufgenommen, damit sie auch Familienanschluss haben. Einmalig. Und seine Frau hat das auch alles unterstützt.

Er ist in einem religiösen Kreis, der sich aus der Baptistenkirche herausentwickelt hat. Aber er macht bei der Betreuung keinen Unterschied, ob Christ, Muslim oder nix, so wie ich.

Also gab es gestern einen kleinen Abschied. Die Zeitung war da, der 2.Bürgermeister und unsere beiden Oberhäuptlinge. Leider sind von unseren Schüler nur 3 gekommen. Sein Nachfolger hatte einen Termin beim Landratsamt und der andere musste nach München zur Ausweisverlängerung.

Manchmal ist es schon zum Verzeifeln. Am Dienstag waren so viele da, ich hatte alle gebeten ja am Mittwoch wieder zu kommen. Hat nix genutzt.

Aber auch von den deutschen Kollegen ist niemand gekommen. Deppen.


Was anderes: eine der Ugandaer hat einen Job bei Amazon bekommen, allerdings in Schichtarbeit. Er wohnt ja jetzt in Schrobenhausen, Regierungsbezirk Schwaben und würde gerne näher an die Arbeitsstelle ziehen. Er ist ca. 70 km unterwegs. Ein Umzug wird nicht gestattet. Das sind doch echt alles Vollpfosten. Der Anwalt sagt, da könnte er gegen klagen. Das muss aber auch bezahlt werden. Ich habe aber keinen Geldscheißer und bei Amazon bekommt er nur den Mindestlohn. Und wenn er dann davon auch eine Wohnung bezahlen muss, dann bleibt ihm kein Geld für den Anwalt.


Und aktuelle Politik macht mir auch keine Hoffnung. Ich werde Anarchist.

26.11.18

Es war so viel los und ich musste einiges für meine Schützlinge erledigen. Berichte schreiben usw. Das ist nicht einfach. Manche haben schon ein eigenartiges Englisch und ich bin ja auch nicht so gut in Englisch. Da dauern ein paar Seiten schon mal mehrere Stunden.


Zu AMAZON: da muss ich etwas klar stellen. Es werden 3 Euro über dem Mindestlohn gezahlt, allerdings auch im Schichtbetrieb. Trotzdem ok. Und es gibt statt der Mindesturlaubstage - 20 - 28 Tage.

In den Kursen hat sich auch einiges getan. Mein  geschätzter Kollege, ein wahres Juwel, ist heute nach Leipzig gezogen. Wir werden ihn sehr vermissen, besonders die Migranten, die er mit Tat und Geld unterstützt hat. Auch deren Familien, z.B. im Kongo. Hatte ich ja schon berichtet.

Ein junger Nigerianer, bzw. 2 springen ein, besser wollten einspringen. Einer von ihnen wurde vorige Woche verlegt. So ein Mist, dabei hatte er bereits eine mündliche Zusage eines Altenheims als Pflegekraft. Er war nicht bei uns, sondern in einem anderen Gebäude. Für ihn springt jetzt der ein, der eigentlich mich unterstützen sollte. So bin ich jetzt erst mal alleine. Wäre ja kein Problem, wenn die Computer immer so wollten wie sie sollten. Ich habe noch einen jungen Nigerianer, dessen ich mich annehme und er will versuchen, ob er mir helfen kann. Für ihn schreibe ich gerade einen Bericht für den Anwalt zum Weiterreichen ans Gericht. Tagelang durch die Wüste, da allein gelassen, ohne Wasser ohne Essen, dann 2 Jahre im Gefängnis im Libyen. Dann Überfahrt mit so einem Seelenverkäufer nach Sizilien, von da nach Bari, nach ein paar Tagen aus dem Lager geworfen, mit der Aufforderung zu verschwinden.

Er hat dann mit anderen in einer Höhle gelebt und als es kalt wurde in einem Bahnhof. Um zu überleben und an Geld zu kommen, hat man ihm angeboten auf dem Strich zu gehen. Das war dann zu viel und er hat sich nach Deutschland durchgeschlagen.

Die Sprachkurse sind immer gut besucht gewesen in letzter Zeit, aber vorige Woche wurden mehr als 40 Personen an andere Orte verlegt, darunter auch einige unserer Schüler. Schade, schade. Das macht mich immer sehr traurig und dann kann ich hier schlecht was schreiben.

So einigen Zoff hat es auch in unserem Ankerzentrum gegeben. Fast immer sind die Frauen der Auslöser. Wenn es nach mir ginge, müssten sie ihre Frauen nicht mitbringen, wenn diese nicht im Heimatland bedroht sind. Lieber erst nachholen, wenn sie hier in Deutschland ein Bleiberecht haben.

Und die Frauen, die aus Bedrohung usw. geflohen sind, sollte man, falls sie alleine gekommen sind, in Extraunterkünfte bringen. Ebenso Familien.

Auch die Polizei hat mir bestätigt, dass fast immer Frauen der Grund für irgendwelche Prügeleien sind. Afrikanische Frauen sind sehr sehr selbstbewusst.

Das sind keine Hascherl. Leider sind sehr viele dabei, die entsetzliches durchgemacht haben und dringend Hilfe brauchen.

Im Kurs sind jetzt eine Kongolesin (mit Baby und 2 Nigerianerinnen( eine mit Baby) und seit letzter Woche kommt auch wieder ein Frau aus Somalia. Sie war vor 2 Jahren schon im Kurs, hat jetzt eine Schule besucht. Im Januar geht die Schule weiter. Aber die Zeit will sie bei mir im Kurs überbrücken. Sie sucht dringend Arbeit, braucht aber ein besseres Sprachniveau. Sie ist leider schon zu alt für die Berufsintegrationsschule. Sie hat ihre Kinder schon seit 3 Jahre nicht mehr gesehen. Sie sind bei der Oma in Mogadischu.

Zu den Ugandaern, egal wo sie sind, habe ich immer noch guten Kontakt. Da ist einmal der junge Mann Italien, für den ich jetzt wieder in den Ital. Kurs gehe, damit wir italienisch whatsappen können.

Für einen anderen, der dringend psychiatrische Betreuung braucht, habe ich Kontakt zum Schwulen- und Lesbenzentrum in München Kontakt aufgenommen. Sie hatten ihm einen Termin beim Psychiater vermittelt. Da ist aber in der Kommunikation was schief gelaufen.

Interessant: Ich hatte am Abend eine Mail geschickt - über den Computer - und am nächsten Morgen hatte ich schon auf meinem Handy Werbung für Sexspielzeug. Wer  kennt sich damit aus? Ich nicht. Wir stehen schon extrem unter Kontrolle.

Aber in dem Zentrum waren sie sehr nett und hilfsbereit. Ich hoffe, dass ich jetzt einen Termin für den Mann bekomme.

Er will mich auf jeden Fall Weihnachten für ein paar Tage besuchen. Kann er gerne machen.


Apropos Besuch. Am Samstag Abend schrieb mich ein anderer Ugandaer an, ob er von Sonntag auf Montag bei mir übernachten kann. Er hat einen Termin um 8 Uhr in Waldkraiburg. Die Zugverbindungen sind aber schlecht, um morgens rechtzeitig anzukommen. Ja kann er machen. Er wollte dann um 19 Uhr da sein. Ich habe was gekocht, musste erst mal auf Suche nach "halal" gehen, aber er kam dann leider 2 Stunden später - wie immer Zugausfall auf der Strecke - und hatte dann schon gegessen. Jetzt habe ich für den Rest der Woche Gemüsereis und Rindswürstl.

Ich hatte ihm dann versprochen, ihn um 7 Uhr zu wecken. Frühstück Cappuccino und selbst gemachten Apfelkuchen. Das hat auch geklappt, Nur 2 Stunde später, weil ich meinen Wecker nicht gehört habe und er wohl seinen auch nicht.

Hoffentlich hat sein Termin noch geklappt. Er musste sich ja frei nehmen. Seit 4 Monaten hat er einen Job. Er baut Getriebe zusammen. Man hat ihm nach kurzer Zeit einen selbständigen Arbeitsplatz gegeben. Allerdings wird die Arbeitsgenehmigung immer nur für 6 Monate von der Ausländerbehörde erteilt.

Man war da sehr begeistert, dass er schon so gut Deutsch kann. Er hat sich dafür gestern noch mal bedankt. Wenn wir uns schreiben, korrigiere ich ihm auch immer seine Fehler.

27./28.11.18

Computersprachkurs: Voll besetzt - was leider die Computerleistung verringert. Für die Technik hatte ich auch gleich 2 Helfer.

Für einen hatte ich von meiner Franz. Lehrerin, bzw. ihrem Mann,  einen tollen Mantel, Weste Schal und Hose bekommen. Mantel von Bogner. Super.

Er hat sich sehr gefreut.

Mein Kollege, der ja eigentlich am Montag nach Leipzig umziehen wollte, hat sich beide Hände am letzten Tag hier gebrochen und liegt nun hier im Krankenhaus. So ein Pech aber auch.

Konversations- und Integrationskurs: Ich bin stocksauer. Es ist niemand gekommen. Der Kurs beginnt um 15 Uhr und als um 15 Uhr 30 noch niemand da war, bin ich wieder gegangen. Da kam dann der junge Nigerianer, den ich für 14 Uhr 45 bestellt hatte, damit wir noch seinen Bericht für den Anwalt durchsprechen können. Er sollte durchlesen, was ich schon geschrieben hatte, ob alles stimmt. Seine Schrift und sein Englisch sind nicht gerade einfach für mich zu erkennen. Also gut er kam, hatte aber nichts gemacht. Als ich ihn gefragt habe, wo die anderen sind "Oma, heute ist es zu kalt".

Ich habe ihm erklärt, dass Wetter keine Ausrede ist. Ich bin ja auch da. "Ja Duuu bist ja an das Wetter gewöhnt". Auweia.

Jetzt bin ich also früher zuhause und kann hier noch was schreiben. Handy geht ja nicht.

29.11.18

gestern kam noch eine Mail von dem jungen Nigerianer, er hat den Ablehnungsbescheid für seinen Asylantrag bekommen. Also haben wir uns heute morgen getroffen, alles durchgesprochen. Bericht war auch überarbeitet. Den habe ich gleich an den Anwalt weitergeleitet. Leider noch keine Antwort

und ich habe dem jungen Mann gesagt, er solle mal über eine freiwillige Rückkehr in sein Land nachdenken. Sehr schwer für ihn. Seine Eltern hat er schon vor 10 Jahren verloren. Seine Oma, die ihn aufgezogen hat, ist jetzt im Oktober gestorben. Von seinen 4 Geschwistern lebt nur noch ein Bruder. Er ist der jüngste. Und so nervös und hibbelig.


02.12.18

gestern musste ich für einige meiner Jungs Seelenmassage machen. Der junge Mann, der den Ablehnungsbescheid bekommen hat, hat jetzt auch noch erfahren, dass er Waldkraiburg verlassen muss. Wohin und wann wissen wir noch nicht. Verstehe nicht warum. Das macht die Termine mit dem Anwalt schwierig und vor allen Dingen teuer. Je weiter er weg ist, umso teurer das Zugticket. Auch ein Bayernticket geht ins Geld, wenn man keines hat.

Am Donnerstag hatte ich seinen Anwalt angeschrieben, aber noch nichts gehört. Hoffentlich bekommen wir noch einen Termin, so lange er da ist.


Ein anderer - auch aus Nigeria - wurde vorige Woche verlegt. Gestern kamen Bilder aus dem Krankenhaus. Ich weiss aber noch nicht, was passiert ist.


Einer der  Ugandaer, der mich auch immer wieder mal besucht, muss einen Antrag bei einem Hilfsprojekt für psychische Probleme stellen. Alles auf Deutsch. Wir werden heute um 14 Uhr telefonieren um das ganze auf die Reihe zu bringen. Leider spricht er noch nicht so gut Deutsch und seinEnglisch ist auch gewöhnungsbedürftig. Aber immerhin hat er einen befristeten Arbeitsvertrag bekommen und ich hoffe, dass dieser verlängert wird.


Bis 22 Uhr habe ich Whatsapps geschrieben. Auch meine Kollegin brauchte übers Wochenende noch so einiges für die Zertifkate. Am Mittwoch können wir 8 aushändigen - an die, die noch da sind. Es geht dann immer sehr schnell. Innerhalb von 2 bis 3 Tagen müssen sie weg. Manchmal ist keine Zeit Auf Wiedersehen zu sagen.

Na so was, da habe ich am Mittwoch (05.12.) geschrieben und jetzt steht gar nichts da. Tstsssss

04.12.Computersprachkurs

Zur Zeit habe ich ja keinen Helfer fürs Technische, aber es ging ganz gut, die jungen Leute wissen sich meist selbst zu helfen. Nur einen Mann aus Tschetschenien haben wir jetzt dabei, der tut sich hart.  Mit ihm lerne ich wieder ein bisschen Russisch. Ich dachte, dass ich schon alles vergessen habe.

Mein letzter Kurs ist 40 Jahre her.

Es war gut besucht. Wetter war auch gut. Nur die Frauen waren nicht da, hoffentlich ist mit den Kindern nichts.

05.12. Konversations- und Intergrationskurs

Am Mittwoch waren 8 Leute zur Zertifikatsübergabe einbestellt. 2 waren ja verlegt worden, einen konnte ich nicht erreichen, obwohl ich alles versucht hatte,

und von den anderen 5 sind nur 2 gekommen. Die sind aber nicht aus meinen Kursen, ich kenne sie nicht. Habe aber erfahren, dass sie wohl nicht verstanden hatten, wo sie hinkommen müssen. Alle sollten um 15 Uhr da sein, wenn unsere Oberhäuptliche zur Zertifikatsübergabe kommen.

1. die beiden kamen auch 1 Stunde zu spät. Und was rede ich immer hin, dass man bei uns pünktlich ist. Außer den Zertifikatsempfängern waren noch 2 da.Auch kein Highlicht. Zumal "mein" Afghane", den ich schon seit 3 Jahren kenne und auch betütele nur mit mir sprechen wollte. Aber das schöne ist, zu der Zeit als er in den Kurs kam - jetzt geht er schon seit 2 Jahren arbeiten - gab es noch keine Zertifikate. Er bekommt eines nach. Da hat er sich gefreut.

Aber nach dem die Zertifikate überreicht waren, haben wir dann eben zu Dritt den Kurs gemacht. War sehr gut.

Im Anschluss bin ich dann aber nicht in meinen Englischkurs gegangen. Es wäre unsere 38. Hochzeitstag gewesen und so habe ich ein bisschen in Erinnerungen geschwelgt - bei einem guten Glas Rotwein.


Der junge Nigerianer, den ich am Dienstag verabschiedet habe, ist auf einem Dorf gelandet, ohne Internetanschluss. Er muss dafür mit dem Bus nach Erding fahren - kosten € 10. Er hat mich ganz aufgelöst angerufen. Oma,  Oma bad place, bad place, und es ging immer so weiter.

Inzwischen hat er mir seine Aufstellung geschickt, was er monatlich bekommt. Wenn da noch mal einer sagt, wir geben alles für die Flüchtlinge aus.

Es ist weit weg von Hartz 4.

Inzwischen suche ich nach Ehrenamtlichen in seiner Ecke, die sich seiner Annehmen können. Er hat schon so viel entsetzliches hinter sich.

Eine Freudin meiner Schwester, die sich nach einem anstrengenden Tagesjob mit Jugendlichen, abends und am Wochenende um Flüchtlinge kümmert und auch im Landkreis Erding arbeitet, wird mir weiterhelfen.


Mein Afghane hat mir erzählt, dass er bei der VHS B1 machen möchte und im Januar einen Einstufungstest hat. Er braucht noch ein bisschen Sprachunterricht und so werden wir ab kommenden Wochenende zusammen lernen. Unter der Woche geht er arbeiten und am Wochendende arbeitet er abends als Küchenhilfe. Den Kurs bei der VHS muss er selbst bezahlen und um zu seiner Arbeit zu kommen, braucht er sein Auto. Das kostet und muss verdient werden. Er bekommt auch nur ganz wenig über dem Mindestlohn.


08.12.18 - gestern hatte ich mich mit meinem Schützling aus Sierra Leone auf dem Weihnachtsmarkt verabredet. Er hatte aber Freunde zuhause und so nicht viel Zeit oder áuch nicht viel Lust mit meiner Schwester und mir da rumzulatschen. Ich muss ehrlich gestehen, ich finde diese Weihnachtsmärkte auch langweilig. Wahrscheinlich war es das letzte Mal, dass ich mir das angetan habe. Hinterher haben wir uns in einem Cafè noch Pils gegönnt.

11./12.12.18

Computersprachkurs: Gut besucht, mit einem Baby - der junge Mann aus dem Kongo. Leider habe ich ja jetzt keinen technischen Assistenten mehr, der mit die Computer anschmeisst. Also muss ich eine halbe Stunde früher hin, weil es bei mir einfach länger dauert. Es war eine nette Runde. Bei meinen Kollegen müssen sie immer ruhig sein. Finde ich doof und wir unterhalten uns, und alles was sie in anderen Kursen, in der Schule oder auf der Straße nicht verstanden haben, erkläre ich.

Ich wurde allerdings auch darüber informiert, dass es einen unschönen Vorfall gab. Einer hat auf dem Weg zur Toilette seinen Testosteronspiegel wohl nicht gut kontrollieren können und eine junge Angestellte von hinten umarmt. Sie ist fürchterlich erschrocken. Ich hätte ihm eine geschmiert. Aber naja.

Es war aber wohl niemand aus meinem Kurs, es muss an einem anderen Tag gewesen sein. Und - das gilt aber für alle Männer, unabhängig von der Herkunft - es wäre schön, wenn sie die Toilettentüre beim Pieseln schließen würden. Frauen müssen immer erst an der Männertoilette vorbei. Ist wirklich nicht toll.

Im Anschluss an den Dienstagskurs hatte ich mich mit meinem jungen Mann aus  Sierra Leone verabredet, ich hatte Informationen für ihn. Er kam aber nicht. Oma, das habe ich vergesssen. Er wollte sich dann einige Zeit später mit mir treffen, da wollte ich aber nicht mehr.

Konversationskurs: Wir waren nur zu dritt. Es ging auch um Religion - nicht gerade wichtig für mich - und eine Erzählung eines jungen Nigerianers hat mir wieder bestätigt, dass ich richtig liege. Er war am Sonntag in der kath. Kirche und da gibt es wohl so etwas wie einen Friedensgruß. Der Pfarrer hat alles aufgefordert, sich die Hände zu reichen. Als er seine Nachbarin die Hand geben wollte, hat diese den Handschlag verweigert. Zu anderen "weissen" Seite aber nicht. Blöde Kuh. Scheinheilig auch noch. Ich weiss schon, warum ich damit nichts am Hut habe. Menschlichkeit kommt aus dem Herzen und nicht vom Himmel.

Dann tauchten 3 andere auf, wovon einer im anderen Gebäude meiner Kollegin mit den Laptops hilft und er hatte wohl eine Whatsapp-Nachricht unserer Bosse nicht richtig verstanden und kam mit den beiden zur Zertifikatsübergabe zu uns. Das ist nicht gerade der kürzeste Weg und sie waren tropfnass.

Die junge Frau ist aus der Ukraine und ihr Mann aus Afghanistan. Flucht bringt die Menschen zusammen. Toll - wenns nicht so traurig wäre.

Sie wollen in Zukunft auch in den Konversationskurs kommen. Sie wussten davon gar nichts. Ich muss wohl ein ernstes Wort mit den Kollegen sprechen, bzw. whatsappen.


Heute - Donnerstag: der junge Mann aus Sierra Leone rief mich heute Vormittag aus dem Krankenhaus an. Er hätte morgen einen Termin beim BAMF. Er ist aber krank und ich sollte für ihn absagen. Habe ich gemacht, aber das hatte der Anwalt auch schon gemacht. Aber ich soll den Krankenbericht schicken, sagte mir die Mitarbeiterin beim BAMF. Also habe ich mich  heute mit ihm für 16 Uhr bei mir verabredet. Jetzt ist es 17 Uhr 10. Keiner da. Ist was passiert?

keine Ahnung.

Und er war nicht der einzige, um den ich mich heute morgen kümmern musste. Der junge Nigerianer der an den Arsch der Welt verlegt wurde braucht dringend einen Ansprechpartner. Ich hatte ja vor ein paar Tagen schon versucht, in Erding jemand zu  erreichen. Heute noch mal angemahnt. Dann kam gegen Mittag eine Nachricht. Es gibt da tatsächlich weder Einkaufsmöglichkeiten noch WLAN. Sprachkurse gibt es auch nicht und wenn, dann muss er nach Erding fahren, Fahrtkosten von 10 € werden aber nicht bezahlt. Von knapp 100 € Taschengeld, das ja auch für anderen reichen muss, nicht machbar.

Ich glaube es hackt. Besonders auch weil der Betrag für Lebensmittel sehr sehr klein ist. Das ist sind junge Männer, die haben Hunger.

Mittagessen habe ich zwischen Telefonate, Emails und Whatsapps gemacht. Dann nach meinem Franz. Kurs heimgehetzt. 5 vor 4 war ich da, aber eben nur ich.

Auf jeden Fall habe ich jetzt Kontakt zu einer Ehrenamtlerin, die aber  auch noch voll berufstätig ist. Ich werde sie morgen anrufen. Sie hat mir geschrieben, dass sie die jungen Leute Sonntag Nachmittag (Ehrenamt!!) oder am Montag nach der Arbeit  aufsuchen kann. Sie war schon 2 x da, aber immer umsonst. Ist ja auch Scheiße, wenn es keine Möglichkeit gibt,  jemand auf dem Handy anzurufen. Und die jungen Leute suchen natürlich nach Hotspots und zum Einkaufen müssen sie auch einige km laufen. Toll.


14.12.18 - zu gestern

1. Das Gespräch mit der Ehrenamtlerin aus Erding kam leider nicht zustande. Sie ist ja berufstätig und als ich anrief, musste sie zu einem Termin. Seitdem habe ich nichts mehr gehört. Vielleicht ruft sie noch an. Allerdings ist es jetzt schon 17 Uhr.

2. Mein nicht zustande gekommenes Treffen. Ich habe heute eine Whatsapp mit Fragezeichen geschickt. "Tut mir leid, ich war in der Moschee".

Meine Antwort: Du spinnst wohl

Da wird ihm beten nicht viel nützen, wenn er niemand mehr hat, der mit Behörden, Ärzten, Anwalt für ihn telefoniert, Termin verschiebt usw.

16.12.18

Also das Gespräch mit der Ehrenamtlerin in Erding kam noch zustande. Heute um 17 Uhr trifft sie sich mit "meinem" Nigerianer".

Gestern habe ich einen Hilferuf von dem Ugandauer, der nach Italien abgeschoben wurde, erhalten. Er hat nicht genügt warme Sachen und friert so.

Er ist nördlich von Turin, auf der ital. Seite des Mont Blanc Massiv. Natürlich ist es jetzt da saukalt. Es gibt keine Kleiderkammern wie bei uns.

Also wenn jemand mich hier unterstützen möchte, jeder Euro ist gefragt. Und da er ja hier bei einer Nacht- und Nebelaktion abgeschoben wurde, konnte er auch nicht mehr alles packen. Und viele wissen nicht, dass Italien auch saukalt sein kann. Je nach dem wo man hinkommt.

17.12.18 - Ich hatte im Internet nach einer Unterstützung aus dem Ehrenamt für die jungen Leute gesucht. Sie wurden ja an den A.. der Welt verlegt.

Ich habe dann diese Frau gefunden, die dann auch gestern gleich hingefahren ist. Sie geht unter der Woche arbeiten und macht das Ehrenamt in ihrer Freizeit. Das hat sie mir heute morgen geschrieben:

"Liebe Frau Schnitker, wollte kurze Rückmeldung geben. Habe Herr Johnson kennengelernt, ein wahnsinnig sympathischer junger Mann und so
motiviert.......

Ich bin sehr unglücklich, dass ausgerechnet er in diese abgelegene Unterkunft muss.
Es ist hier nicht gut, kaum eine Betreuung, Erding so weit weg, keine Schule, keine Arbeit, kein Internet, kaum Busverbindung usw.

Vor den Nigerianern waren viele junge Leute aus Pakistan und Afghanistan. Die sind alle weg...... Alle haben das gleiche gesagt, hier geht man vom Kopf her kaputt und Herr ........ sagt das auch schon. Ich werde mein bestes versuchen, um Abhilfe zu schaffen -

Bitte bleiben Sie auch noch ein bisschen mit ihm in Kontakt... Ich melde mich,."


Ist das nicht traurig? Ich bin hilflos. Ich kann ja da nichts machen. Ich habe jetzt seinen Anwalt angeschrieben, ob wir da was ändern können.

Neu: also der Anwalt kann da gar nichts machen. Wo man hingepfiffen muss man bleiben. Saftladen

17./18./19.2018

Montag, ich war in Mühldorf mit meiner Schwester in Mühldorf bei Western Union und habe 250 € nach Italien überwiesen - leider 20 € Gebühr.

100 € habe ich von einem lieben Nicht-Kollegen bekommen. Aber auf jeden Fall aus der Zeit meines Ehrenamtes in der Schule. Einfach super-

Dann habe ich für den jungen Mann aus Nigeria am Arsch der Welt, warme Handschuhe gekauft, und ein Deutsch-Englisches Buch. Weihnachtsgeschenk.

Als ich das Päckchen aufgegeben habe, habe ich gesehen, dass wir jetzt auch in der Postfiliale Western Union haben.

Dienstag: Computersprachkurs - nicht gerade überbelegt, aber gut besucht. So kurz vor Weihnachten wurden noch sehr viele verlegt. Es ist immer schade, wenn das so überraschend kommt, dass wir nicht Auf Wiedersehen sagen können.

Mittwoch: kleines Jahresabschluss. Es geht ja erst am 08.01.19 weiter. Ich hatte alkoholfreien Punsch dabei - Bio-Apfelsaft, selbst ausgepressten Orangensaft, Bio-Orangen und Äpfel, Gwürze und griechischen Bergtee und Weihnachtsplätzchen. Uuuund eine Weihnachsgeschichte. Da waren sie alle  sehr erstaunt. Eva, die mit Religion und dem ganzen Weihnachtsgedöns nichts am Hut hat, bringt eine Weihnachtsgeschichte mit. Sehr zeitnah, ohne jeden Bezug auf die Religion, sondern - und das war mir wichtig - auf Menschlichkeit, Nächstenliebe - Geben statt nehmen.

War eine schöne kleine Runde. Es kam dann auch noch SL und ein Neuer dazu. So solls sein. Er kommt aus Nigeria und ist mit Frau und Kind hier. Erst seit 2 Wochen. Noch kein Wort Deutsch.

Es wurde allerdings später und so kam ich nicht mehr zu meinem Englischkurs - was mir nicht so leid getan hat, sie wollten Weihnachtslieder singen. Brauch ich nicht.

Ich brauch: warme Handschuhe und Schals - also her damit !!!!!!!!!!!

Von 24.12. bis 26.12. öffne ich meinen Stall für einen Unterschlupfsuchenden. Er ist zum Glück Muslim und wird bei mir keinen Weihnachtsschmuck erwarten. Gibt es nämlich nicht. Kerzen mag ich auch nicht. Dafür habe ich jede Menge zum Essen eingekauft, ich kenne seinen Appetit. Und da er jetzt arbeitet - im Schichtdienst - wird er auch nicht mehr viel  Zeit zum Kochen haben. Ich mach gleich ein bisschen mehr - falls was übrig bleibt - das kann er dann mitnehmen.

über die Feiertage

Am 24.12. abends hat meine Schwester den jungen Mann aus Uganda am Bahnhof in Ampfing abgeholt. So war er eine Stunde früher da.

Es gab Rinderwiener, Bratkartoffeln und Weisskraut. Und ein Pils dazu. Von meiner Schwester hatte ich Panna Cotta (jedes Jahr, weil es meine Lieblingsnachspeise ist) und von der Ex-Schwiegertochter hatte ich Mousse au Chocolat bekommen.

Ich hatte ja immer gedacht, dass seine schiefe Nase vom Boxen kommt. Und ich dachte auch, dass man ihn deshalb so schwer versteht.

Nein er hat einen Wolfsrachen und eine Hasenscharte (die ist aber kaum zu sehen). Außerdem hat man ihm u.a. bei Folter mit einer Eisenstange auf den Hinterkopf geschlagen und den Knochen verletzt, so dass Hirnflüssigkeit und BLut ausgetreten ist.

Er ist ein langer Kerl und so war mein Gästebett etwas  zu kurz für ihn.

Wir haben abends noch geratscht und so am nächsten Tag lange geschlafen. Er hat dann Kontakt zu Kollegen aus dem Ankerzentrum aufgenommen. Da ist  ein Nigerianer, der es versteht, diese irren harten Locken zu trimmen. Diese Locken fühlen sich wie Pfeifenreiniger an. Es gibt in Deutschland kaum Frisöre, die diese Haare schneiden  können. Und für den anderen ist es ein kleiner Zuverdienst. Das Ankerzentrum durfte er aber nicht mehr betreten und so haben sie die Haare im Park geschnitten. Verrückt.

Da wir sehr spät gefrühstück hatten (Spiegelei, Toast und Obst), gab es erst gegen 16 Uhr Mittag-Abend-Essen. Ente, Blaukraut und Nudeln. Rezept war neu und ist mir nicht gut gelungen.

Am 2. Feiertag hat mir etwas geholfen. Die Toilettenspülung ließ sich schon seit Wochen nicht mehr stoppen. Das hat er alles auseinander genommen.

Zusammensetzen war aber wegen eines kaputten Teils nicht mehr möglich und so habe ich jetzt eine neue Technik lernen müssen. Aber es klappt.

Dann haben wir alle Luftschlitze zugemacht. Ich weiss nicht, ob jemand den Dieter Nuhr gesehen hat. Da hat er auf diesen Blödsinn hingewiesen.

Wir machen die Wohnungen hermetisch dicht, müssen aber dann wegen Sauerstoffmangels Luftschlitze in jedem Raum haben. Die sind aber  immer offen.

Können auch nicht durch irgendeinen Mechanismus geschlossen werden. Ich war neulich bei der Genossenschaft und habe gefragt, was denn bei einem Chemieunfall wäre. Da solle ich dann die Schlitze schnell zukleben. Ich steige auf keinen Stuhl und keine Leiter. Ja dann soll ich anrufen. Hoffentlich bin ich dann noch am Leben bis jemand kommt. Dann war ja jetzt 2 1/2 Wochen mein Neffe da und hat auf der Loggia geraucht. Da nach außen auch die Verglasung geschlossen war, ist der ganze Rauch durch diese Schlitze wieder ins Wohnzimmer gekommen. Schnauze voll. Jetzt ist alles zu geklebt. Ich muss halt noch mehr lüften und Sauerstoff reinlassen. Habe jetzt erfahren, dass das fast alle im Haus gemacht haben.

Am späten Nachmittag hat ihn dann meine Schwester wieder zum Bahnhof gefahren. Und ich hatte vergessen ihm das Geld für den Zug zu geben. Ich werde das überweisen.

Er ist war ja seit 24.11. bei Amazon beschäftigt. Gerade hat er mir geschrieben, dass der Vertrag nicht verlängert wurde. Ich bin traurig für ihn.

Allerdings hatte ich ihn schon vorher gewarnt, dass Amazon moderne Skalverei betreibt und vor Weihnachten nur billige Arbeitskräfte sucht.

Er hat kein Zeugnis bekommen und auch noch nicht die Abrechnung für Dezember. Die Abrechnung werde ich kontrollieren und ein Zeugnis anmahnen.

Wir hatten hier auch seinen Antrag für psychiatrische Betreuung ausgefüllt. Habe ich gestern abgeschickt. Hoffentlich bekommt er bald den Termin. Er braucht dringend Hilfe.

Wir haben auch gemeinsam seine Frau und Tochter in Uganda angerufen. Aber sie haben mich nur groß angeschaut und kein Wort gesagt.

"was macht die alter Weiße da mit Mann und Vater?" Beide sind sehr hübsch.

Er war auch viel zu dünn angezogen. Zum Glück war ich ja mal viel dicker und so hatte ich noch einen warmen Sweater von Trigema. Hat gepasst und steht ihm sehr gut .

Insgesamt waren es 2 1/2 sehr schöne Tage.


Ein anderes Thema. Ich habe erfahren von jungen schwulen Afrikanern, dass man ihnen hier erzählt, dass es in Deutschland kein HIV gibt und sich hier niemand damit anstecken kann. Das ist menschenverachtend. Ich habe darauf hingewiesen, dass sie sich min. alle 2 Jahre untersuchen lassen müssen, weil es sehr wohl HIV gibt. Sogar ansteigend - leider wieder. NUR SAFER SEX. Ich hoffe, sie beachten das. Ich kann ja schlecht kontrollieren.

Ein rechtzeitiges Erkennen der Krankheit kann schlimmstes verhindern.

Um was man sich alles Gedanken machen muss.

Ein anderer junger Mann aus Uganda hat mir Bilder geschickt von der Deutschen Familie, die sich um ihn kümmert und bei der er auch Weihnachten gefeiert hat. Er hat mir am Telefon gesagt: Die Deutschen sind die besten Menschen!!!!!!!!

Sind wir das?


Manche schon. Daher etwas, was mir Dagmar geschrieben hat:

Sie arbeitet ja mit jungen Flüchtlingen zusammen - beruflich, ja - aber extrem engagiert:

"Mein Bezugsjunge hat am Hl. Abend Abschiebeverbot nach Afghanistan bekommen. Wir hatten einen negativen Bescheid und Klage eingereicht. Im November war ich mit ihm auf der Verhandlung. Das war das schönste Weihnachtsgeschenk".


Also es gibt auch in Bayern noch Wunder. Wir brauchen mehr Ehrenamtler, die sich engagieren. Mehr, mehr, mehr

29.12.18

Mein Schützling aus Sierra Leone hat eine Rechnung vom Anwalt bekommen und weiss nicht wofür. Ich schon. Er hat wohl dem Anwalt den Auftrag gegeben, für ihn eine Ausbildungsgenehmigung zu erreichen. Der Anwalt wird nur tätig, wenn er eine unterschriebene Vollmacht hat. Die hat er wohl, denn der junge Mann hat auch 90 € angezahlt. Jetzt ist die ganze Rechnung ca. 300 € fällig. Der Anwalt hatte ihm im Herbst wohl auch gesagt, dass er eine Geburtsurkunde braucht (ohne die gibt es keine Ausbildungsgenehmigung, außer bei Eriträern, weil Eritrea so was nicht hat). Die hat er nicht organisiert und so geht der Anwalt nun davon aus, dass der junge Mann nicht weiter an dem Verfahren interessiert ist. Die Rechnung ist aber trotzdem fällig.

Der junge Mann möchte möglichst alles alleine machen. Ohne mich, ohne die "Oma". Dabei habe ich ihm schon öfters gesagt, nichts zu unterschreiben, bevor er es mir nicht gezeigt hat.

Dann wollte ich mich deswegen heute morgen mit ihm auf dem Wochenmarkt treffen. Aber meine Nachricht hat er erst gelesen als ich schon wieder zuhause war. Vielleicht klappt es nächste Woche. Ich springe nicht, wenn er schreit. Jetzt muss er warten.


Jahreswechsel 2018/2019

An  alle, die mir immer  wieder geschrieben haben tritt kürzer, kann ich nur sagen, nein, ich habe so tolle Wünsche fürs neue  Jahr von meinen
Schützlingen bekommen, dass mir die Tränen runter gelaufen sind. Es war ein wunderbarer Jahreswechsel, jede Anstrengung war es wert erbracht zu werden.
Ich bin glücklich.

um 18 Uhr bekomme ich wieder Besuch. Es ist der hier fußballspielende Ugandaer. Ein sehr engagierter, sehr zielstrebiger junger Mann. Ich hoffe, dass  neue Jahr bringt ihm endlich eine Arbeitserlaubnis. Ausbildungsplatz hätte er schon. Er  kann natürlich viel mehr. In Uganda er studiert. Spricht mehrere Sprachen. Wenn er Deutschland wieder verlassen muss, dann haben wir es verschissen. (Ich weiß, das sagt man nicht, ist aber so.


Mit meinem Freund aus Nigeria hatte ich einen sehr liebevollen Schriftwechsel zum Jahresende. Nicht so einfach, weil er ja in den USA ist.

Allein die Freundschaft mit ihm ist aller Mühen wert.

02.01.2019

Der gestrige Abend hat mir wieder viel Erkenntnis gebracht. Der junge Mann kam in einem Muskelshirt - wow. Was ein Glück, dass ich schon so alt bin.

Da er zur Zeit ja Winterpause beim Fußball hat, hat er nicht so viel gegessen. Er will nicht zunehmen. Sie haben zur Zeit auch kein Training.

Er ist ja ein richtiger Womanizer. Bevor er nach Deutschland kam, war er in Norwegen. Jetzt zu Weihnachten ist ihm eine ugandische Frau aus Norwegen nachgereist. Sie wolle ihn haben. Er muss da mal drüber "Nachdenken"!!!! Frage: was suchst Du denn? Wenn er endlich eine Arbeitserlaubnis hat und hier genug Geld verdient, dann hält er Ausschau nach einer Frau mit seiner Kultur und einem festen christlichen Glauben, damit er mit ihr Kinder haben kann.

Ich hoffe, es bleibt dann bei 2 oder 3. Er selbst hat 5 Geschwister, die die Mutter alleine durchgebracht hat. Und es muss ihm auch genug Geld bleiben, damit er seine Mutter versorgen kann. Und er muss seinem Bruder Geld zurückzuzahlen, da ihm dieser sein Studium finanziert hatte.

Bis er hier die richtige Frau gefunden hat, hat er  sich auf jeden Fall schon mal ausgetobt.

Wir haben dann noch ein bisschen über Deutsche Tischsitten gesprochen. Kann nicht schaden, wenn er beruflich weiter kommen will.

Und dann hat mich fast der Schlag getroffen. Wir kamen auf Idi Amin zu sprechen. Für uns ein Despot, ein Massenmörder. Für ihn ein Mann, der sein Land liebte und alles was da nicht hingehört hat, vernichtet hat. (Was  wäre, wenn wir auch so denken würden? Der AfD wären Tür und Tor geöffnet.).

Trump. Warum ich so gegen ihn bin? Er ist doch auch ein Mann, der alles für sein Land tut.

Ich hoffe, ich habe ihn zum Nachdenken gebracht, dass er in Deutschland keine Zukunft hätte, mit einem Idi Amin oder Trump an der Regierung.

Er hat studiert, er war in fremden Ländern, spricht mehrere Sprachen und durch den Fußball (Nationalspieler) hat er auch immer Kontakt zu anderen Ländern und Spielern aus anderen Nationen gehabt.

Ich finde es wichtig, darüber nachzudenken, dass wir einfach glauben, was unsere Häuptlinge über andere Länder, Regierungen usw. erzählen.

Wenn mein nigerianischer Freund aus den USA wieder in sein Land zurückkehren sollte, dann möchte ich ihn doch dort besuchen. Wir leben hier in einem Wolkenkuckucksheim. Ich möchte es mal vor Ort erleben. Wenn ich alle nötigen Impfungen überstehe und nicht noch viele Jahre bis dahin vergehen.

Und jetzt zu Syrien:

Gestern hat mich ein junger Syrer, den ich in der Schule kennengelernt hatte und auf dessen Hochzeit ich auch eingeladen war, angeschrieben.

Er hat zu Weihnachten 2 Flaschen Wein geschenkt bekommen (welcher Depp war das denn). Er trinkt doch als Muslim keinen Alkohol. Ob er den Wein verkaufen kann. Er hat mir dann Bilder geschickt. Kann er bestensfalls verschenken, oder verkochen. Da verfliegt der Alkohol. Inzwischen ist er auch Vater geworden (seine Frau war auch Schülerin an der Schule). Einen Sohn, Mohammad - auweia - da hat mein Integrationsversuch versagt. Mit diesem Namen verbauen sie dem Kind die Zukunft in Deutschland. Arbeitsplatz- und Wohnungssuche sind damit sehr erschwert.

Das muss ich meinen jetzigen Kursen noch mal ansprechen.

Und auch da ist mir wieder eingefallen, dass einer der syrischen Schüler mit mal gesagt hat, dass er nicht versteht, warum wir alle gegen Assad sind.

Das Problem ist in seinem Land der IS, nicht Assad.

Er will auch irgendwann  wieder nach Syrien zurückgehen, wenn der IS komplett weg ist. Assad hält ihn davon nicht ab. Er war für ihn ein Problem so lange er in einem Alter war, in dem er Gefahr lief, eingezogen zu werden. Dafür ist er nun zu alt und so könnte er irgendwann sicher zurückkehren. Er hat einen Beruf gewählt, den er dann  in  seinem Land gut einsetzen kann - Trockenbau.

Ich weiß jetzt, dass ich nichts weiß - frei nach Sokrates

Ich habe nicht gedacht, dass ich noch mal so viel dazu lernen kann, darf, muss. Toll, macht irre Spaß. Ist aber auch manchmal verwirrend

03-01-19

ich habe den ganzen Tag mit einem Bewerbungsschreiben und Kontaktaufnahme zu der suchenden Firma verbracht. Für den jungen Mann, der mich zu den Feiertagen besucht hatte.

Er war befristet bei Amazon, aber die suchen ja fürs Weihnachtsgéschäft nur ein paar Trottel, die sie ausnehmen können, er ist so enttäuscht, dass er nicht weiter beschäftigt wurde. Nur gut, dass ich ihn schon vorgewarnt hatte. Sie suchten nur Leute fürs Weihnachtsgeschäft.

Bei einem Arbeitsvermittler habe ich auch noch was gefunden, aber ein Job direkt bei der suchenden Firma ist mir lieber. Die anderen bieten ja alle nur befristete Verträge an und die Bezahlung ist ja auch noch schlechter.

Jetzt geht für ihn wieder die Rennerei zu den Ämtern los, ob er auch für diese Arbeit eine Arbeitserlaubnis bekommt. Ein endloser Papierkram.

Wenn er einen unbefristeten Arbeitsvertrag bekommt, darf er auch umziehen und muss nicht  seinen Verdienst für Bahn und Bus ausgeben.

04.01.19

Heute morgen habe ich einen begeisterten Anruf von dem jungen Nigerianer, den sie an den Arsch der Welt verlegt  hatten, erhalten. Ich hatte ja den Asylkreis, der für ihn in seinem neuen Landkreis zuständig ist, angeschrieben und 2 sehr nette Ehrenamtlerinnen erwischt. Sie betreuen die Jungs sehr liebevoll. Sie haben Fahrräder organisiert, nächste Woche bekommen die Jungs auch WLAN. Ist das nicht fantastisch? Vom Landrat können sie keine Hilfe erwarten, der ist "anti" angestellt. Ich möchte hier nicht schreiben, wie ich ihn für mich tituliert habe. Könnte in die 'Rubrik Beleidung fallen.

Der junge Ugandaer, für den  ich gestern die Bewerbung geschrieben habe, hat wieder einen neuen Ausweis für 6 Monate erhalten, verbunden mit einer Arbeitserlaubnis. Achja.

Ich muss aber noch eine für ihn schreiben. Wenn ich nur nicht so blöd wäre, diese Computertechnik richtig schnell umzusetzen. Ich brauch immer Stunden bis es klappt.

06.01.19

der´junge Ugandaer, auf Suche nach einem neuen Job, hat in mir seine Sekretärin gefunden.  Nachdem wir den ganzen Nachmittag gewhatspped hatten und ich das Gefühl hatte, er versteht nicht, was ich meine, habe ich in jetzt angerufen. Auch nicht so leicht. Er war bei Freunden. Man geht es da zu. So laut. Ich würde aus dem Fenster springen. Ich hoffe aber, dass er jetzt alles verstanden hat, und jede Bewerbung an die richtige Adresse schickt, bzw. abliefert. Und fürs nächste Mal habe ich ihm gesagt, dass er  sich für Fotos besser anziehen muss.

08.01.2019

Hatte ich schon geschrieben, dass der Ugandaer, der jetzt in Italien ist und so gefroren hat, sich inzwischen von dem Geld, das ich ihm geschickt hatte (mit Unterstützung eines ehemaligen "Kollegen" aus der Berufsintegrationsschule), sich warm eingekleidet hat? Er hat mir ein Foto geschickt mit einem breiten glücklichen Grinsen. Heute hat er mir wieder geschrieben - in tadellosem Deutsch. So ein Mist, dass er weg musste. Er ist noch dazu Klempner, ein Beruf, der hier dringend gesucht wird. Jetzt hängt er in Italien rum. Lernt aber auch gut Italienisch. Unsere Korrespondenz ist 3-sprachig. Für ihn frische  ich ja meine Italienisch- Kenntnisse wieder auf.

Mein "Weihnachtsbesuch" hat sich inzwischen bei McDonalds vorgestellt, und eine Spedition, die ich für ihn angeschrieben hatte, hat immerhin den Eingang der Unterlagen (per E-Mail) bestätigt. Wir schicken aber auch noch mal die Originalunterlagen.

Gestern hat mich auch der Afghane ER kontaktiert  und mir Mails, die er von der Botschaft erhalten, übermittelt. Kapier ich auch nicht. Habe ihm geraten, noch mal seine frühere Anwältin in Passau zu kontaktieren. Sie ist spezialisiert auf Afghanistan. Er geht ja hier arbeiten, ist verheiratet, hat einen Stiefsohn, der bereits die Deutsche Staatsangehörigkeit hat. Er möchte erst mal seine Tochter aus erster Ehe (Frau ist aufgrund von Misshandlungen durch die Taliban in Afghanistan verstorben) nach Deutschland holen. Darum handelt es sich wohl bei den Papieren. Aber leider kann ich da nicht direkt helfen.

Am Abend habe ich dann mit meinem nigerianischen Freund  FO geskypt. Er ist jetzt schon ein Jahr in den USA. Allein um mit ihm skypen zu können, hat sich mein Engagement um Flüchtlinge, Asylsuchende, Migrante gelohnt. Lieber wäre mir allerdings, er hätte hier in Deutschland bleiben dürfen.

Seine Zukunft ist so ungewiss.


Gerade habe ich eine Mail erhalten, dass eine der beiden Ehrenamtsdamen in Erding (in den Bereich fällt der junge Nigerianer PJ, den man ans Ende der Welt verlegt hatte), einen Sprachkurs für ihn und seine 4 Kollegen gefunden hat. Und da ich geschrieben hatte, dass er mich am 21. hier besuchen will und ich ihm dann Pullover geben möchte, meinte sie, dass sie eine Kleiderkammer haben, aus der er Sachen bekommen kann. Prima, dann bleiben die Pullover für Waldkraiburg. Wir haben hier keine Kleiderkammer  mehr. Leider

2 tolle Kolleginnen da in Erding. Sie werden beide überhaupt nicht unterstützt. Der Landrat hat eine sehr negative Einstellung. Soll sich schämen.

08.01.2019

Nach 2 Wochen Zwangsferien wegen der Feiertage ging es gestern wieder weiter. 7 Erwachsene und ein Baby. 3 neue waren dabei. Ein junger Mann aus dem Kongo und 2 aus Nigeria. Geärgert habe ich mich auch. Der Kongolese, der schon länger da ist, hatte vor Weihnachten Geburtstag und ist mich da schon angegangen, wo sein Geschenk wäre. Ich habe ihm klar gemacht, dass ich keine Geburtstagsgeschenke mache. Ich bin doch kein Krösus.

Gestern kam er noch mal. Wo sein Geschenk bleibt.

Dann verteile ich ja immer Kekse, Schokolade u.ä. Gestern habe ich die Tüte einfach mal rumgehen lassen. Die Nigerianer haben sich wie immer 2 Stücke rausgenommen. Die beiden Kongolesen haben alle besseren Schokoladen rausgenommen, der neue bis zu 10 Stück. Den anderen hatte ich nach 5 Stück eingebremst. Die Kongolesin mit Baby hat sich auch anständig benommen.

Bei den neuen Nigerianern ist einer dabei, der kaum schreiben kann. Das ist das erste Mal, dass ich so etwas beobachtet habe. Beide kamen über Italien nach Deutschland. Der eine spricht fliessend italienisch, er wird auch schnell deutsch lernen. Aber er wollte mit mir nur italienisch sprechen. Also ging es quer durch deutsch, englisch, französisch und italienisch. Puh

und heute wird es so weitergehen. Ich berichte morgen darüber. Hoffentlich kommt jemand, es ist scheussliches Schneetreiben. Da wird es wieder heißen:

Mama, Oma - das Wetter war so schlecht.

09.01.19

Es waren 7 da. Super Ausbeute. Trotz scheußlichem Wetter.Ich habe heute einen Abreißkalender Deutsch für Ausländer gekauft und da haben wir gleich mal die ersten Seiten durchgearbeitet. War viel Spaß. Dann habe ich ihnen das im Raum stehende Migrations- und Arbeitsrecht für Ausländer erklärt und dass es wohl bis Ende des Jahres dauern wird, bis es in Kraft treten kann. Warum so lange? Weil wir ein gut funktionierende Demokratie haben und Demo (das Volk) mitbestimmen darf. Finden sie mühevoll. Ich auch, aber Hauptsache es funktioniert.

Dann wollte  ich von allen Name, Aufenthalt, wie lange in Deutschland usw. wissen und auch wie alt sie sind. Das wollten sie von mir dann auch wissen und ich habe sie raten lassen. So charmante junge Männer. Das älteste war 62 Jahre. Waaaaas schon 74? Sie taten auf jeden Fall so, als könnten sie das nicht glauben.

10.01.2019

Das stand gestern in unserer Zeitung:

"Waldkraiburg hatte noch nie so viele Einwohner: 25 526

Die Einwohner haben 100 verschiedene Nationalitäten. Die größten Anteile haben:

Rumänen: 1333; Türken( mit türkischem Pass): 891; Ungarische Staatsbürger: 705; Polen: 339; Nigerianer: 310 (wobei das auf die Erstunterkunft zurückzuführen ist, mit wechselnden Bewohnern); Kroaten: 234


Die restlichen Nationen sind mit weniger als 200 Personen vertreten. Aber hier aus aller Welt. Stark vertreten die Balkanländer, aber auch Asien

und natürlich sehr viele Menschen aus Syrien und Afghanistan.


Ich finde das toll. Das  ist aber so ziemlich das einzige, was mir mittlerweile an Waldkraiburg gefällt.

Diese Menschen werden zu wenig integriert, sie bleiben sich selbst überlassen und kommen dann sehr oft mit unserer Mentalität und unserem freiem Leben nicht zu Recht.

Da sind die Neuankömmlinge, z.B. die Nigerianer besser dran. Hier wird sich besser gekümmert. Leider bleiben sie dann aber nicht in Waldkraiburg.

Und sie sind in ihrer Einstellung viel moderner und offener als die Menschen vom Balkan oder Russland oder aus den Vorderasiatischen Ländern.

Die Nigerianer sind auch in Glaubensdingen viel offener. Der nigerianische Präsident ist Muslim, sein Vize Christ. Die Christen aus Nigeria sagen mir, dass sie aus Glaubensgründen keine Probleme haben. Leider gibt es genügend andere. Weil weder der Muslim noch der Christ für ihr Volk da sind.


 Waldkraiburg ist vom Baustil her recht häßlich. Ist ja auch in der Zeit der Beton-bausünden entstanden. Quadratisch, praktisch, aber eben NICHT gut.


Waldkraiburg der "little apple" im Vergleich zu NewYork "Big apple".

Ich wünsche mir ja ein richtiges Europa, ohne Nationalstaaten, nur mit einer Europäischen Regierung. Aber davon sind wir durch die vielen Egoisten weit entfernt. Ich werde es sicher nicht mehr erleben.

Ich mag die Vielfalt der Menschen. Aber natürlich mag ich nicht jeden, gibt schon auch richtige Blödmänner-frauen dazwischen. In ALLEN Nationen.

11.01.19

gestern habe ich noch Termine für meine Schützlinge vereinbart.

Heute um 16 Uhr kommt mein enger Schützling I. aus Sierra Leone. Er hat wohl einige Probleme, über die er mit mir sprechen will.


Um 17 Uhr 30 kommt der Fussballer  H. aus Uganda. Er hat gestern die Ergebnisse seiner B1-Prüfung  erhalten. SEHR GUT. Er ist einer der wenigen, die es auf Anhieb geschafft haben. Ich hatte ihm ja Deutschunterricht für B1 bei einem Kollegen organisiert. Er war mal Gymnasiallehrer und ist einfach Klasse.

Er wird sich auch sehr gefreut haben. Jetzt machen sie weiter für B2. Wenn der junge Mann mir schreibt, bekommt er aber auch immer sofort die Korrektur.

Das mache ich bei allen, die sich darüber freuen. So ist das Whatsappen manchmal sehr langwierig. Manchmal gibt es auch gleich noch Erklärungen dazu.

Dieser junge Mann hat Aussicht auf ein Schnupperpraktikum in einer unserer angesehendsten Firmen in Waldkraiburg. Da er weiß, dass ich da mal die Sekretärin des Chefs war, will er so einiges über die Firma wissen. Dabei bin ich schon seit 1991 dort weg. Aber ich habe gestern Abend noch Firmenprospekte deutsch-englisch organisiert. Es früheres Mitglied der Geschäftsleitung arbeitet jetzt auch im Kreis Asyl(einer der Häuptlinge). Er hat mir die Unterlagen in den Briefkasten geworfen. Es ist toll, wenn alle mithelfen.

Ich hoffe ja, dass der junge Mann dort eine Ausbildung machen kann.

12.01.19

zu gestern: Also erst kam der junge Mann aus Sierra Leone, den ich jetzt seit ca. 3 Jahren betreue. Ich habe es geschafft, dass er in die Berufsintegrationsschule gehen konnte. Er war ein guter Schüler, hat aber  auch viel Unterstützung von den Lehrern erfahren, er bekam kostenlose Nachhilfe in Mathe, eine Lehrerin hat ihm ein Fahrrad geschenkt. Gegen Ende der beiden Jahre hat er nachgelassen. Er war unglücklich. Hatte Kopfschmerzen und eine innere Trauer. Er hat viele Praktika gemacht, alle waren mit ihm zufrieden. Er hätte immer wieder einen Ausbildungsplatz gehabt, aber er war nicht im Stande die dafür nötige Geburtsurkunde zu besorgen. Ohne Papiere gibt es keinen Ausbildungsplatz und da er keinen Pass hat, braucht er dringend die Geburtsurkunde. Er geht jetzt seit einem Jahr in eine Berufsvorbereitungsschule. Die ist jetzt aber im Februar zu Ende und wenn er da keinen Ausbildungsplatz hat, dann mache ich mir Sorgen um ihn. Das war nun gestern unser Thema, nicht zum ersten Mal, aber ich habe eine leichte Hoffnung, dass er jetzt endlich den Ernst seiner Lage begriffen hat. Zumindest hat er gesagt "ja Oma".


Er war gerade gegangen, da kam der FU (Fußball/Uganda). Wir haben die Prospekte der Firma durchgesehen, bei der er heute ein Sondierungsgespräch hat. Er  hat Städtebau-Architektur studiert. Was könnte  ihm nun ein Chemieunternehmen von größtem Ansehen anbieten. Bin mal gespannt, was er mir schreibt. Ich habe ihm geraten, auf jeden Fall eine Ausbildung zu machen. Wie lange er Fußball spielen kann, weiß er nicht, die Verletzungsgefahr ist ja immer da. Diese Firma wird sich auch darum bemühen, dass er jetzt endlich eine Arbeitserlaubnis bekommt. Bis das neue Ausbildungsjahr im September angeht, habe ich ihm zu diversen Schnupperpraktika in dieser Firma geraten.

Ich hatte ihm ja auch gesagt, auf was seine Mutter, die an Diabetes leidet, achten soll. Mein Rat ist angekommen, befolgt worden und es geht ihr besser.

Hurra.

Mit USA habe ich auch heute gewhatsapped - mache ich ja jeden Tag mehrmals - aber gestern Nacht hatte er sich nicht mehr gemeldet und ich hatte Sorgen, dass er aufgrund des Shut-Downs, keinen Bus nach Hause bekommen hat. Alles ok. Die Busse werden vom Staat New Jersey betrieben. Sie sind kein Staatsunternehmen. Trotzdem macht er sich Sorgen um seinen Arbeitsplatz aufgrund dieser Situation. Ich werde jetzt mal auf unser beider gemeinsamen Wohl einen Lambig trinken (bretonnischer Calvados). Cheers

14.01.18

Heute Morgen den jungen Mann aus Uganda geweckt, damit er ja pünktlich zu seinem Vorstellungsgespräch kommt. Gestern Abend hat er mir noch geschrieben, dass er Grippe hat. Ist wohl eine starke Erkältung. Ich habe ihm gesagt, dass er trotzdem zu dem Vorstellungsgespräch gehen soll, viel Tee, vor allem Ingwertee trinken soll. Hat er mir heute Früh bestätigt, dass er das gemacht hat.

Dann wartet er immer noch auf seinen Termin bei psychiatrischen Betreuung bei der Caritas in Augsburg. Habe ich heute auch noch mal angemahnt.

Dann habe ich ja Hilfe gesucht, wer Adressen weiss, bei einer Lippen-Gaumenspalte - betrifft auch diesen jungen Mann. Von einer Freundin habe ich jetzt die E-Mail-Anschrift eines Freundes bekommen, er Kiefernchirurg ist - bei Krebserkrankungen. Vielleicht kann er weiter helfen. Der junge U. hat große Probleme beim Atmen, Schlucken und sprechen. Hinzu kommt ja auch noch seine schwere Kopfverletzung (Folter).

Bitte Daumen drücken für: Termin bei der Caritas, positives Bewerbungsgespräch, Operateur für die Gaumenspalte.


Für einen anderen Nigerianer, der auch nicht mehr in Waldkraiburg ist, aber sein Anwalt ist im Nachbarort, habe ich beim Anwalt für nächsten Montag einen Termin erbeten. Heute noch mal angemahnt. Hoffentlich klappt es. Nächsten Montag habe ich Zeit auch mit dem Bus nach Ampfing zu fahren, damit wir uns wiedersehen können.

Fortsetzung - Fall Arbeitssuchend

Gerade habe ich einen Anruf von U. bekommen, der sich heute bei einer Zeitarbeitsfirma vorgestellt hat. Sie können ihn leider nicht nehmen, weil in seinem Ausweis steht "Arbeitsaufnahme nur mit Genehmigung der Ausländerbehörde". Um diese Genehmigung zu bekommen, muss die suchende Firma einen Antrag ausfüllen und dann warten, ob er arbeiten darf. Ich habe mit der Personalchefin gesprochen. Man hätte ihn genommen, aber man braucht ihn sofort. Bis der Antrag durchgeht dauert es aber meist Wochen und die Zeit hat man nicht. Es tut ihnen leid, er hätte anfangen können.


Ist das nicht eine Scheiße? Entschuldigung, sagt man nicht, muss aber raus. Da könnte er selbst für  sich aufkommen, aber wegen bürokratischem Vorgehens macht man das kaputt und wir zahlen mit unseren Steuergeldern. Wie dämlich kann man denn sein?

Dabei hatte er ja schon bei Amazon gearbeitet. Warum verlängert man nicht einfach die Arbeitserlaubnis? Da lag ja bereits eine vor.

15.01.18 Operation Gaumenspalte

ich habe schon einiges positives erfahren.
1. Rosemarie will sich umhören
2. ein Geldbetrag wurde mir auch schon angeboten
3. Ein Bekannter einer Freundin ist Kiefernchirurg. Ich habe ihn gestern  angeschrieben und heute schon eine Antwort erhalten. Nichts konkretes,
aber immerhin keine Ablehnung. Er arbeitet mit mehreren Kollegen  zusammen, auch im Bereich caricativer Hilfe.
Aber er muss noch einiges wissen. Das größte Problem ist er Aufenthaltstatus meines Schützlings. Da habe ich jetzt auch Kontakt zum Anwalt aufgenommen.

15./16.19

Dienstag, Computersprachkurs

War wieder anstrengend - 3 x Kongo und 1 Baby, 1 x Tschetschenien, 2 Nigeria, 1 x Eritrea = 3 verschiedene Sprachen. Dabei kann ich weder tigrinisch (Eritrea), noch sind meine Russischkenntnisse (Tschetschenien) brauchbar. Das ist schon so lange her, dass ich Russisch gelernt habe.

Der Kongolese wollte mir doch glatt was über das Verhältnis Russland zu Tschetschenien erzählen und auch, dass die Krim zu Russland gehört.

Da sind wir uns ganz schön in die Haare geraten. Der arme Tschetschene hat ja gar nicht verstanden um was es geht, obwohl er schon ganz gut Deutsch spricht. Er hat sich aber sehr gefreut, dass ich etwas über sein Land wusste und auch wie die Hauptstadt heißt.

Mittwoch, Konversations- und Integrationskurs

2 x Nigeria, 1 Kongo, 1 x Eritrea, 1 x Ukraine, 1 x Afghanistan - die beiden letzteren sind ein Ehepaar, schon seit 18 Jahren zusammen. Also war noch eine andere Sprache - Dari - dabei. Und die beiden hatten auch noch ihre 3jährige Tochter dabei. Sie hat mir gleich gezeigt, dass sie schon auf Deutsch bis 10 zählen kann. Ich habe dann nach Russisch gefragt - das ging nicht mehr so gut.

Ich hatte dann gefragt, ob die Kleine in den Kindergarten geht. Nein, das darf sie nicht, weil die Mutter sich in der Erstaufnahme um das Kind kümmern kann. Und dann fragt man, wie soll sich das Kind integrieren? Es wäre ja auch eine Hilfe für die Eltern. Sie könnten dann auch ohne Kind unsere Sprachkurse besuchen, was sie aber auch machen. Der Sohn geht in die Mittelschule.

Wir hatten sehr viel Spaß. Und ich hatte wieder für alle Mandarinen dabei. Dienstags gibt es immer was Süßes, mittwochs Obst. Sie fragen alle schon danach. Warum ich nicht mehr Kurse gebe.

Es ging um Termine, Pünktlichkeit, Höflichkeit. Eigenarten der Deutschen Sprache, Sprichwörter. Da lerne ich auch was, ich lasse mir die Sprichwörte dan n gleich ins Englische und Französische übersetzen

Und der Kongolese hat mich wieder genervt und sich bei den anderen beschwert, dass er immer noch kein Geburtstagsgeschenk bekommen hat. Er wird langsam lästig.